POTSDAM. Beim Bundesparteitag der Linken in Potsdam ist Unruhe entstanden wegen der Frage, ob man das WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft am Samstagabend gegen die Elfenbeinküste verfolgen darf oder nicht. Wie Focus Online berichtet, versuchte ein Delegierter mit einem Dringlichkeitsantrag zu erreichen, dass ein für den Parteitag organisiertes Public Viewing kritisch eingeordnet wird. „Ich hasse die Fifa und Infantino ist ein Faschist“, begründete er demnach seinen Vorstoß.
Der Antrag wurde letztlich nicht weiter beraten. Allerdings sorgte das Public Viewing auch darüber hinaus für Unwohlsein. Auf einem Flyer wurden Teilnehmer ausdrücklich ermahnt: „Keine Fahnen, kein Nationalismus, kein Stress!“ Ein Delegierter sagte dem Focus, man wolle „Gespräche führen“, sollte jemand mit Deutschland-Trikot auf dem Parteitag unterwegs sein. Ein Mitglied der Linksjugend kommentierte das Spiel mit „Deutschland verrecke!“

Parteitagsdelegierter hat Angst
Bei einem weiteren Delegierten löste das wiederum Angst aus. Er berichtete gegenüber dem Focus, dass er das Spiel gerne ansehen und auch für deutsche Tore jubeln würde. „Ich werde es mir aber nicht anschauen, oder zumindest nicht auf dem Parteitag. Ehrlich gesagt habe ich Angst, dass ich dann dumme Kommentare bekomme.“ Ein anderer Delegierter kommentierte: „Das sagt nichts Gutes über unsere Partei.“ Es habe „doch nichts mit Nationalismus oder Patriotismus zu tun, wenn man sich ein Fußballspiel anschaut“.
Parteichefin Ines Schwerdtner hatte die Weltmeisterschaft bei einer Pressekonferenz so eingeordnet: „Die Fifa ist ein Drecksverein, aber Fußball ist natürlich toll.“ Schwerdtner wurde am Samstag mit 85,7 Prozent der Delegiertenstimmen im Amt der Parteivorsitzenden bestätigt. Zum Co-Chef wurde Luigi Pantisano gewählt. Er erhielt allerdings nur 53,3 Prozent der Stimmen; einen Gegenkandidaten hatte Pantisano nicht.
Der 46jährige hatte vor der Wahl mit einem Bild-Interview für Aufregung gesorgt (JF berichtete). Darin formulierte er: „Letztlich gibt es auch gerade gar keinen Unterschied zwischen der CDU, die faschistische Politik macht, der AfD oder den Faschisten selbst.“ Später sagte er, die Formulierung sei unglücklich gewesen. Pantisanos Aussagen sorgten für parteiinterne Kritik. „Ich bin doch etwas irritiert über die Aussage, denn so pauschal kann man das in meinen Augen nicht sagen“, mahnte etwa der Linken-Vorsitzende in Mecklenburg-Vorpommern, Hennis Herbst, gegenüber t-online. (ser)





