BERLIN. Die Bundesregierung verfügt nach eigenen Angaben über „keine Statistik“ zu Asylmigranten, die aus Erstaufnahmeeinrichtungen verschwunden sind. Das teilte das Bundesinnenministerium auf eine Schriftliche Frage des AfD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Münzenmaier mit. „Entsprechende bundesweite Daten werden nicht erhoben“, heißt es in der Antwort, die der JUNGEN FREIHEIT vorliegt. Zuständig seien die Länder.
Anlaß der Nachfrage waren jüngst bekannt gewordene Zahlen aus Rheinland-Pfalz. Dort sind seit Juli vorvergangenen Jahres insgesamt 923 Personen aus Erstaufnahmeeinrichtungen verschwunden. Das entspricht einer Quote von 9,1 Prozent bezogen auf die Zahl der im selben Zeitraum aufgenommenen Asylbewerber (JF berichtete).
Vor diesem Hintergrund wollte Münzenmaier wissen, wie viele Asylbewerber, Flüchtlinge oder subsidiär Schutzberechtigte bundesweit derzeit als „abgängig“ oder mit unbekanntem Aufenthaltsort geführt werden. Die Bundesregierung erklärte hierzu lediglich, ihr liege „keine Statistik im Sinne der Fragestellung vor“.
Tausende Asylbewerber verschwunden
Münzenmaier reagierte gegenüber der JF ungehalten. „Offenbar interessiert man sich im Hause Dobrindt nicht dafür, wie viele Migranten aus Erstaufnahmeeinrichtungen abgetaucht sind und irgendwo in Deutschland herumschwirren“, sagte er. Es sei ein „Armutszeugnis“, daß Journalisten inzwischen besser informiert seien als das Bundesinnenministerium.
Eine JF-Abfrage bei den Ländern zeigte, daß Rheinland-Pfalz kein Einzelfall ist. In Hessen verschwanden in den vergangenen 18 Monaten 1.763 Personen aus Asylunterkünften. Niedersachsen, Brandenburg und Thüringen meldeten jeweils dreistellige Zahlen. Andere Länder erheben entsprechende Daten gar nicht.
„Während Journalisten die Zahlen zu diesem Skandal recherchieren, gibt es im ganzen Innenministerium nicht einen Beamten, der die Daten mal bei den Ländern abfragt, damit die Bundesregierung ein realistisches Bild der Lage hat“, kritisierte Münzenmaier. Stattdessen seien die Beamten mit der Organisation weiterer Einreisen aus Afghanistan beschäftigt, vermutet der Abgeordnete. Am Mittwoch landeten erneut 46 Afghanen in Deutschland (JF berichtete). Münzenmaier: „So sieht sie aus, die große Migrationswende von Merz.“ (sv)






