BERLIN. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hat offenbar über das Ausmaß seiner Arbeit während des Stromausfalls in der Haupstadt am 3. Januar (JF berichtete) die Unwahrheit gesagt. Zuvor hatte der Politiker erklärt, er habe sich tagsüber in sein Homeoffice in Kladow „eingeschlossen“, sei „den ganzen Tag am Telefon“ gewesen und habe Krisenmaßnahmen mit der Bundesregierung koordiniert. Tatsächlich nahm er vor seinem Tennismatch am Mittag aber offenbar keinen Kontakt zur Bundesregierung oder dem Innenministerium auf, wie der Tagesspiegel berichtet.
Stattdessen soll Wegner zwischen 8 Uhr und 13 Uhr lediglich „im Austausch mit verschiedenen Stellen der Senatskanzlei, anderen Senatsmitgliedern und Teilen des Krisenstabs“ gestanden haben. Dieser Austausch habe sich zudem auf kurze Textnachrichten mit Innensenatorin Iris Spranger (SPD) sowie ein Gespräch mit der Senatskanzlei beschränkt. Wie lange dieses Gespräch ging, wollte die Behörde nicht mitteilen.
Erst knapp vier Stunden später, gegen 12:45 Uhr, soll es zu einem Telefonat zwischen Wegner und Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) gekommen sein. Giffey soll bereits zuvor versucht haben, den Regierenden Bürgermeister anzurufen – erfolglos. Wegners Rückruf erfolgte erst am frühen Mittag.
Wegner wollte den „Kopf frei kriegen“
Kurz nach dem Anschlag hatte Wegner das Tennisspiel mit Schulsenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) zunächst verschwiegen (JF berichtete). Als dies aufflog, rechtfertigte er die Sportstunde mit seinem vorherigen Arbeitspensum. Er habe zuvor „in der Tat um 8:08 Uhr begonnen, die Telefonate zu führen“ – mit den Krisenstäben, mit dem Stromnetz Berlin, „vor allem auch mit der Bundesregierung“.
Dabei habe er die „Voraussetzungen geschaffen, dass wir die Bundeswehr auch mit in diese Krisenbewältigung bekommen“. Anschließend habe er „von 13 bis 14 Uhr Tennis gespielt, weil ich einfach den Kopf frei kriegen wollte“.
Der Stromausfall am 3. Januar war durch einen Anschlag ausgelöst worden. Die linksextreme „Vulkangruppe“ bekannte sich später mit einem Schreiben zu dem Angriff (JF berichtete). (lb)






