BERLIN. Der Musiker Herbert Grönemeyer hat die durch rechte Fraktionen durchgesetzte EU-Rückführungsverordnung in Brüssel als „Schandfleck in der europäischen Geschichte auf ewig“ gegeißelt. In einem Instagram-Post am Sonntag veröffentlichte der 70jährige ein Foto handgeschriebener Zeilen, in denen er die Verschärfung der europäischen Migrationspolitik heftig kritisierte.
Grönemeyer beschrieb die Freude rechter Abgeordneter über die Abstimmung im EU-Parlament am 17. Juni als „bizarres, schamlos brutales Triumphgebrüll der weißen Überheblichkeit“. Dies sei „ein Höhepunkt des unanständigen, zutiefst menschenverachtenden Zynismus, kalter Verhöhnung, größenwahnsinnig und dramatisch inhuman“.

Abstimmung rechter Fraktionen sei „unvergessbar und unentschuldbar“
Am vergangenen Mittwoch beschlossen rechte und konservative Parteien im EU-Parlament eine Verordnung, die schnellere Abschiebungen ermöglichen soll. EU-Staaten sollen zudem mehr Instrumente bei der Bekämpfung illegaler Migration an die Hand gegeben und die Errichtung von Rückführungszentren im Ausland möglich gemacht werden.
Videoaufnahmen zeigen, wie sich mehrere Abgeordnete nach der Abstimmung zum Applaus erhoben und teilweise „Send them back“ riefen. Die Abstimmung erfolgte durch mitunter enge Zusammenarbeit der Fraktionen EVP, der unter anderem die Union angehört, der EKR und der ESN, der auch die AfD angeschlossen ist. „Was für ein Signal in die Welt“, echauffierte sich Grönemeyer. Der gebürtige Göttinger beendete seine wütenden Zeilen mit den Worten: „Unvergessbar und unentschuldbar.“
Sänger hetzt nicht zum ersten Mal gegen Andersdenkende
Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Sänger über Rechte aufregt und sich für illegale Migranten starkmacht. Im Februar hatte er in der Wiener Stadthalle sein Publikum gespalten, als er bei einer Bühnenrede gegen „die Rechten“ wetterte, die er in „ihre Löcher verschwinden“ sehen will. Dabei versprach er, weiter „für die Demokratie“ einzutreten, „bis diese ganze Hetze und die Menschen mit ihrem furchtbaren rechten Geschwafel wieder in ihren Löchern verschwinden und uns endlich in Ruhe lassen“ (JF berichtete).
Auch widmete Grönemeyer das Lied „Doppelherz“, ein zweisprachiges deutsch-türkisches Werk, „an alle Migranten“. Es sei „widerlich“, Flüchtlingen das Leben hier verbieten zu wollen, erklärte der Musiker. Im selben Monat bezeichnete Grönemeyer bei einem Konzert in Dortmund Andersdenkende als „rechte Ratten“.
Grönemeyer erhält den Deutschen Nationalpreis
Für sein Engagement für „unsere Demokratie“ ehrt der Vorsitzende der Deutschen Nationalstiftung, Thomas Mirow (SPD), den Musiker am 23. Juni mit dem Deutschen Nationalpreis (JF berichtete). Mit der Verleihung wolle man „Herbert Grönemeyers außerordentliche künstlerische Leistung und zugleich sein überzeugendes Engagement für die Werte unserer Demokratie würdigen“, betonte Mirow. Grönemeyer setze sich stets für eine „offene, freiheitliche Gesellschaft“ und „für soziale Gerechtigkeit“ ein, womit er „für viele Menschen zum Vorbild“ werde, begründete Mirow die Entscheidung.
Der durch Lieder wie „Bochum“ bundesweit bekannte Künstler ist spätestens seit der sogenannten „‘Correctiv’-Recherche“ Anfang 2024 ein vehementer Verteidiger der „Brandmauer gegen rechts“. Schon damals beklagte er, die Brandmauer bröckle „enorm“, und rief Menschen dazu auf, sich gegen das Einreißen dieser zu stemmen. Die Asylkrise und Masseneinwanderung 2015 hatte er als „Glücksfall“ für Deutschland gelobt (JF berichtete). (rsz)





