ZÜRICH. Der bekannte Philosoph und Schriftsteller Rüdiger Safranski hat die Brandmauer-Politik gegen die AfD scharf kritisiert. Wenn es im Herbst zur Situation komme, dass es bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern eine AfD-Mehrheit gibt, komme man in eine „absurde Situation“, sagte Safranski im Interview mit der NZZ. „Dann wird die Brandmauer zur neuen Berliner Mauer, bloß vom Westen her errichtet – eine Brandmauer, die gegen die neuen Bundesländer steht.“
Es sei „ein Wahnsinn“, in den man sich dort hineingeben habe, warnte der 81jährige. „Die Politik der Brandmauer ist absolut fatal.“ Der CDU warf er vor, sich in „Geiselhaft“ der SPD begeben zu haben. Die Union müsse deswegen „eine SPD-Politik machen, weil sie keine andere Option hat“, kritisierte Safranski.
„Man hat sie zum absoluten Teufel erklärt“
Wenn die CDU damit drohen könnte, sich von der AfD in der einen oder anderen Frage tolerieren zu lassen, „dann könnte sie die Überlegenheit, die sie vom Stimmenanteil her hat, auch tatsächlich ausspielen“. Dies sei allerdings unmöglich, weil sie sich in diese „Brandmauer-Politik verkrallt“ habe.
Der Philosoph wies darauf hin, dass „eine Mitte-rechts-Politik“ in der Bundesrepublik derzeit unmöglich sei, weil man die AfD so lange dämonisiert habe. „Man hat sie zum absoluten Teufel erklärt und sitzt jetzt in der Falle“, resümierte Safranski. Zugleich betonte er, die AfD sei für ihn „keine sympathische Partei“. Sie habe „am Narrensaum rechtsradikale Kräfte, wie es an den Rändern der linken Parteien linksradikale Kräfte gibt“. Aber sie gehöre ins demokratische Spektrum.
Statt die Partei von Alice Weidel und Tino Chrupalla weiter zu dämonisieren, müssten die anderen Parteien darauf setzen, sie zu „zivilisieren“. Die AfD solle „Regierungserfahrung sammeln, das schleift ab“, sagte der Schriftsteller. „Die Grünen waren früher auch sehr radikal und sind dann staatstragend geworden.“ (ho)





