GEISENHEIM. Ein Schlagabtausch zwischen dem AfD-Wahlkämpfer Serge Menga und der Musikmanager-Gattin Ute von Ingelheim auf dem Marktplatz des hessischen Geisenheim (Rheingau-Taunus-Kreis) ist viral gegangen. Die Partei hatte dort – wie die CDU, die SPD und die FDP – einen Wahlkampfstand aufgebaut. Am Sonntag werden in Hessen die Kommunalparlamente neu gewählt.
Als Serge Menga (hier im JF-TV-Interview) sich mit Leuten vom Infostand der Wählervereinigung „Zeit für Bürger“ unterhält, unterbricht ihn eine Frau, die sich später als Ute von Ingelheim herausstellt. Offenbar kann sie nicht glauben, dass ein Schwarzer freiwillig für die AfD um Mitglieder wirbt und fragt: „Bekommen Sie eine Gage?“
Menga, der mit dem AfD-Lokalpolitiker Dimitri Schulz unterwegs war, antwortet ironisch: „Ja, kann ich Ihnen sagen: Ich bekomme pro Auftritt 25.000 Euro – steuerfrei. Und wissen Sie warum? Weil ich schwarz bin und für die Quote da bin. Weil ich nämlich aus dem Dschungel – kein Uka, Uka mehr mache – komme. Und ich bin da, um Sie als deutsche Frau zu beglücken. Ich bin dazu da als Schwarzer, weil ich mir den Führer wieder zurückwünsche.“
Menga: „Das sind die wahren Rassisten“
Von Ingelheim, die mit dem Intendanten des Rheingau Musik Festivals, Michael Herrmann, verheiratet ist, erkennt offenbar den Sarkasmus und rät ihm: „Sie sollten auf die Bühne gehen.“
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Daraufhin erzählt Menga von einem gemeinsamen Auftritt mit dem AfD-Ministerpräsidentenkandidaten von Baden-Württemberg, Markus Frohnmaier, auf einer Bühne und bittet die 63jährige, AfD-Mitglied zu werden. Als diese ablehnt, will er die Diskussion mit den Worten „Ich habe zu arbeiten“ abbrechen und zieht weiter über den Geisenheimer Marktplatz. Doch Ingelheim, deren Sohn Marsilius als CDU-Kandidat für den Kreistag antritt, folgt ihm und redet auf ihn ein.
Menga, der schon seit Jahren für die AfD Wahlkampf macht, dreht sich daraufhin in die ihn begleitende Kamera und sagt: „Das sind die wahren Rassisten. Weil der schwarz ist, darf der keine politischen Überzeugungen haben.“ Er könne natürlich nur von den Weißen bezahlt werden: „Ich bin extra aus Afrika geholt worden für die AfD.“ Dann wiederholte er noch einmal von Ingelheims Frage: „‘Was kriegen Sie denn an Gage?‘“ Um zu ergänzen: „Und diese Menschen wollen für Vielfalt kämpfen.“
Geisenheims Bürgermeister verlangt Erklärungen
Das Ganze hat jetzt ein Nachspiel: Einen Tag später schaltet sich der Bürgermeister von Geisenheim, Christian Aßmann, mit einer E-Mail an die AfD in Mengas denkwürdigen Auftritt ein. Aßmann hatte die AfD 2024 vor dem Rathaus als „rechtes Gesindel“ beschimpft.
Nun behauptet er in dem Schreiben, das der JUNGEN FREIHEIT vorliegt, „bei vielen Bürgerinnen und Bürgern sowie Gästen unseres Wochenmarkts hat die teilweise übergriffige und unangenehme Ansprache, welche entsprechend permanent gefilmt wurde, für Irritationen und Unwohlsein gesorgt“.
„Im Namen vieler Bürgerinnen und Bürger“ will der 43jährige wissen, ob Menga „selbst Mitglieder (sic!) Ihrer Partei AfD“ sei. Und er fragt, falls das zutreffe, welchem „Landes-, Kreis- oder Ortsverband der AfD“ er angehöre.
Der Bürgermeister der 11.500-Einwohner-Stadt wiederholt auch sinngemäß von Ingelheims Frage: „Wird Herr Serge Menga von Ihnen für die Auftritte gebucht und erhält er hierfür eine Entlohnung (u.a. Honorar, Spende, Arbeitslohn etc.)?“

Für die Beantwortung setzt Aßmann der AfD eine Frist bis zum heutigen Donnerstag. Ob und wie die Partei die E-Mail beantwortet, ist nach JF-Informationen noch unklar. Aßmann war vor drei Jahren von den Geisenheimern ohne Gegenkandidaten zum Bürgermeister gewählt worden. Er steht am Sonntag nicht, sondern erst wieder in drei Jahren zur Wahl. (fh/vd)





