BERLIN. Der Podcaster Benjamin Berndt hat die Boykottvorwürfe der Bundestagsabgeordneten Saskia Esken (SPD) gegen sein Interviewformat „ungeskriptet“ (JF berichtete) als einen „Riesenangriff auf die Pressefreiheit“ zurückgewiesen. „Der Post von Saskia Esken hat mich schockiert“, sagte Berndt am Mittwoch der JUNGEN FREIHEIT gegenüber.
Es sei eine Sache, wenn rechte oder linke Medien „Quatsch“ über ihn und seine Arbeit schrieben. „Aber es ist etwas anderes, wenn ein einflussreiches Mitglied einer Regierungspartei dazu aufruft, die Finanzierung eines freien Mediums zu kappen“, warnte der 41jährige. Hintergrund ist das Höcke-Interview des Podcast-Newcomers von vergangener Woche, das seither für Aufregung sorgt.
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„Ben ungeskriptet“: Esken hat sich ein „kleines Unternehmen“ herausgepickt
Als Medienfachmann kenne er die schrillen Töne im Medienrummel: „Klappern gehört zum Geschäft.“ Esken hingegen habe ihre Angriffe mitten im Bundestag vom Teleprompter abgelesen und dann auf ihrem eigenen Kanal hochgeladen. „Das war von langer Hand geplant“, zeigte sich Berndt sicher.
Dabei habe sich die Sozialdemokratin nicht „einen gut finanzierten Konzern“ wie den Springer-Verlag herausgepickt, sondern „ein kleines Unternehmen“ wie sein Studioteam. Besonders schockiert äußerte sich Berndt über folgenden Sachverhalt: „Es ist nicht einmal was gegen mich persönlich, weil ich irgendetwas gesagt habe – das wäre immer noch schlecht, aber ich hätte das verstanden. Sie hat aber ganz grundsätzlich gesprochen.“
Die Drohung im Raum: „Wenn ihr das tut, habt ihr die Regierung gegen euch“
Sinngemäß laute die Warnung an alle Medien, die nun merkten, dass man mit Videos wie denen von „ungeskriptet“ Klicks und Geld machen könne: „Wenn ihr das tut, habt ihr die Regierung gegen euch.“ Das Gleiche gelte für alle potentiellen Werbepartner von Medienunternehmen.
In diesem Zusammenhang zog Berndt auch den Vergleich zu Äußerungen von Schleswig-Holsteins Ministerpräsidenten Daniel Günther, der im Januar bei einem Auftritt in der ZDF-Talksendung „Markus Lanz“ unklar gelassen hatte, ob er sich ein Verbot von alternativen Medien wie Nius vorstellen könne oder nicht.
„Seine Äußerungen sind wenigstens spontan in einer emotionalen Gesprächsrunde entstanden“, betonte Berndt. Esken habe demgegenüber mit Vorsatz gehandelt.
Berndt im JF-Interview: „Medien haben Reverse-Marketing für mich gemacht“
Mit seinem Interview des Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke erreichte Berndt bisher rund vier Millionen Aufrufe. Das viereinhalbstündige Gespräch war von teils langen Erläuterungen des rechten Politikers geprägt, die der Gastgeber vergleichsweise zurückgenommen moderierte. Medien wie der Spiegel warfen dem Podcaster deshalb vor, Höcke eine Bühne geboten zu haben, „um sich selbst und sein rechtsextremes Weltbild auszubreiten“.
Im Interview mit der JF betonte Berndt hingegen, er habe mit seinem Interview einfach nur eine Marktlücke offengelegt. „Bei Höcke sind Abermillionen Euro geflossen, um die Bevölkerung darüber zu informieren, dass das der schlimmste Mensch der Welt ist“, merkte der gebürtige Sauerländer an.

Er bezeichnete diese Negativberichterstattung gegenüber der JF als „Reverse-Marketing für meinen Podcast“. Die Zahl der Klicks und Kommentare unter dem Höcke-Beitrag könne man als eine „massive Kritik am Journalismus“ verstehen. Viele Menschen hätten keine Lust mehr auf mediale Bevormundung und würden sich ihre Meinung lieber selbst bilden wollen. Daher bekomme er derzeit auch viel Zuspruch in den sozialen Netzen, so Berndt. Derzeit steht „ungeskriptet“ auf Platz sieben der deutschen Podcast-Charts beim Streaminganbieter Spotify – hinter dem Comedyformat „Baywatch Berlin“ und den True Crime-Episoden von „Mord auf Ex“.
Esken nach Höcke-Interview: „Ich sag mal: Blacklisting hilft“
In Ihrem via Instagram ausgespielten Video aus dem Bundestag hatte die Ex-SPD-Vorsitzende Saskia Esken wegen der Einladung von Höcke den Boykott von „ungeskriptet“ gefordert: „Unternehmen, deren Werbung in einem solchen Podcast ausgespielt wird, sollten mal schauen, wie sich das abstellen lässt.“
Berndt habe mit dem Thüringer AfD-Chef einem „Faschisten“ eine Bühne geboten – „damit kann man im Netz in kurzer Zeit Millionen von Aufrufen und ziemlich gute Werbeeinnahmen erzielen“, echauffierte sich die gelernte Informatikerin. Und fügte hinzu: „Ich sag mal: Blacklisting hilft.“ Unter „Blacklisting“ versteht man den automatischen Ausschluss bestimmter Adressen von den eigenen Werbeflächen im Netz. (fw)







