DÜSSELDORF. Arbeitsministerin und SPD-Vorsitzende Bärbel Bas hat sich deutlich über Kritik an ihrer Person beschwert: „Ich bin so ein personifiziertes Feindbild geworden.“ Es bleibe „nicht so einfach in den Klamotten hängen, was man so lesen muss“, klagte sie beim „Ständehaus-Treff“ der Rheinischen Post in Düsseldorf.
Mit immer neuen scharfen und beleidigenden Angriffen hatte Bas zuletzt Schlagzeilen gemacht. Die Reformvorstellungen des Bundeskanzlers Friedrich Merz (CDU) nannte sie „Bullshit“, über die Arbeitgeber sagte sie, ihr sei klar geworden, dass „wir gegen sie kämpfen müssen“. Im Bundestag behauptete sie: „Niemand wandert in die Sozialsysteme ein.“ Und zuletzt forderte sie weitere Massenzuwanderung, weil man sich gegen „dieses sogenannte Einheitsgrau, ich würde es sogar -braun nennen“ wehren müsse.
Die Kritik an ihr begründete sie aber nicht mit ihren eigenen Aussagen. Vielmehr seien es gerade rechte Netzwerke, die versuchten, starke, selbstbewusste Frauen mit Hass und persönlichen Angriffen kleinzukriegen. Besonders schlimm sei es, wenn das bei Kindern ankomme, deren Eltern sich politisch engagierten. „Und jetzt bin ich schon fast froh, keine eigenen Kinder zu haben.“
Bas appelliert an „Demokratinnen und Demokraten“
Die 58-Jährige sagte über das Echo, das sie hervorruft: „Es ist nicht einfach, das auszuhalten.“ Es gehe dabei nicht um sachliche Kritik, sondern um puren Hass, „auch um Vergewaltigungsfantasien – was man sich nicht alles anhören muss“. Den Kritikern gehe es darum, „die Person kleinzumachen, die Person fertigzumachen, dass sie irgendwann aufgibt“.
Zwar komme ihr auch schon mal der Gedanke: „Ich könnte es mir mal irgendwie einfacher machen.“ Dann denke sie aber immer wieder: „Nein, den Gefallen tue ich denen nicht.“ Sie gebe jedoch zu: „Je härter und stärker das wird, umso mehr denkt man darüber nach, wie lange hält man das aus?“
An das Publikum appellierte sie: „Demokratinnen und Demokraten, wir dürfen uns nicht zurückziehen und den Populisten das Feld überlassen.“ Dafür erhielt sie viel Applaus.
Merz bietet Bas das „Du“ an
Als ihr der Chefredakteur der Rheinischen Post, Moritz Döbler, entgegenhielt, sie würde aber auch – ähnlich wie Merz – „regelmäßig missverständliche Sätze raushauen“, räumte Bas ein: „Ja, wir telefonieren darüber auch sehr oft. Und deswegen arbeiten wir wahrscheinlich ja auch ganz gut zusammen.“ Das sei wirklich so. „Wir reden viel auch über das, wer was so über wen gesagt hat.“

Dann erzählte sie eine Anekdote: Merz habe ihr im vergangenen Sommer nach einer gemeinsamen Dienstreise im Regierungsflieger das „Du“ angeboten. Eine Woche später habe sie die Aussagen des Kanzlers als „Bullshit“ bezeichnet. Als Merz sich daraufhin bei ihr gemeldet habe, habe sie gleich gefragt, ob er das „Du“ jetzt wieder zurückziehen wolle. „Nein, nein, aber wir sollten mal drüber reden“, habe der Kanzler geantwortet. „Das kann ja so nicht weitergehen.“ Daraufhin habe es „einen Versöhnungssalat mit zwei Bier“ gegeben. (fh)







