WIESBADEN. Die Zahl der Abtreibungen in Deutschland ist auch 2025 auf einem hohen Niveau geblieben. Vergangenes Jahr wurden insgesamt mehr als 106.000 Fälle gemeldet, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. Dies entspricht einem Rückgang um 0,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr (JF berichtete). Zugleich merkt die Behörde an, die Zahl liege damit weiterhin über dem Niveau der letzten Jahre vor den Corona-Lockdowns. Zwischen 2014 und 2020 hatte sich der Wert zwischen 99.000 und 101.000 Abtreibungen bewegt.
Dem Bundesamt zufolge liegen keine Erkenntnisse über die persönlichen Entscheidungsgründe für eine Abtreibung nach der sogenannten Beratungsregelung vor. Darunter fallen 96 Prozent der Fälle im vergangenen Jahr. Der Rest wurde mit medizinischen Gründen sowie Sexualdelikten begründet.
Rund 44 Prozent der Frauen, die im vergangenen Jahr abgetrieben haben, hatten zuvor kein Kind zur Welt gebracht. Überdurchschnittlich viele, nämlich mehr als 63 Prozent, waren ledig oder geschieden. In der weiblichen Gesamtbevölkerung lag dieser Anteil Ende 2024 bei 42 Prozent.
Deutlich mehr Abtreibungen bei Frauen über 35 Jahren
Laut dem Bundesamt lassen Frauen die Abtreibung heute früher als zuvor vornehmen. 2015 waren noch 36 Prozent der Fälle auf die ersten sechs Schwangerschaftswochen entfallen, zehn Jahre später stieg der Anteil auf 49 Prozent. Der erste Herzschlag beginnt meist schon in der fünften Woche.
Im gleichen Zeitraum stieg auch die Zahl der Abtreibungen unter Frauen in den höheren Altersgruppen. 29 Prozent der Frauen, die 2025 diesen Eingriff durchführen ließen, waren älter als 35 Jahre. Im Vergleich zu 2015 nahm die Zahl unter den 40- bis 44jährigen um etwa 24 Prozent zu, unter jenen zwischen 35 und 39 Jahren sogar um fast 28 Prozent. Damit stiegen die Zahlen schneller als die Größe dieser Altersgruppen insgesamt in den gleichen Jahrgängen. Gegenüber 2015 gab es 6,6 Prozent mehr Frauen in Deutschland im Alter von 40 bis 44 Jahren und 14,7 Prozent mehr im Alter von 35 bis 39 Jahren.
Dagegen sank die Zahl der Abtreibungen in den jüngeren Altersgruppen. Unter den 15- bis 17jährigen verringerte sich die Zahl dieser Eingriffe gegenüber 2015 um 6,1 Prozent. Die Zahl der Frauen in der gleichen Altersgruppe nahm zur gleichen Zeit um 4,0 Prozent ab. Unter 20- bis 24jährigen ging die Zahl der Abtreibungen um 4,4 Prozent zurück. Dies entspricht nahezu dem Rückgang der Anzahl der Frauen in diesem Alter, der 4,9 Prozent betrug. (kuk)






