MÜNCHEN. Auf der Münchner Theresienwiese haben sich am Samstagnachmittag laut Polizei rund 250.000 Menschen zu einer Großkundgebung gegen Irans Mullah-Regime versammelt. Die Veranstaltung war Teil eines international koordinierten Protesttages. Die Teilnehmer waren teilweise aus verschiedenen europäischen Ländern sowie aus Übersee angereist.
Zu der Demonstration aufgerufen hatte Reza Pahlavi, der Sohn des 1979 gestürzten Schah. Pahlavi, der am Wochenende Gast bei der Münchner Sicherheitskonferenz ist, bekräftigte vor den Demonstranten, er wolle „den Übergang“ im Iran anführen und dem Land eine demokratische Zukunft ermöglichen. Die internationale Gemeinschaft forderte er auf, sich für die Freiheit des Iran einzusetzen: „Vor allem die freien Nationen dieser Welt und ihre Regierungen sollten sich auf die richtige Seite der Geschichte stellen.“
Demonstranten hoffen auf US-Hilfe
Die Kundgebung stand unter dem Motto: „Menschenrechte und Freiheit für Iran. Internationale Solidarität mit dem iranischen Volk.“ Über das Gelände wehten zahlreiche iranische Fahnen, daneben waren auch US-amerikanische und israelische Fahnen zu sehen. Die Veranstalter vom Verein „The Munich Circle“ hatten ursprünglich nur 100.000 Teilnehmer angemeldet.
In Sprechchören verlangten viele Anwesende ein Ende der religiösen Führung in Teheran. Teile der Menge äußerten zudem Erwartungen an ein stärkeres Eingreifen der Vereinigten Staaten. Der republikanische US-Senator Lindsey Graham griff diese Stimmung in seiner Rede auf und stellte Unterstützung in Aussicht. Dabei bezog er sich auf frühere Aussagen von US-Präsident Donald Trump, der Hilfe für die iranische Bevölkerung angekündigt hatte. Hintergrund sind verstärkte militärische Aktivitäten der USA in der Region. Jüngst schickten die Amerikaner einen weiteren Flugzeugträger in die Region.
Viele Teilnehmer unterstützen Pahlavi
Unter den Rednern befanden sich auch die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann sowie der Publizist Michel Friedman. In ihren Beiträgen kritisierten sie die Führung in Teheran scharf und warfen ihr schwere Menschenrechtsverletzungen vor. Friedman empörte sich: „Wie kann man es wagen, eine Religion – den Islam – zu mißbrauchen, um in Wirklichkeit Verbrechen, Terrorismus und den Mord an der eigenen Bevölkerung durchzuführen?“
Ein erheblicher Teil der Teilnehmer bekannte sich offen zur Monarchie und sprach sich für eine Rückkehr Pahlavis auf den Thron in Teheran aus. Der Schah-Sohn betont jedoch seit Jahren, keine Rückkehr zu einer autoritären Herrschaft anzustreben, sondern einen demokratischen Neubeginn zu unterstützen.
Proteste gegen Sicherheitskonferenz
Unterdessen fanden am Rande der Sicherheitskonferenz noch weitere Demonstrationen in München statt. Die Stadtverwaltung sprach von insgesamt 19 angemeldeten Veranstaltungen.
Etwa 1.700 Personen nahmen am Samstagnachmittag an der Demonstration und anschließenden Kundgebung des „Aktionsbündnis gegen die Nato-Sicherheitskonferenz“ teil. Dazu aufgerufen hatten unter anderem die Linkspartei, das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) und die DKP.
Die Veranstalter wandten sich vor allem gegen „Rüstungswahnsinn“, das nordatlantische Bündnis als solches, die „globale Hegemonie des Westens“ und einen „deutschen Führungsanspruch“. In der Kritik stand aber auch der „Rechtsruck“ in der Gesellschaft sowie der „Vormarsch faschistischer Bewegungen“. Deutlich machte das Bündnis zudem, daß es auf „antifaschistischer Grundlage“ arbeite. Migration und Fluchtbewegungen seien Folge des Kapitalismus. Im übrigen verbat man sich Flaggen von Nationalstaaten, da niemand diskriminiert werden solle.
Lage bleibt friedlich
Gezeigt wurden solche – deutsche, bayerische, Friedenstauben- und Fantasiefahnen – dagegen bei der Demonstration von „München steht auf“, die sich ebenfalls gegen die Sicherheitskonferenz richtete. Parolen und Teile der Reden wiesen starke Bezüge zur sogenannten Querdenken-Bewegung auf. Redner wandten sich vor allem gegen amerikanische Nuklearwaffen, die Stationierung von Mittelstreckenraketen in Deutschland, gegen die Wehrpflicht sowie gegen „Russophobie“, die in einem neuen „Fall Barbarossa“ münden könnte. Prominente Teilnehmer waren der ehemalige Linken-Bundestagsabgeordnete Diether Dehm und die linke Publizistin Ulrike Guerot.
Nur wenige hundert Meter entfernt versammelten sich einige Hundert Personen, die teilweise das genaue Gegenteil forderten: mehr Unterstützung für die Ukraine im Kampf gegen den russischen Aggressor. Trotz der gegensätzlichen Anliegen blieb es friedlich, auch als der Zug der „München steht auf“- an der Pro-Ukraine-Demonstration vorbeizog. (dh/vo)






