Deutsche Sprache in der EU
Deutsche Sprache in der EU Foto: Fotos: picture alliance / PantherMedia / picture alliance/ZUMA Press / JF-Montage
„Jahr der deutschen Sprache“ und EU-Außenpolitik

AfD startet Initiativen für deutsche Sprache

BERLIN. Die AfD-Fraktion im Bundestag hat von der Bundesregierung mehr Engagement für die deutsche Sprache gefordert. Die Muttersprache der Deutschen sei bedroht, heißt es in einem Antrag, der die schwarz-rote Koalition dazu aufruft, 2021 zum „Jahr der deutschen Sprache“ zu erklären.

„In der Wirtschaft, in der Wissenschaft, ja selbst im Alltag kommunizieren in Deutschland immer weniger Menschen auf Deutsch“, heißt es in dem Papier der Fraktion rund um die Vorsitzenden Alice Weidel und Alexander Gauland. Auch immer mehr Hochschulen und Universitäten böten ihre Studiengänge nur in englischer Sprache an. „Zudem beeinflussen Migration und moderne Kommunikationsmittel unsere Sprache heute zunehmend, was sich in nicht korrekter Aussprache und Grammatik niederschlägt.“

„Traditionen und Entwicklungen der deutschen Sprache bewußt machen“

Hinzu kämen „ideologisch motivierte Projekte, wie der Gebrauch der sogenannten geschlechtergerechten Sprache“, die die „Schönheit und Verständlichkeit des Deutschen“ gefährdeten. Anläßlich des 500. Jahrestages des Beginns der Übersetzung der Bibel durch Martin Luther sei es deshalb „unverzichtbar“, sich die „Traditionen und Entwicklungen der deutschen Sprache bewußt zu machen und mit den Bürgern darüber einen Dialog zu beginnen“.

Die Bundesregierung solle deshalb 2021 zum „Jahr der deutschen Sprache“ erklären. Zudem solle sie ein Programm auflegen, mit dem deutschlandweit Festveranstaltungen und Diskussionen in Erinnerung an die Bibelübersetzung abgehalten werden.

Vielsprachigkeit werde in der EU zunehmend in Frage gestellt

In einem weiteren Antrag fordert die AfD die Bundesregierung auf, sich im Europäischen Rat dafür einzusetzen, „daß Deutsch in der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union – wie auch in der Europäischen Kommission üblich – zur gleichberechtigten offiziellen Arbeitssprache erhoben wird“.

Das Prinzip der Vielsprachigkeit werde in der EU zunehmend in Frage gestellt zu Gunsten von Englisch als Verkehrssprache. Dabei sei die europäische Sprachenvielfalt „ein kultureller Wert ersten Ranges und bildet den besonderen Reichtum Europas“. Mehrere gleichberechtigte Arbeitssprachen auf allen Ebenen und in allen Ebenen der EU würden dem Prinzip der Mehrsprachigkeit wieder zur Geltung verhelfen, begründet die AfD-Fraktion ihren Vorstoß.

Sprachschützer fordern mehr EU-Veröffentlichungen auf Deutsch

Es sei „höchste Zeit“, eine Initiative für Deutsch als dritte offizielle Arbeitssprache der gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union zu starten. Der AfD zufolge sprächen immerhin 32 Prozent der EU-Bürger Deutsch und im Vergleich dazu 26 Prozent Französisch. Damit sei Deutsch die am zweitmeisten gesprochene Sprache nach Englisch, das auch nach dem EU-Austritt Großbritanniens mit 38 Prozent die dominante Verkehrssprache bleibe.

Auch Sprachschützer fordern schon seit langem, daß der deutschen Sprache etwa bei Veröffentlichungen der EU mehr Bedeutung zukommen müsse. In 99 Prozent aller Sitzungen bei Kommission, Rat, EU-Ausschüssen und EU-Agenturen werde ins Englische, in 75 Prozent ins Französische und in 60 Prozent ins Deutsche gedolmetscht. Auch Bundestagsabgeordnete müßten häufig über EU-Vorlagen abstimmen, die größtenteils nicht in deutscher Sprache abgefaßt seien. (ls)

Deutsche Sprache in der EU Foto: Fotos: picture alliance / PantherMedia / picture alliance/ZUMA Press / JF-Montage

Unterstützung

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag