Jann Jakobs
Jann Jakobs: Man muß sich gegenseitig zuhören Foto: dpa
Enthüllungsbuch über Freitagsgebete

Potsdamer Bürgermeister kritisiert Imam-Predigt

POTSDAM. Der Potsdamer Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hat zu einem öffentlichen Dialog aufgerufen, um die Integration von Moslems in der Stadt zu verbessern. Hintergrund ist eine Predigt während eines Freitagsgebets der moslemischen Gemeinde im Potsdamer Tropenhaus Biosphäre.

„Zur Integration gehört nicht, daß man sich abgrenzt, sondern daß man sich einläßt“, sagte Jakobs am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Bei dem nötigen Dialog sei wichtig, sich gegenseitig zuzuhören und zugleich Position zu beziehen. Einige Äußerungen in der von dem ARD-Journalisten Constatin Schreiber in seinem Buch veröffentlichten Predigt entsprächen nicht den Vorstellungen der Stadt von Integration, sagte Jakobs.

Prediger warnte vor angeblicher Ketzerei

Schreiber, der fließend Arabisch spricht, hatte am Dienstag in Berlin sein Buch „Inside Islam“ vorgestellt. Für die Recherche besuchte er zwischen Juni und Dezember vergangenen Jahres 13 Moscheen. Dort zeichnete er die Freitagsgebete auf, ließ sie übersetzen und veröffentlichte sie in voller Länge.

Die Predigt in Potsdam bewertete er als radikal moslemisch. Bereits in der Einführung sei dies klargeworden, da der Imam gesagt habe: „Jede Neuerung ist Ketzerei. Und Ketzerei ist Irrtum. Und Irrtum endet im Feuer.“

„Respektieren den Menschen nicht, der seine Religion aufgibt“
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Zudem habe der Prediger gewarnt: „Es gibt einige Brüder, die wegen des Euros auf ihr Gebet verzichten, wegen des Euros auf ihre Prinzipien verzichten, wegen des Jobcenters. Wir respektieren das Jobcenter und das Lageso und dieses Land, aber wir respektieren nicht den Menschen, der seine Religion aufgibt.“

Die Auffassung, Religion sei wichtiger als wirtschaftlicher Erfolg, könnte als Integrationshindernis wirken, mahnt Schreiber. Außerdem sei die Predigt als klarer Aufruf zur Missionierung zu verstehen. In dem Buch dokumentiert der Journalist folgende Passage: „Wahrlich, meine Brüder im Glauben, die größte Sache ist es, daß durch dich ein Nichtmuslim oder eine Nichtmuslimin rechtgeleitet wird und durch dich den Islam annimmt.“

Schreiber kritisiert desintegrative Wirkung
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Besonders bedenklich sei dies, weil fast alle Besucher der Predigt Asylsuchende gewesen wären, die kaum Deutsch sprechen. „Sie können die Umgebung um sich herum überhaupt nicht einschätzen. Glauben sie wirklich, sie sollen in Potsdam Menschen ansprechen und sie zum Übertritt zum Islam überreden“, fragt Schreiber.

Ebenso kritisch beurteilt er eine weitere Äußerung des Imams: „Befreunde dich also mit deinen rechtschaffenen Brüdern.“ Im Umkehrschluß bedeute dies, daß Moslems keine Freundschaften mit Nichtmoslems schließen sollten.

„Eine Predigt, die zur Verbreitung des Islams aufruft und auch sagt, man solle sich nicht mit Nichtmuslimen anfreunden, fördert mit Sicherheit nicht das Ankommen in Deutschland“, konstatiert Schreiber, der für seine Sendung „Marhaba – Ankommen in Deutschland“ den Grimme-Preis erhielt. (ls)

Jann Jakobs: Man muß sich gegenseitig zuhören Foto: dpa

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