Zentralratspräsident Josef Schuster (Mitte) bei der Gedenkfeier in Dachau Foto: picture alliance/dpa
Gedenkfeier in Dachau

Zentralrat: Deutschland hat moralische Pflicht zur Aufnahme von Flüchtlingen

BERLIN. Deutschland hat nach Ansicht des Präsidenten des Zentralrates der Juden, Josef Schuster, eine moralische Verpflichtung, Asylbewerber aufzunehmen. „Deutschland hat so viel Unheil über die Welt gebracht. Es steht bei so vielen Ländern tief in der Schuld – wir sind das letzte Land, das es sich leisten kann, Flüchtlinge und Verfolgte abzulehnen“, sagte Schuster am Sonntag bei einer Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau.

„Wenn ich sehe, daß in Dresden immerhin 10.000 Menschen einem Islamhasser und Rechtspopulisten wie Geert Wilders zujubeln, wird mir übel.“ Die steigenden Flüchtlingszahlen und die Bedrohung durch islamistische Terroristen seien kein Grund, ein christlich-jüdisches Abendland ohne Muslime zu proklamieren. „Und erst recht gibt es überhaupt keine Rechtfertigung dafür, Asylbewerberheime anzuzünden“, betonte Schuster.

„Angebliches Kulturvolk wurde zum Volk der Barbaren“

Gleichzeitig forderte er von der Bundesregierung, „angesichts der gestiegenen Zahlen von Übergriffen auf Flüchtlinge und Anschlägen auf Asylbewerberheime“ die finanziellen Mittel für die Bekämpfung des Rechtsextremismus weiter zu erhöhen. Wenn er sehe, wie „einige Bürger“ gegen Flüchtlinge hetzten, oder wie abwertend über Juden gesprochen werde, frage er sich, wie stark das „hohe Gut der Menschenwürde“ eigentlich noch in den Köpfen verankert sei.

Werte wie Toleranz und Respekt müßten immer wieder neu verteidigt werden. Gerade die Häftlinge in Dachau hätten erfahren müssen, wie schnell die menschliche Zivilisation in Trümmern liegen könne. „Wie aus einem angeblichen Kulturvolk ein Volk der Barbaren wurde.“ Auch deswegen hoffe er, daß der Besuch einer KZ-Gedenkstätte für alle Abschlußklassen der Mittelschulen verpflichtend werde. (krk)

Zentralratspräsident Josef Schuster (Mitte) bei der Gedenkfeier in Dachau Foto: picture alliance/dpa

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