Wird er zur Gefahr für Giorgia Meloni? Roberto Vannacci war bis 2023 außerhalb militärischer Kreise fast unbekannt. Dann trat er mit der Veröffentlichung seines Bestsellers „Il Mondo al Contrario“ (Die verdrehte Welt) öffentlich hervor und wurde rasch zu einer der meistdiskutierten Persönlichkeiten des Landes.
Geboren 1968 im ligurischen La Spezia, diente Vannacci lange in Spezialeinheiten der Armee, im Irak, in Afghanistan, Somalia und auf dem Balkan, oft in Führungspositionen im Rahmen von Nato- und Uno-Missionen. 2019 übernahm er die Fallschirmjägerbrigade „Folgore“, eine der traditionsreichsten Eliteeinheiten der italienischen Armee, die oft mit konservativen bis neofaschistischen Werten assoziiert wird.
2021 wurde Vannacci Militärattaché an der Botschaft in Moskau. Mußte Rußland aber verlassen, nachdem er zur Persona non grata erklärt wurde, im Zuge gegenseitiger Ausweisungen nach der Ukraine-Invasion.
Vannaccis provozierendes Buch löste eine breite Kontroverse und seine Suspendierung aus
Seinen Durchbruch beim Publikum verdankt er „Il Mondo al Contrario“ (auf Deutsch 2024 als „Verdrehte Welt. Eine Bestandsaufnahme“ im Verlag Antaios erschienen), in dem er provokant die moderne Gesellschaft kritisiert. Er beklagt den Verlust traditioneller Werte wie Normalität, biologische Familie und „gesunden Menschenverstand“ und geißelt Entwicklungen in bezug auf Identität, Minderheiten, Bürgerrechte, Migration und Sozialpolitik.
Das löste eine breite Kontroverse aus. Linke Politiker und Medien griffen ihn an, und Verteidigungsminister Guido Crosetto entband ihn von seiner Funktion in der Armee, suspendierte ihn für elf Monate, mit Gehaltskürzung und Verlust von Dienstjahren. Sein Verhalten galt als Mangel an institutioneller Verantwortung.
Doch während seine Karriere stockte, wuchs seine öffentliche Bekanntheit rapide. Das Buch verkaufte sich fast 300.000mal, Medien verglichen ihn mit dem französischen Schriftsteller und Politiker Éric Zemmour. Seine Vorträge fanden großen Zuspruch, vor allem bei Wählern, die die Politik Giorgia Melonis als zu moderat empfinden, etwa in Sachen Migration und Sicherheit.
Vannaccis neue Partei könnte die Regierung entscheidende Prozente kosten
2024 trat Vannacci für die Lega bei der Europawahl an, eine Initiative des bedrängten Parteichefs Matteo Salvini, um enttäuschte rechte Wähler zurückzugewinnen. Und tatsächlich erhielt der Ex-General über eine halbe Million Stimmen. Doch seine Beziehung zur Partei verschlechterte sich schnell. Vannacci, eine auffällige und eigenwillige Figur in einem streng hierarchischen Apparat, wurde als Außenseiter betrachtet.
Zugleich polarisierte er weiter, etwa mit seinem Engagement für Remigration, so beim „Remigration Summit“ nahe Mailand 2025, wo er – online verbunden – auf demselben Podium wie Martin Sellner dessen Konzept unterstützte. Seitdem ist Remigration zu Vannaccis politischem Markenzeichen geworden, während andere Parteimitglieder sich distanzierten.
Der endgültige Bruch mit der Lega erfolgte nun Ende vergangener Woche, als Vannacci die Gründung seiner eigenen Bewegung „Futuro Nazionale“ (Nationale Zukunft) ankündigte. Die Partei soll enttäuschte rechte Wähler mobilisieren und der Regierungsmehrheit 2027 Stimmen kosten.
Laut Umfragen liegt die Unterstützung aktuell zwar nur bei rund 3,5 Prozent. In Italiens bipolarer Parteienlandschaft zwischen Mitte-rechts und Mitte-links könnte dies aber entscheidend werden, sollte Vannacci bei der Parlamentswahl im nächsten Jahr von Giorgia Melonis regierendem Mitte-rechts-Bündnis ausgeschlossen werden, dem dann die entscheidenden Prozente zur Wiederwahl fehlen könnten.






