ABU DHABI. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben britische Universitäten von der Liste der staatlich geförderten Studienorte gestrichen. Neue Stipendien für Emirati-Studenten im Vereinigten Königreich werden seit Monaten nicht mehr genehmigt. Grund sind Befürchtungen Abu Dhabis, daß Studenten auf britischen Campussen islamistisch radikalisiert werden könnten.
Nach Informationen der Financial Times vom 8. Januar 2026 wurde Großbritannien bereits im Juni 2025 von der Liste genehmigter ausländischer Hochschulen genommen – im Gegensatz zu Universitäten in den USA, Australien, Israel, Frankreich und anderen Ländern. Einen Insider wird mit den Worten zitiert: Die Scheichs „wollen nicht, daß ihre Kinder auf dem Campus radikalisiert werden“.
Scheichs kämpfen gegen Islamismus der Muslimbruderschaft
Die Entscheidung ist Teil einer jahrelangen Kampagne der Emirate unter Scheich Mohamed bin Zayed, die Muslimbruderschaft international als Bedrohung einzustufen. Die aus Ägypten stammende Gruppe ist in den Emiraten als Terrororganisation verboten. Großbritannien hat sie trotz Drucks aus Abu Dhabi bisher nicht verboten. Eine Überprüfung im Jahr 2015 sei zu dem Schluß gekommen, daß sie in Großbritannien keine direkte terroristische Aktivität betreibe.
Die Visa-Zahlen für Studenten aus den Emiraten sind im Vereinigten Königreich bereits deutlich gesunken: Bis September 2025 wurden nur noch 213 Visa erteilt – 27 Prozent weniger als 2024 und 55 Prozent weniger im Vergleich zu 2022.
Bereits eingeschriebene Studierende erhalten weiterhin staatliche Unterstützung. Britische Abschlüsse von nicht gelisteten Universitäten werden in den VAE künftig nicht mehr offiziell anerkannt.
Das britische Regierungsprogramm „Prevent“ zur Deradikalisierung hatte im Jahr 2023 70 Studenten an britischen Universitäten wegen Anzeichen einer „islamistischen Radikalisierung“ gemeldet bekommen. Das sind fast doppelt so viele wie im Vorjahr.
Angst der Emiratis läßt London nachdenken
Die Maßnahme belastet die traditionell engen, aber zunehmend angespannten Beziehungen zwischen den Emiraten und dem Vereinigten Königreich. Neben der Muslimbruderschaft-Frage spielen auch andere Konflikte eine Rolle. Die jüngste Labour-Regierung unter Keir Starmer hat eine erneute Überprüfung der Muslimbruderschaft angekündigt.
Nigel Farage, dessen Partei Reform UK in britischen Umfragen führt, hat versprochen, die Muslimbrüder zu verbieten, sollte er Premierminister werden.
Der US-Vizepräsident JD Vance kommentierte die Schlagzeile auf X: „Einige unserer besten muslimischen Verbündeten am Golf halten die islamistische Indoktrination in bestimmten Teilen des Westens für zu gefährlich.“
Ein Vertreter der Emirate sagte gegenüber der Financial Times, die bilaterale Partnerschaft bleibe stark. Downing Street erklärte: „Jegliche Form von Extremismus hat in unserer Gesellschaft absolut keinen Platz.“ Britische Universitäten verweisen auf die Bedeutung der akademischen Freiheit. (mp)






