MÜNCHEN. Am Landgericht München hat am Montag der Prozeß gegen einen 28jährigen Syrer begonnen, der nach Überzeugung der Generalstaatsanwaltschaft einen islamistischen Terroranschlag mit vielen Todesopfern geplant und bereits vorbereitet haben soll. Der Angeklagte lebte bis zu seiner Festnahme im Dezember 2024 in einer Gemeinde im unterfränkischen Landkreis Schweinfurt.
Dort stellten Ermittler bei einer Durchsuchung zahlreiche Materialien sicher, die zum Bau von Spreng- oder Brandsätzen geeignet sein sollen. Die Bundesanwaltschaft wirft dem Mann die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat vor.
Nach Angaben der Ermittler handelt es sich bei dem Beschuldigten um Mohammad S., der auch unter dem Aliasnamen Radwan S. auftrat. Der aus Aleppo stammende Syrer soll ein überzeugter Anhänger der Terrormiliz „Islamischer Staat“ sein. Zu seinem ideologischen Weltbild habe der Kampf gegen Ungläubige und den Westen gehört. Im Herbst 2024 soll sich der Mann intensiv mit der Herstellung von Sprengstoff und Bomben beschäftigt haben. Ermittler fanden auf seinem Smartphone zahlreiche Anleitungen, die er von einer mit dem IS verbundenen Propagandaseite heruntergeladen haben soll. Insgesamt soll es sich um mehr als 60 Seiten an technischen Beschreibungen gehandelt haben.
Syrer wollte möglichst viele Menschen töten
Darunter befanden sich Anleitungen zur Herstellung des Sprengstoffs ANFO aus Ammoniumnitrat und Motoröl sowie Hinweise zu militärischen Sprengstoffen wie RDX und C4. Auch Informationen zur Herstellung von TATP, das bei den islamistischen Anschlägen von Paris im Jahr 2015 verwendet wurde, waren gespeichert. Die Dokumente enthielten zudem konkrete Hinweise, wie staatliche Kontrollen beim Kauf bestimmter Chemikalien umgangen werden können.
Die Ermittler gehen davon aus, daß der Angeklagte die Anleitungen nicht nur gesammelt, sondern deren Umsetzung konkret vorbereitet hat. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung fanden Fahnder unter anderem Zündköpfe von Streichhölzern, zahlreiche Streichholzpackungen, ein Messer sowie mehrere Liter Brenngel. Aus diesen Materialien habe der Mann einen Spreng- oder Brandsatz herstellen wollen.
Nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden plante der Syrer einen Anschlag an einem Ort mit vielen Menschen, etwa in einer Diskothek oder bei einer größeren Veranstaltung. Ziel sei es gewesen, möglichst viele Todesopfer zu verursachen. Im Falle einer Verurteilung drohen dem Syrer bis zu zehn Jahre Haft. Sein Verteidiger erklärte, sich vorerst nicht zu den Vorwürfen äußern zu wollen. Ein Urteil wird Ende Februar erwartet. (rr)






