BERLIN. Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, hat der US-Regierung im Iran-Krieg einen fehlenden strategischen Kurs vorgeworfen. „Negativ überrascht hat mich, dass die amerikanische Regierung weiterhin keinen halbwegs verlässlichen Plan kommunizieren kann, was das Ziel der Intervention im Iran ist“, sagte der frühere deutsche Spitzendiplomat dem Magazin Stern.
„Das Schlimmste, was passieren kann, ist, wenn man ohne klaren Plan, der auch mit den Verbündeten geteilt wird, in solche Operationen hineinstolpert“, warnte Ischinger.
US-Präsident Donald Trump habe zu Beginn der Operation offen von einem „Regime Change“ gesprochen. Inzwischen habe Washington die Begründung für den Militäreinsatz jedoch mehrfach geändert. „Inzwischen hat Washington die Begründung für den Einsatz jedoch gewechselt, so wie manche das Hemd wechseln“, sagte Ischinger. Von einem Sturz der iranischen Führung sei nun kaum noch die Rede.
Endlich: Trump gibt das Kriegsziel bekannt! pic.twitter.com/xjUVzbeuky
— JUNGE FREIHEIT (@jungefreiheit) March 4, 2026
Ischinger sieht Gefahr für die Ukraine
Parallel eskaliert der Krieg im Nahen Osten weiter. Israels Armee meldete in der Nacht zu Samstag eine „breit angelegte Angriffswelle“ auf staatliche Infrastruktur in der iranischen Hauptstadt Teheran. Nach Angaben iranischer Staatsmedien trafen Luftschläge auch das Gebiet rund um den Mehrabad-Flughafen. Augenzeugen berichteten von mehreren Explosionen und brennenden Flugzeugen auf dem Rollfeld.
Zugleich griff der Konflikt weiter auf die Region über. Iranische Revolutionsgarden feuerten Drohnen und Raketen auf Israel. Luftalarm wurde unter anderem in Tel Aviv ausgelöst. Gleichzeitig meldeten mehrere Golfstaaten abgefangene Raketen und Drohnen.
Ischinger warnte unterdessen, der Krieg könne die Unterstützung des Westens für die Ukraine schwächen. Deutschland müsse als europäische Führungsnation gegenüber den USA deutlich machen: „Wir müssen uns auf die Ukraine konzentrieren, und nicht auch noch Munitionsknappheiten für die Ukraine verstärken durch eine längere militärische Auseinandersetzung mit dem Iran.“
Die Ukraine müsse für Europa weiterhin „absolute Priorität“ haben. „Wir dürfen es unter keinen Umständen zulassen, dass die Ukraine in ihrem Freiheitskampf in Vergessenheit gerät, weil sich der Fokus verlagert.“ Der Iran-Krieg lenke bereits jetzt ab und drohe die Spannungen im transatlantischen Verhältnis weiter zu verschärfen. (rr)






