LONDON. Nach starken Zugewinnen der migrationskritischen Reform UK bei den Kommunalwahlen in England hat deren Chef Nigel Farage von einer „wahrlich historischen Wende“ gesprochen. Seine Partei könne nun sowohl in den konservativen als auch in Labour-Hochburgen gewinnen. „Es ist nicht nur ein großer Tag für uns, sondern auch für eine komplette Neuaufstellung der britischen Politik.“
The English local election results are a „truly historic shift in British politics“, says Nigel Farage.
The Reform leader is speaking in Havering, a London borough that the party has won for the first time.
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Insgesamt 5.066 Sitze in 136 Gemeinde-, Stadt-, Landkreis- und Bezirksräten waren bei den Wahlen am Donnerstag zu gewinnen, bis Mittag wurden 1.251 Wahlkreise in 45 Kommunen ausgezählt. Die meisten gingen an Reform UK. Die Partei von Farage gewann 397 Mandate und stellt zudem erstmals die Mehrheit im Londoner Bezirksrat Havering. Dagegen landete die Labour-Partei mit 253 gewählten Ratsmitgliedern auf Platz drei, sie errang vier Sitze weniger als die oppositionellen Tories.
Premierminister Keir Starmer betonte, trotz des Labour-Ergebnisses im Amt bleiben zu wollen. „Ich laufe nicht davon, um das Land dann ins Chaos zu stürzen“, sagte er am Freitagmorgen dem Nachrichtensender Sky News. Gegenüber seinen Parteikollegen ergänzte er bei einem Auftritt: „Ich wurde gewählt, um dieses Land zu verändern – und selbst schwierige Tage wie diese schwächen meine Entschlossenheit dazu nicht.“
„I’m not going to walk away and plunge the country into chaos.“
Prime Minister Sir Keir Starmer reflects on „really tough“ results from the local elections in England, with Labour losing hundreds of council seats.
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Die Wahlen gelten als Stimmungstest für Farage und Starmer
Zugewinne verzeichneten bisher auch die Liberaldemokraten , die auf 249 Mandate kommen sowie die Grünen, die mit 51 Mandaten ihren Stand gegenüber den Wahlen zuvor verdoppeln konnten. Im Rat der Universitätsstadt Oxford sind sie nun zweitstärkste Kraft mit 13 von 48 Sitzen. Nicht vollständig ausgezählt bleiben allerdings wichtige Großstädte wie Birmingham, Manchester und London, wo den Grünen sowie moslemischen Unabhängigen und Wählervereinigungen Zugewinne vorausgesagt wurden. Auch fehlen bisher noch die Ergebnisse der Parlamentswahlen in Großbritanniens autonomen Regionen Schottland und Wales, wo Labour ebenfalls Verluste drohen.
Die Kommunalwahlen gelten als ein Stimmungstest für den politisch angeschlagenen Premierminister Starmer und seinen Herausforderer Farage. Zuletzt hatte Labour in der bisherigen Hochburg Manchester eine Parlamentsnachwahl verloren. Wahlsiegerin im migrantisch geprägten Wahlkreis Gorton and Denton wurde die Grünen-Kandidatin Hannah Spencer mit knapp 41 Prozent, die unter anderem Werbespots auf Urdu verbreitet hatte (JF berichtete). Hinter ihr landete der Publizist und Politikwissenschaftler Matt Goodwin von Farages Reform-Partei, der auf rund 29 Prozent kam.

Seit den Ausschreitungen nach dem dreifachen Kindermord von Southport, den ein ruandischstämmiger Jugendlicher im Juli 2024 verübt hatte (JF berichtete), führt Reform UK kontinuierlich alle Sonntagsfragen zur britischen Unterhauswahl an. Neben Kritik an Starmers Migrations- und Wirtschaftspolitik wurde ihm auch sein Verhältnis zum Epstein-Vertrauten Peter Mandelson zum Verhängnis. Im April hatten ihm mehrere Beamte vorgeworfen, Druck ausgeübt zu haben, damit Mandelson zum US-Botschafter ernannt werden konnte. (kuk)






