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Hörfunk: Vier Jahre Kontrafunk: Der alternative Mainstream

Hörfunk: Vier Jahre Kontrafunk: Der alternative Mainstream

Hörfunk: Vier Jahre Kontrafunk: Der alternative Mainstream

Vier Jahre Kontrafunk (Symbolbild). Bild: ChatGPT
Vier Jahre Kontrafunk (Symbolbild). Bild: ChatGPT
Vier Jahre Kontrafunk (Symbolbild). Bild: ChatGPT
Hörfunk
 

Vier Jahre Kontrafunk: Der alternative Mainstream

Am 21. Juni 2022 ging mit dem Kontrafunk ein Sender an den Start, der sich von Anfang an als Gegenspieler zum Deutschlandfunk verstand. Nun zählt er zu den Qualitätsprodukten der alternativen Medienbranche.
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Wer regelmäßig das Radio anmacht, weiß, wie Hörfunk unversehens zum Hintergrundrauschen des Alltags werden kann. Fast viereinhalb Stunden lauschen die Deutschen laut dem aktuellen Bericht der Arbeitsgemeinschaft Media-Analyse im Durchschnitt täglich dem Programm; vor allem ältere Semester, vor allem Berufstätige schalten sich durch die Programme, wie die Studie VuMA Touchpoints 2025 im Auftrag der Audiomedienagentur RMS unlängst zeigte.

Der 1962 gegründete, zwischen Köln und Berlin beheimatete Deutschlandfunk zählt mit täglich rund 2,5 Millionen Hörern zu den reichweitenstärksten Sendern der Nation. Das Deutschlandradio bekommt von den 18,36 Rundfunkbeitrag einen Anteil von 54 Cent. Mit dem „Interview der Woche“, den „Informationen am Morgen“ sowie „Tag für Tag“ haben die Kollegen vom Funkhaus Köln feste Größen im deutschen Medientakt etabliert. Dennoch wird auch er von der Krise eingeholt, in der sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk befindet. Mit einem Programmneustart will das Radio den Vertrauensverlust wettmachen.

Doch das Publikum hat längst Alternativen für sich entdeckt und schaltet zur Konkurrenz weiter, die zu allem Überfluss auch noch von ehemaligen Kollegen ins Leben gerufen worden ist. Seit 2022 sendet der Kontrafunk als sprichwörtlicher Anti-DLF vom Bodensee aus in die Welt. Neben dem Radiogründer Burkhard Müller-Ullrich haben mehrere Mitarbeiter eine Vergangenheit bei ARD und ZDF.

Wagenknecht und Milei waren beim Kontrafunk zu Gast

Während Müller-Ullrich zeitweise Redaktionsleiter im DLF-Radiofeuilleton „Kultur heute“ war, wird sein Kollege Volker-Andreas Thieme vielen als Nachrichtensprecher erinnerlich sein. Frank Wahlig, der Station im ARD-Hauptstadtstudio gemacht hat, rundet den öffentlich-rechtlichen Erfahrungsschatz ab, so dass die medienjournalistische Plattform Übermedien kurz nach Sendestart – neben allgemeinen Kritikpunkten – konstatieren musste, „dass das Programm professionell vorgetragen wird“.

Jetzt feiert das Haus in Würzburg sein vierjähriges Jubiläum und ist seither mit der Hilfe von insgesamt 130 Investoren, die das Radio finanzieren – Startbetrag 200 Euro –, von 20 auf 35 „Kontrafunker“ angewachsen. „Einige unserer Hörer betonen, dass der Silbenfall von Kontrafunk und Deutschlandfunk gleich ist“, kennzeichnete Müller-Ullrich kurz nach Sendestart in der JUNGEN FREIHEIT das komplizierte Verhältnis zum großen Rundfunkbruder. Als Negativbeispiel scheint der ÖRR nach wie vor wegweisend für ihn und seine Kollegen: „Gegen die Einseitigkeit, Selbstgefälligkeit und Dominanz der Mainstreammedien, vor allem der Öffentlich-Rechtlichen.“ Sein Ziel: mit dem Kontrafunk ein Gegengewicht in Deutschlands Medienlandschaft bereitzustellen, das die Debatte wieder ins Lot bringt.

Zu den prominenten Gästen des alternativen Radios zählen neben dem libertären Präsidenten Argentiniens Javier Milei auch die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer, die einstige Linken-Ikone Sahra Wagenknecht, Skandalfürstin Gloria von Thurn und Taxis und Ex-ZDF-Frontmann Peter Hahne – der auch durch die erste Sendung des Kontrafunks überhaupt führte.

Matussek: „Ich liebe alles daran“

Mit Matthias Matussek hat Müller-Ullrich außerdem noch einen Renegaten ganz anderer Prägung angeworben, arbeitete Matussek doch fast 30 Jahre lang beim Spiegel, unter anderem als Auslandskorrespondent und Kulturchef. Schon wenige Monate nach Sendebeginn von Kontrafunk startete der Publizist und Buchautor mit „Matussek!“ seine eigene Sendung, die inzwischen auf die 150. Folge zugeht.

„Ich liebe alles daran – die Atmosphäre, das Studio, das Mikro, das macht mir unglaublich viel Spaß“, betont Matussek, der sich bei seinen Auftritten am US-amerikanischen Radiomacher Rush Limbaugh orientiert, der JUNGEN FREIHEIT gegenüber. Der konservative Entertainer, der in den 1990er Jahren mit der „The Rush Limbaugh Show“ zu landesweiter Bekanntheit gelangte, erreichte mit seiner gegen die Regeln der politischen Korrektheit verstoßenden Flapsigkeit ein Millionenpublikum. „Ich erinnere mich noch, wie ich Limbaugh damals bei einem Aufenthalt in New York hörte – es war ein Erlebnis!“, erinnert sich Matussek.

Diese Nonchalance nimmt er in seinen eigenen Podcast hinüber, wo er im Plauderton pikante Anekdoten mit Seitenhieben auf das linke Milieu mischt. Auch bei diesem Format kann sich die Liste der Gäste sehen lassen, hat Matussek sich doch schon mit dem Philosophen Rüdiger Safranski, dem Publizisten Michael Klonovsky und dem Romancier Martin Mosebach unterhalten.

Einige Formate werden aus Sparnotwendigkeit gekürzt

Doch auch solche illustren Runden können die ökonomischen Notwendigkeiten nicht ausblenden, mit denen sich der Kontrafunk konfrontiert sieht. „Um uns nicht zu sehr zu verausgaben, schalten wir jetzt einen Gang zurück und sparen einige Sendungen ein“, kündete Senderchef Müller-Ullrich Anfang des Jahres an. Gemeint ist eine leichte Reduzierung des Programmangebots; acht Formate fallen in Zukunft weg. Die Botschaft: „Dieser Schritt tut weh, aber die Konsolidierung ist unabdingbar.“ Im Gegenzug sollen zwei neue Sendungen an den Start gehen, so etwa eine zum Thema „Menschsein“ mit dem Schweizer Psychiater Raphael Bonelli. Auch den Sparzwang hat der Privatfunk also mit dem Deutschlandfunk gemein.

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Vier Jahre nach seiner Gründung kommt der Kontrafunk im „Mainstream“ der Alternativmedien an. Der Moderatorenstamm ist breit, die Gäste prominent – doch was sagt der große Bruder? Beim Deutschlandfunk sucht man fast vergeblich nach einer Bemerkung über die Arbeit der einstigen Kollegen. Nur 2024 wurde das Radio einmal genannt – im O-Ton eines „Experten in Sachen Kommunikationsstrategie populistischer Akteure“, der das Internetradio knapp als „einseitig, tendenziös, häufig parteiisch zugunsten der AfD“ bezeichnet. Glückwünsche gehen anders.

Aus der JF-Ausgabe 26/26.

Vier Jahre Kontrafunk (Symbolbild). Bild: ChatGPT
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