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Alternative Youtube-Szene: Rechts, reichweitenstark, ramschig

Alternative Youtube-Szene: Rechts, reichweitenstark, ramschig

Alternative Youtube-Szene: Rechts, reichweitenstark, ramschig

Knallige Titel, kaum Inhalt: Viele rechte YouTube-Kanäle setzen auf Clickbait. Foto: picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow /// Screenshot (mit KI bearbeitet)
Knallige Titel, kaum Inhalt: Viele rechte YouTube-Kanäle setzen auf Clickbait. Foto: picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow /// Screenshot (mit KI bearbeitet)
Knallige Titel, kaum Inhalt: Viele rechte YouTube-Kanäle setzen auf Clickbait. Foto: picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow /// Screenshot (mit KI bearbeitet)
Alternative Youtube-Szene
 

Rechts, reichweitenstark, ramschig

YouTube erlebt einen Boom rechter und konservativer Kanäle. Doch wo Empörung zur Ware wird, verschwimmen die Grenzen zwischen Gegenöffentlichkeit, Geschäft und digitalem Schrott.
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Nach der langen Durststrecke der Reichweiteneinschränkungen, Strikes und Sperrungen können rechtskonservative Kanäle auf YouTube mittlerweile wieder Sichtbarkeit und Umsätze erzielen. Das hat zu regelrechten Gründerjahren in der jüngsten Vergangenheit geführt.

Der Otto-Normal-Bürger, seine Kamera und seine zahlreichen Follower sind plötzlich eine nicht zu vernachlässigende Größe und Multiplikator-Marke zwischen den alternativen Medien: „Der kleine Nihilist“, „JENsationelle Meinung“, „Andi in Deutschland“, „Politik & Co.“, „AmnasTV“, Mathias von Gersdorff, Prof. Christian Rieck, „Schmidtkes Welt“ oder „Oje Deutschland“, um mal einige seriöse Formate zu nennen. Selbst der konservativ angehauchte Mainstream-Journalist und Autor Constantin Schreiber ist mittlerweile fern der großen Fernsehstudios unter die Erklärer auf YouTube gegangen.

Hinzu kommt jedoch eine wahre Flut an simpler strukturierten Kanälen wie beispielsweise „Demokratisch denken“, „Der Glücksritter“, „Der Zauberblick“, „Tagesecho“, „Mentale Fitness“, „Politik Eule“, „Tag Null“ oder „TV Experte“ – und, und, und. Die knalligen Optiken, Kanalbeschreibungen und Thumbnail-Vorschaubildchen gleichen sich dabei oft und vielsagend – einige Profile dürften im Hintergrund ein und denselben Betreiber haben.

Bei ganz unseriösen Kanälen kommt KI ins Spiel

Regelmäßig kommen und gehen neue unüberschaubare Kanäle, die die erfolgreiche Faustformel kopieren, vereinfachen und boulevardähnlich auf die Spitze treiben: knackige Clips von Talkshows, Nachrichtensendungen, Instagram oder Bundestagsreden, pointiert bis alarmistisch angeteasert und lediglich kurz kommentiert; wenn überhaupt. Trotzdem sind Abonnentenzahlen über der 100.000-Marke keine Seltenheit – mit wenig Aufwand und ohne das Zeigen des eigenen Gesichts und Namens.

Mehrere Videos pro Tag in der Grauzone zwischen Urheberrecht, Video-Weiterverwertung und Zitatrecht werden so rausgehauen, was auch Kritik hervorruft: stumpfes Clickbaiting, kein wirklicher Journalismus, pseudorechte Fließbandarbeit, mit der nur jemand auf der blauen Welle möglichst schnell an die Monetarisierungsknete will. In der Tat lassen sich anscheinend viele Content-Creator, von denen einige ihren Kontaktsitz bewusst im Ausland angeben, von den auf socialblade.com ausgewiesenen YouTube-Einnahmen beeindrucken und inspirieren.

Geschürt wird diese Kritik, wenn bei gänzlich unseriösen Kanälen übermäßig KI ins Spiel kommt, die künstliche Stimme aus dem Off plötzlich Alice Weidel englisch ausspricht, der Kanalname wie zum Beispiel bei „Politik Spiegell“ falsch geschrieben ist, übertrieben viele Blaulicht-, Knall-, Ausrufezeichen- und Feuer-Emojis in der Überschrift stehen oder das vorgeschriebene Impressum fehlt. Geradezu verhöhnt wird der Betrachter, wenn die bei ARD, Welt und ähnlichen Presseanbietern „ausgeclippten“ Videoschnipsel stark herangezoomt oder hinter einem künstlich-visuellen Schleier aus Rauch oder Wolken laufen, um YouTubes Richtlinien-Scans auszutricksen.

YouTuber von rechts dürfen sich kein billiges Clickbait erlauben

Dass Zuschauer, sollten sie echt sein, solche Videos kommentieren („nur noch AfD“ plus drei blaue Herzen ist dabei zum klischeehaften Lacher-Meme geworden) und mit einem Abo belohnen, zeigt, dass YouTube nach Facebook längst auch ein Ort älterer internetunaffiner Nutzer geworden ist. Die zunehmende Empörung, Enttäuschung und Verzweiflung in der Bevölkerung machen es möglich – und gewiefte Bewegtbildproduzenten nutzen dies aus.

Wie gesagt: Mit „rechten“ Inhalten kann man wieder Geld verdienen. Besonders trashig und dreist wird es, wenn zusammengewürfelte Sequenzen aus zig Jahre alten TV-Sendungen genutzt, aber mit den beliebten Zusätzen „EIL“, „Schock“ oder „Skandal“ versehen und als aktuell verkauft werden.

Spätestens hier schießt sich diese vermeintlich rechte, regierungskritische Bubble ins Knie und macht es linken Gegenmodellen und Miesmachern zu leicht. Verlockende Klickerfolge und Werbeeinnahmen sowie ein an sich begrüßenswerter erweiterter Resonanzraum und (Protest-)Wählerstamm mögen kurzfristig gelingen, langfristig wird allerdings nur ernstzunehmende Qualität zu wirklichen gesellschaftlichen und medialen Veränderungen führen.

Aus der JF-Ausgabe 34/26.

Knallige Titel, kaum Inhalt: Viele rechte YouTube-Kanäle setzen auf Clickbait. Foto: picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow /// Screenshot (mit KI bearbeitet)
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