Das Herausgebergremium der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ist so etwas wie eine Artusrunde des Blatts, das einst als mittelstandsorientiertes, bürgerlich-konservatives Zentralorgan galt. Diese Führungsstruktur ist bis heute einmalig in der deutschen Presselandschaft. Derzeit bestimmen vier gleichberechtigte Herausgeber mit verteilter Ressortverantwortung die Geschicke der FAZ.
Dieses Alleinstellungsmerkmal garantierte über die Branche hinaus hohe Aufmerksamkeit für die Entscheidung, Helene Bubrowski zum 1. Januar 2027 zur Mitherausgeberin zu berufen. Schließlich findet mit der langjährigen FAZ-Journalistin nach ihrer Zwischenstation als Co-Chefredakteurin des Berliner Mediendienstes „Table.Briefings“ erstmals eine Frau Aufnahme in den bisherigen Herrenclub. Eine Zeitenwende, der allerdings eine andere vorausgegangen war. Denn die FAZ als einstiges Leitmedium bürgerlich-konservativer Publizistik, ist seit langem schon auf Appeasement-Kurs zum rot-grünen Mainstream.
Bubrowski steht für die VerTAZung der FAZ
Insofern erntet die promovierte Juristin mit ihrer Berufung die Früchte, die sie als Politikredakteurin und Hauptstadtkorrespondentin (2013 bis 2023) der FAZ, zuständig für Rechtspolitik und die Grünen, gesät hat. Wie kaum ein anderer Name steht der ihre für die schleichende VerTAZung, die der Frankfurter Allgemeinen seit Jahren schon nachgesagt wird. Zwar zeichnete sich Bubrowskis Berichterstattung über die Irrungen und Wirrungen der Öko-Partei stets durch kultivierte Distanz aus. Gleichwohl adelte sie den Aufstieg von Annalena Baerbock und Robert Habeck mit kaum verhohlener Sympathie für Schwarz-Grün als „Professionalisierung“ der Grünen.
Deren Versuch, sich als „neue Wirtschaftspartei“ zu kostümieren, analysierte sie als Weg zur „staatstragenden“ Zentrumspartei. Die schlingernde Blockadepolitik gegen die Neuordnung der europäischen Asylpolitik schrieb sie zu „schmerzhafter Reife“ der Ökos hoch. Und als Juristin apostrophierte Bubrowski die Grünen trotz deren Dogmatismus als „Verteidiger bürgerlicher Freiheitsrechte“. Ihre verspätete Kritik an Merkels Migrationspolitik bezog sich zum größeren Teil auf die „Kommunikation“ der Altkanzlerin.
Tendenzwende bei der ehemals konservativen FAZ
Bereits Ende 2025 wurde die 1981 geborene Hamburgerin mit der Verleihung des Theodor-Wolff-Preises ins Oberhaus deutscher Publizistik aufgenommen. Prämiert wurde der FAZ-Text „Warum mehr gute Laune den Deutschen guttun würde“, der, freundlich gesagt, zu den trivialeren ihrer in der Regel fundierten Sachartikel gehört und sie als Frohnatur ausweist. Stilsicheres Auftreten und Faktensicherheit machten die Autorin zuvor schon zum Dauergast bei öffentlich-rechtlichen Polittalkshows. Dort stehen ihre Auftritte mit wirtschaftsliberaler Mimikry für jene Verengung der Meinungskanäle, die rechtskonservative Stimmen zunehmend in die Sphäre der unabhängigen Internet-Portale und soziale Medien abgedrängt hat.
Bubrowskis Berufung in den FAZ-Führungskreis steht in einer Linie mit der seit dem frühen Tod von Mitherausgeber Frank Schirrmacher im Jahr 2014 eingeläuteten Tendenzwende bei dem ehemals konservativen Blatt. Ein Branchendienst bezeichnete Helene Bubrowski zusammen mit Carsten Knop als „Modernisten“ im Führungszirkel. Zusammen mit Jürgen Kaube sind es dann schon drei – von vier.






