Zum Ende des Wahlkampfs in Rheinland-Pfalz (hier geht es zum JF-Liveticker) hat die FAZ einen Riesenskandal enthüllt: Vielleicht könnte der AfD-Werbespot wie das Rehaugen-Video von CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel in Baden-Württemberg dem Wahlausgang eine dramatische Wendung geben?
Michael Hanfeld, der seit 2001 das Medienressort der Frankfurter Allgemeinen leitet und seit 2013 stellvertretender Feuilletonchef des Blattes ist, sieht bei der blauen Partei die letzten Hüllen fallen: „AfD ist Antisemitismus pur“ überschreibt er seinen gestrigen Kommentar zu einem Werbespot des rheinland-pfälzischen Landesverbandes, der „im SWR lief“, wie er entsetzt feststellt. Im öffentlich-rechtlichen Sender haben offenbar sämtliche Sicherungen versagt.

„Geprägt von antisemitischen, rassistischen, menschenfeindlichen Stereotypen“
„Antisemitismus und Rassismus in Reinkultur“ verkörpere dieses Machwerk, so Hanfeld. Weshalb die AfD auch weiterhin hinter eine Brandmauer gehöre, sei angesichts dieses Horrorstreifens „keine Frage“, denn sie mache mit dem Wahlspot „aus ihrer rechtsextremen Prägung kein Hehl“.
Die AfD bemühe sich nicht um Harmlosigkeit, nein, offen und rundheraus, „bis ins Detail“, sei „der Film geprägt von antisemitischen, rassistischen, menschenfeindlichen Stereotypen“.
Doch so ganz einfach sind diese plumpen und superoffensichtlichen „Stereotypen“ nicht zu entschlüsseln. Dank eines vom „Trierischen Volksfreund“ kontaktierten „Extremismusforschers“ Markus Linden gelingt eine „genaue Exegese“. Er findet „Biontech-Gründer Uğur Şahin als ‘grinsenden Gangster-Rapper‘ im Whirlpool mit Jens Spahn“ – alleine das ist, wie jeder weiß, eigentlich schon ein Fall für den Verfassungsschutz.
Die Smoking Gun „an der Goldgrube“
Doch dann klicken eigentlich schon die Handschellen, der FAZ gelingt es, mit Hilfe des Experten, die entscheidende Smoking Gun zu enttarnen. Hier die Szene in der Totalen:

„Sahins Unternehmen mit der Adresse ‘An der Goldgrube‘[so lautet tatsächlich die Anschrift von Biontech] rückt ins Bild, das Firmengelände ist von einem goldenen Zaun umgeben, Satellitenschüsseln auf dem Dach, es findet sich, wie Markus Linden hervorhebt, eine goldene Antenne, die wie ein jüdischer Kerzenleuchter stilisiert ist, im Hintergrund der Mainzer Dom.“ Eine goldene Antenne wie ein jüdischer Kerzenleuchter? Hier ein Fotovergleich:

Doch das ist nicht der einzige schockierende Beweis für die Verkommenheit der AfD. Hanfeld und der Extremismusexperte graben noch tiefer: Der Film inszeniere „das antisemitische Narrativ einer vermeintlichen ‘jüdischen Weltverschwörung‘“, die „Legende des ‘großen Austauschs‘ (great reset)“ stecke ebenfalls drin. Belege für beides? Keine.
Dann noch dies: „Eine der LGBTQ-Community zuzurechnende Figur ist von Ekzemen gezeichnet“ …

Schließlich: „Mützen und Hemden der von Bundeskanzler Friedrich Merz höchstselbst in den Dauerschlaf geschickten Bürger weisen Streifen auf, erinnern an Lagerkleidung und liegen am Ende – wenn die Menschen von der AfD ins Licht geführt werden – auf einem Haufen.“ Unweigerlich muss der Leser an in Konzentrationslagern gestapelte Lagerkleidung denken, eine obszöne Anspielung – käme sie im Film vor.

Der stellvertretende FAZ-Feuilletonchef zitiert in seinem Kommentar abschließend final schockiert den Extremismusexperten Linden, eine „derart perfide Inszenierung“ sei „selten zu finden“: „Selbst wenn man sich jahrelang wissenschaftlich mit dem Thema Extremismus und Verschwörungstheorien beschäftigt.“ Hanfelds düsteres Resümee: „Die AfD in Rheinland-Pfalz lässt keinen Zweifel daran, wo sie steht.“
Leser, die sich den AfD-Wahlwerbespot tatsächlich bis zum Schluss angesehen haben, beschleicht ein viel düsterer Verdacht: Michael Hanfeld hat sich überhaupt nicht die Mühe gemacht, sich ihn selbst anzusehen.
Hier der AfD-Werbefilm zur kritischen Prüfung:
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