Krieg, Blut, Heere, Eroberungen, Grenzverschiebungen, Friedhöfe. Wer sich mit der Menschheitsgeschichte befaßt, landet schnell bei blutigen Geschehnissen. Klar, wer sich die Begleitumstände großer historischer Verschiebungen ansieht, wie Staaten gegründet wurden, wie sie auch irgendwann wieder verschwanden, der landet eben beim Krieg. Heraklit nannte ihn nun mal nicht umsonst den „Vater aller Dinge“.
„Ich frage mich auch manchmal, wieso ich mich mit all dem beschäftige, wenn ich das ganze Leid und die Brutalität sehe“, berichtet die Influencerin Denise der JUNGEN FREIHEIT, die – übrigens mit JF-Siegel – auf X und Instagram den Kanal „Geschichte mit Denise“ betreibt, mit etwa 500 Followern. Irgendwie, so Denise, sei das tatsächlich auch klassischerweise „etwas für Männer“.
Die 25jährige Journalismus-Studentin, wohnhaft im nordrhein-westfälischen Ibbenbüren, veröffentlicht seit November kurze Videos, in denen sie, meistens innerhalb einer Minute, dem Zuschauer Geschichtsunterricht erteilt. Zum 107. Jahrestag von Friedrich Eberts Antritt als Reichspräsident, am 11. Februar, schilderte sie die historischen Umstände: „Mit Friedrich Ebert hätte ich nicht tauschen wollen.“ Damals von Rechten wie Linken angefeindet, sei er dennoch ein „Stabilitätsgarant“ der jungen Weimarer Demokratie gewesen – etwa, indem er 1919 den Spartakusaufstand niederschlug.
Heute vor 107 Jahren wurde Friedrich Ebert erster Reichspräsident & ein Stabilitätsgarant den viele erst nach seinem Tod vermissten. Wie denkt ihr über ihn?🤔🇩🇪 pic.twitter.com/iAAjiIA3fT
— Geschichte mit Denise (@jfGeschichte) February 11, 2026
Denise ist vom deutschen Kaiserreich fasziniert
Vergangene Woche, anläßlich des Jahrestags der Dresden-Bombardierung am 13. Februar 1945 (JF berichtete), faßte sie die Streitfrage des „Moral Bombing“ der Alliierten zusammen: Obwohl es zu diesem Zeitpunkt bereits keine nennenswerte deutsche Luftabwehr gegeben habe, hatten die Briten und Amerikaner systematisch deutsche Städte in Rauch und Flammen aufgehen lassen – und dabei in erster Linie Zivilisten getötet.
Wir erinnern an Dresden🕯️ und werfen einen Blick auf das Moral Bombing pic.twitter.com/6gncaVMCeh
— Geschichte mit Denise (@jfGeschichte) February 13, 2026
Ursprünglich sei sie durch ihren Vater auf das Thema aufmerksam geworden, berichtet Denise. „Mein Papa hat mich und meinen Bruder schon früh an Geschichte herangeführt, das Interesse geweckt und immer Kriegsfilme mit uns geschaut.“ Noch immer entbrennen, wenn sie ihre Eltern besucht, leidenschaftliche Diskussionen über Politik und Geschichte. „Ich liebe das!“, betont die Influencerin. Am deutlichsten sei sie von der Zeit des deutschen Kaiserreichs fasziniert.
„Wie Bismarck es geschafft hat, das Land zu einen, wie Deutschland kulturell und wirtschaftlich stark wurde, wie das Nationalgefühl noch vertreten war, daß man mit Selbstverständlichkeit deutsch war und wie schön Städte aussahen“, beginnt sie zu schwärmen. Auch von Kaiser Wilhelm II. sei sie fasziniert – auch wenn sie verstehe, daß viele diesen sehr kritisch sähen. Auch bei der Frage, welchen Moment deutscher Geschichte sie für besonders entscheidend hält, kommt die Studentin auf das Kaiserreich zu sprechen: „Wenn ich mich entscheiden müßte, wäre es wohl der 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles (JF analysierte), als das Reich gegründet wurde, denn ohne diesen Moment (ohne Bismarck) gäbe es das geeinte Deutschland in der heutigen Form gar nicht.“
„Da würde mir direkt der Weihnachtsfrieden 1914 einfallen“
Abgesehen von der elterlichen Prägung führe sie noch etwas anderes immer wieder zur Beschäftigung mit der Geschichte zurück: Es stecke „viel Schönes und Menschliches“ in der Geschichte, gerade auch in Kriegszeiten. Es sei in jedem Krieg so, „da wird dir als Soldat gesagt, daß der Feind die Bösen, Untermenschen und Monster sind und du sie unbedingt vernichten mußt. Dann findest du mit der Zeit heraus, daß es Menschen sind, wie du und ich“. Szenen zwischen Kriegsgefangenen oder während Feuerpausen, in denen Soldaten verschiedener Fronten miteinander sprechen, sich helfen oder Zigaretten teilen.
„Da würde mir direkt der Weihnachtsfrieden 1914 einfallen, wo die Soldaten einfach so die Waffen niedergelegt und gemeinsam Weihnachten gefeiert haben. Ich kriege jedesmal Tränen in den Augen, wenn ich mich damit beschäftige, denn das ist so schön“, erzählt sie.
Gerade in Situationen, in denen Menschen selbst wenig haben, etwa nach einem Krieg, gebe es häufig Geschichten, wie diese sich gegenseitig unterstützten. Auch ein Foto auf Denises X-Kanal verweist in diese Richtung: Dort bringen russische Soldaten einem deutschen Kriegsgefangenen des Ersten Weltkriegs den Kasatschock-Tanz bei.
Russian soldiers teaching German POW’s The Cossack’s Dance on the Eastern Front (1915) pic.twitter.com/iJTOfoov5a
— The Name of War (@TheNameofWar) February 12, 2026
Großes wurde erreicht
Wichtig sei ihr die Beschäftigung mit Geschichte auch deshalb, weil sie helfe, sich darüber klar zu werden, wie sehr einen die Vorstellungen der Vorfahren prägen. „Wir sind Subjekte der Geschichte. Sie ist ein Schatz, der uns von so vielen Generationen vorher zur Verfügung gestellt wurde. Wir sollten ihn wertschätzen und gut mit ihr umgehen.“ Dabei spielt für die Influencerin auch Nationalstolz eine Rolle: „Vor allem lehrt uns die Geschichte von Deutschland auch, daß wir stolz auf unser Land sein dürfen, weil wir viel Großes erreicht haben.“
Zugleich könne Geschichte auch dabei helfen, aus der eigenen Zeit herauszutreten. „Geschichte kann auch Realitätsflucht sein, für Menschen, die mit der heutigen Zeit nichts anfangen können oder sich eher ‘nach einer anderen Zeit’ sehnen. Man muß halt nur aufpassen, daß es nicht zu extrem wird“, betont sie.






