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BdK-Vortrag: Was bringen eigentlich historische Vergleiche?

BdK-Vortrag: Was bringen eigentlich historische Vergleiche?

BdK-Vortrag: Was bringen eigentlich historische Vergleiche?

Historiker Horst Möller: Er wendet den Begriff „Faschismus“ nicht auf die AfD an. Foto: BdK
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Was bringen eigentlich historische Vergleiche?

Trump ist der neue Hitler, Putin auch und die Bundesrepublik endet wie Weimar. Wie sinnvoll sind solche Vergleiche eigentlich? Der frühere Leiter des Instituts für Zeitgeschichte, Horst Möller, geht dieser Frage in der Bibliothek des Konservatismus auf den Grund.
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Ist Donald Trump der neue Adolf Hitler? Beim Stern ist man sich einig. Das Magazin präsentierte auf einem Cover den US-Präsidenten, wie er stramm aufrecht und mit einem düsteren Blick einen Hitlergruß zeigt. Und als wäre das nicht genug, platzierte das Magazin den Titel der Ausgabe in Großbuchstaben direkt neben ihm: „Sein Kampf“.

Der Stern stellte Trump mit einem Hitlergruß dar. Foto: Stern

Vorne mit dabei ist auch der Spiegel mit seinen Magazincovern. Durch sie ist es ganz normal, im Supermarkt an der Kasse zu sehen, wie Trump als Komet auf die Erde zurast oder wie er den abgehackten Kopf der Freiheitsstatue in seiner Hand hält.

Keine Einzelfälle. Immer wieder werden in Diskussionen historische Vergleiche gezogen. Die Regierung sei das neue SED-Regime, Putin sei der neue Hitler, die Kritiker der Coronamaßnahmen seien Sophie Scholl oder die Nationalsozialisten sollen wie in der Weimarer Republik an die Macht kommen. Doch sind solche Vergleiche überhaupt sinnvoll?

Vergleiche können erst nach einer abgeschlossenen Geschichte gezogen werden

Dieser Frage geht der frühere Direktor des Instituts für Zeitgeschichte, Horst Möller, am Mittwoch in der Bibliothek des Konservatismus nach. Der emeritierte Professor für Neuere und Neueste Geschichte wirkte bei der Gründung des von Helmut Kohl initiierten Hauses der Geschichte in Bonn mit. Dementsprechend brachte er als 83jähriger Historiker das Wissen mit, um darüber zu sprechen, ob historische Vergleiche überhaupt sinnvoll sind.

Die Antwort ist nicht ganz einfach. Idealerweise müsse die Geschichte für eine Gegenüberstellung abgeschlossen sein. Eine zu frühe Einordnung könne wichtige Auswirkungen übersehen, die sich erst nach einer längeren Zeit ergeben würden. „Wenn wir auf die Geschichte zurückblicken, kommen wir zu einem anderen Ergebnis“, bekräftigte Möller.

Ebenso wie der Effekt eines Geschehens sei auch der Hintergrund wichtig. Für Möller sei es sehr schwierig, einzelne Aspekte aus der Geschichte herauszupicken und mit aktuellen Ereignissen zu vergleichen. In der Arbeit eines Historikers sei das wiederum möglich, weil zwei relativ fertige Ereignisse mit all ihren Wendungen angeschaut werden könnten.

Wachsen die Bundesrepublik und die Weimarer Republik aus derselben Saat?

Seinen Standpunkt machte er an einem beliebten Beispiel fest, das selbst Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nutzte. „Der waghalsige Versuch, Antidemokraten zu zähmen, indem man ihnen Macht gewährt, ist nicht nur in Weimar gescheitert“, warnte das Staatsoberhaupt in einer Matinee zum 9. November. Möller ist als Autor des Buches „Die Weimarer Republik“ ein Experte, wenn es um die Krisen dieser Zeit geht. Er kann die Ursachen und Folgen des Untergangs der Weimarer Republik anschaulich erklären und sie mit der Entwicklung der Bundesrepublik vergleichen.

Horst Möller: Die Weimarer Republik. Demokratie in der Krise. 464 Seiten, Piper Verlag, Jetzt beim JF-Buchdienst bestellen

Allein beim Startpunkt der beiden Demokratien – jeweils ein verlorener Weltkrieg – gäbe es nach Möllers Wissen einerseits Ähnlichkeiten, andererseits krasse Unterschiede. Der Zweite Weltkrieg und die Niederlage 1945 waren laut ihm deutlich schlimmer: mehr Tote, stärkere Zerstörung, größerer Gebietsverlust. „Es ist überraschend, dass die politischen Wirkungen nach 1945 nicht schlimmer ausfielen als nach 1918“, merkte der 83jährige zu Recht an.

Dafür sollen sich viele Aspekte nach der Entstehung der beiden Demokratien ähneln. Die „Weimarer Gesellschaft erlebte“ wie die Bürger der Bundesrepublik „eine Entwicklungskrise“. Heutzutage seien es das Internet und die Künstliche Intelligenz, damals sei es unter anderem der Rundfunk gewesen. Was sich sonst noch gleicht?

Laut dem Historiker führt eine Verschuldungspolitik zu einer Inflation, verlieren die Parteien der Mitte an Zustimmung, während extremere Parteien immer stärker werden, fehlen starke Persönlichkeiten in der Politik, gibt es keine Kompromissbereitschaft im Parlament und kracht die Regierung zu ungünstigen Zeiten zusammen. „Eine Neuwahl in einer Krisenzeit zu veranstalten, die nicht nötig ist, ist mit das Schlechteste, was man tun kann“, sagte Möller schmunzelt.

Nicht nur die Weimarer Republik zerfiel

Ein wichtiger Unterschied sei, dass sich die Krisen in der Weimarer Republik innerhalb von zwölf Jahren und die der Bundesrepublik in 76 Jahren abgespielt haben sollen – und das in einem ganz anderen Ausmaß. Um das zu verdeutlichen, zählte Möller die Wahlergebnisse der Parteien der Mitte auf. Die SPD, die DDP und das Zentrum hätten 1919 noch rund drei Viertel der Stimmen erhalten. Ein Jahr später seien die Parteien insgesamt gerade einmal mehr auf 50 Prozent gekommen. Die Union und die SPD hätten für ihre Halbierung fast 50 Jahre benötigt.

Möller betonte zudem, dass es keinen „deutschen Sonderweg“ gebe. „Die Weimarer Republik ist nicht die erste und nicht die einzige Demokratie, die in einer Krisenzeit zerfiel.“ So seien die Balkanstaaten nach dem Ersten Weltkrieg ebenfalls zu Diktaturen geworden. „Die europäischen Staaten waren alle nach dem Weltkrieg fragil.“ Trotzdem hätten sie nicht Europa eingenommen.

„Den Begriff würde ich nicht auf die AfD anwenden“

Und was ist mit dem Vorwurf gegen die AfD, dass sie eine „faschistische“ Partei sei? Auch hier weist Möller nochmals auf die Hintergründe hin. Laut Möller wurde „Faschismus“ während der 68er-Revolution „pausenlos genutzt“ und entwickelte sich zu einem Kampfbegriff der Linken.

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Aus historischer Perspektive könne er aber keinen „Führerkult“ in der Partei wiedererkennen. „Den Begriff würde ich nicht auf die AfD anwenden“, schlussfolgerte der Historiker.

Historiker Horst Möller: Er wendet den Begriff „Faschismus“ nicht auf die AfD an. Foto: BdK
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