Sexuelle Belästigung (Symbolbild)
Sexuelle Belästigung (Symbolbild) Foto: picture alliance/Bildagentur-online
„MeToo“

Der Feminismus hat sich totgesiegt

Die Enthüllungen um Hollywood-Boss Harvey Weinstein erschüttern derzeit die USA und die ganze Welt. Dem Filmproduzenten wird vorgeworfen, mehrere Frauen sexuell belästigt oder sogar vergewaltigt zu haben. Oft habe er jungen Schauspielerinnen Rollen im Austausch gegen „Gefälligkeiten“ angeboten. Zu seinen ehemaligen Opfern gehören Gwyneth Paltrow. Angelina Jolie und Cara Delevigne an. Mittlerweile wurde der Produzent von seinem eigenen Studio gefeuert und von seiner Ehefrau verlassen. In Hollywood galt sein Verhalten als offenes Geheimnis, das aber von den Medien nie aufgegriffen wurde.

Schauspielerin Alyssa Milano rief auf Twitter den Hashtag „MeToo“ (dt. „Ich auch!“) ins Leben, unter dem Frauen von ihren eigenen Erfahrungen mit sexueller Belästigung berichten konnten. Auch unter deutschen Twitter-Usern fand eine Debatte statt. Frauen berichteten vom sexuellen Mißbrauch in der Kindheit, wie sie begrapscht wurden, aber auch von mißglückten Flirtversuchen. Der Fall erinnert an den „Aufschrei“ aus dem Jahr 2013. Damals hatte FDP-Politiker Rainer Brüderle einer Journalistin Komplimente wegen ihrer Oberweite gemacht. Feministinnen, allen voran Anne Wizorek, sprachen daraufhin von einem weit verbreiteten Alltagssexismus.

Macho-Sprüche sind nicht allzu häufig

Die „MeToo“-Debatte erweckt den Eindruck, als sei Sexismus weit verbreitet. Das täuscht. Der italienische Ökonom Vilfredo Pareto entdeckte 1906, daß nur ein kleiner Teil der Italiener über einen beträchtlichen Anteil des gesamten Vermögens Italiens verfügte. Das nach ihm benannte Prinzip hat sich bei einer Vielzahl statistischer Verteilungen bestätigt und ist auch als 80/20-Regel bekannt. In diesem Fall hieße es: 80 Prozent aller sexuellen Belästigungen gegen von nur 20 Prozent aller Männer aus. Pauschalurteile verbieten sich also von selbst. Und auch wenn fast jede Frau von Macho-Sprüchen zu berichten weiß, heißt dies nicht, daß sie allzu häufig sind.

Eine Empörungsmaschinerie ist kein verlässlicher Indikator. Zur Beschreibung eines Phänomens sollte man viel eher zur Wissenschaft greifen. Ohnehin wird in der aktuelle Debatte zu viel in einen Topf geworfen. Tatsächliche Vergewaltigungen werden auf einmal in einem Atemzug mit flapsigen Sprüchen genannt. Man stelle sich vor, Ärzte würden in einer Statistik Leukämie und Erkältungen gleichermaßen als Krankheitsfälle listen. Schwerwiegende Eingriffe in das Selbstbestimmungsrecht der Frau gehören selbstverständlich strafrechtlich geahndet. Aber sind Sanktionen für pfeifende Bauarbeiter wirklich angebracht?

Die jüngsten Debatten zeigen vor allem, daß der Feminismus zum Opfer seines eigenen Erfolgs geworden ist. Als sich Alice Schwarzer in den 70er Jahren dazu aufmachte, die Emanzipation einzufordern, war bereits viel erreicht. Vergewaltigung war bereits im Kaiserreich illegal, um die Jahrhundertwende wurden Frauen zum Studium zugelassen. Nach dem Ersten Weltkrieg erhielten sie das Wahlrecht, ab 1958 durften sie auch ohne Zustimmung des Ehemannes arbeiten und selbst über ihr Vermögen verfügen.

Feministinnen stellen Unschuldsprinzip in Frage

Natürlich lag noch ein weiter Weg vor den Feministinnen, doch dieser fand in den letzten Jahren seinen Abschluss. Seit 12 Jahren wird Deutschland von einer Frau regiert. Einen Monat vor der Bundestagswahl erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel, das neue Kabinett solle paritätisch von beiden Geschlechtern besetzt werden.

Sexismus ist das letzte große Thema, das dem Feminismus geblieben ist. Immer wieder wird gefordert, gegen die „Rape Culture“ anzugehen. Dieser Begriff umschreibt einen angeblich stillschweigenden Konsens in der Gesellschaft, laut dem Vergewaltigungen „halb so schlimm“ seien. Deswegen brauche es Aufklärungsarbeit. Teil der „Rape Culture“ sei auch, daß Männern vermittelt werde, Frauen seien jederzeit willig und verfügbar. Jeder Actionfilm, in dem der Held nach Abschluss seiner Mission mit einer Schönheit anbandelt, verfestige diese Weltsicht, meinen die feministischen Kritiker.

Auch sagen sie, man müsse Frauen, die einen Mann der Vergewaltigung bezichtigen, immer zunächst einmal Glauben schenken. Dies würde aber bedeuten, das Unschuldsprinzip, ein wichtiges Element unseres Rechtsstaates abzuschaffen. Nicht das Opfer müßte die Tat, sondern der mutmaßliche Täter seine Unschuld beweisen. Damit würde fast jeder Mann potentiell Gefahr laufen, für ein Verbrechen, das er nie begangen hat, verurteilt zu werden. Aus einer Weltsicht, die an einem solchen einfachen Gut-Böse-Schema festhält, können kaum konkrete Lösungsvorschläge erwachsen.

Nach der Kölner Silvesternacht gab es keinen Aufschrei

Brüderle und Weinstein sind weiße Männer. Haben die Täter eine andere Hautfarbe, ist der „Aufschrei“ hingegen kaum zu vernehmen. Nach den Vorkommnissen in der Silvesternacht 2015, bei denen Nordafrikaner hunderte Frauen auf der Kölner Domplatte begrapscht hatten, erwiderte Anne Wizorek, derartige Vorkommnisse seien auf dem Oktoberfest normal. Die Zahlen, die sie nannte, konnten von der Münchener Polizei allerdings nicht bestätigt werden.

Aus feministischen Kreisen ist oft zu hören, die Angst deutscher Männer vor Sexualstraftaten durch Flüchtlinge sei sexistisch und rassistisch, da es ihnen nur um „unsere Frauen“ gehe – wie ein Besitzgegenstand, der nicht von Fremden berührt werden darf. So viel ist Feministinnen im Zweifelsfalle also die sexuelle Selbstbestimmung der Frau wert.

Sexuelle Belästigung (Symbolbild) Foto: picture alliance/Bildagentur-online

Unterstützung

Wenn Ihnen der Artikel gefallen hat: Unterstützen Sie die JF mit einer Spende.

Der nächste Beitrag

aktuelles