WIEN. Der Generaldirektor des Österreichischen Rundfunks (ORF), Roland Weißmann, hat am Sonntag mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt erklärt. Auslöser sind Vorwürfe „unangemessenen Verhaltens“ gegenüber einer Mitarbeiterin zu Beginn seiner Amtszeit im Jahr 2022. Weißmann weist die Anschuldigungen zurück. In einer Stellungnahme seines Anwalts heißt es, der ORF-Stiftungsrat habe Weißmann über die Vorwürfe informiert und ihm eine Frist von wenigen Tagen gesetzt, um seinen Rücktritt zu erklären.
Eine inhaltliche Überprüfung der Anschuldigungen habe demnach noch nicht stattgefunden. Der genaue Sachverhalt sei Weißmann bislang nicht vollständig mitgeteilt worden.
Der Jurist erklärte weiter, sein Mandant habe sich dennoch zum Rücktritt entschlossen, um „Schaden vom Unternehmen abzuwenden“. Weißmann habe sein Amt am Sonntag um 11.45 Uhr niedergelegt. Zugleich kündigte sein Anwalt rechtliche Schritte an. Der ORF-Stiftungsrat sprach sich für eine rasche und transparente Aufklärung der Vorwürfe aus.
Eine lange ORF-Karriere endet
„Der im Raum stehende Vorwurf verlangt dennoch eine rasche und transparente Aufklärung in enger Kooperation mit der ORF-Compliance-Stelle“, erklärten der Vorsitzende des Stiftungsrats, Heinz Lederer, und sein Stellvertreter Gregor Schütze. Der Schutz der betroffenen Person müsse dabei oberste Priorität haben. Als Übergangslösung soll Radiodirektorin Ingrid Thurnher vorläufig die Aufgaben der Generaldirektion übernehmen. Der Stiftungsrat erklärte, damit sei die Fortführung der Geschäfte des Senders gesichert. Der Rücktritt gilt als schwerer Einschnitt für den österreichischen Medienmarkt. Im August steht ohnehin die nächste Wahl der ORF-Führung an. Die Abstimmung im Stiftungsrat soll planmäßig stattfinden.
Roland Weißmann wurde 1968 geboren und arbeitet seit den 1990er Jahren für den ORF. Nach Stationen im Landesstudio Niederösterreich sowie in der Radioinformation übernahm er verschiedene Führungsfunktionen im Sender. Seit 2012 war er als Chefproducer Fernsehen für das größte Programmbudget des ORF verantwortlich. 2017 wurde er zusätzlich stellvertretender Finanzdirektor. 2022 übernahm Weißmann schließlich die Funktion des Generaldirektors. (rr)






