Die „Liberalen“, Harald „Dirty Harry“ Schmidt und die Weißwäsche

Kaisers royaler Wochenrückblick

Die FDP hat in dieser Woche noch strengere Rauchverbote in Deutschland gefordert. Wenn es nach dem Willen der „Liberalen“ geht, soll in Zukunft auch draußen immer seltener geraucht werden dürfen. „Rauchen muß überall dort verboten sein, wo Menschen nicht oder nur schwer ausweichen können“, meint der sucht- und drogenpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Wieland Schinnenburg.

Zu diesen „Freilichtgehegen“, in denen Nichtraucher dem schwefeligen Gestank der teuflischen Raucher nicht oder kaum entgehen können, gehören seiner Meinung nach auch öffentliche Spielplätze, Bushaltestellen und Bahnsteige. Der FDP-Mann betont, es ginge ihm nicht um ein generelles Rauchverbot in der Öffentlichkeit, sondern um konsequenten Nichtraucherschutz. Was allerdings so ziemlich das Gleiche in grün beziehungsweise, in diesem Fall in Magenta-Gelb ist.

Die FDP verliert ihr letztes Alleinstellungsmerkmal

Der neue Liberalismus der bis vor kurzem noch letzten großen Antiverbotspartei scheint sich inzwischen auf den Einsatz für ein „selbstbestimmtes“ Burkatragen im Supermarkt und auf kopftuchtragende FDP-Kandidatinnen bei Kommunalwahlen zu beschränken.

Mit der Forderung nach einem strengeren Rauchverbot hat die Lindner-Partei ihr letztes echtes Alleinstellungsmerkmal, den unbedingten Einsatz für Freiheit und Eigenverantwortung, über Bord geworfen und wird im Grunde nicht mehr gebraucht. Echte Liberale als freiheitliches Gegengewicht zu den Spießern und Umerziehern aus allen politischen Richtungen bräuchte dieses Land dagegen so sehr wie selten zuvor.

Harald Schmidt kritisiert „Sprachpolizei“

Um die Freiheit ist es derzeit schlecht bestellt. Das hat auch Entertainer-Legende Harald Schmidt erkannt. „Mit den heutigen Maßstäben, auch der Political Correctness, der Sprachpolizei und des linksliberalen Mainstreams, hätte ich meine Show nach einer Woche abgenommen bekommen“, sagte der ehemalige Late-Night-Moderator in einem Interview mit dem TV-Sender ORF 3. Wer eine Ahnung davon bekommen will, wie Recht der Kabarettist damit hat, sollte sich auf YouTube die alten Ausgaben seiner Show anschauen. Aber Vorsicht, es könnte sich dabei das Gefühl einstellen, daß früher vielleicht doch vieles besser war.

Jüngere Zuschauer, die den Großmeister der intellektuellen Provokation zu seiner aktiven Zeit selbst nicht mehr bewußt miterlebt haben, könnten gar einen regelrechten Kulturschock erleiden, wenn sie sehen, was noch vor einer Dekade so alles möglich war. Wohin die Fahrt in Sachen politischer Korrektheit geht, ahnte Schmidt offenbar schon damals. In einer seiner bei YouTube meistangeklickten Nummern erzählt der ehemalige Kirchenorganist, wie er einst in christlichen Jugendjahren für die „armen Negerkinder“ gespendet habe.

„Dirty Harry“ und das N-Wort

Auch wenn damals noch keine Zuschauerin aus Empörung die Bühne stürmte, löste das N-Wort im Publikum bereits dieses klassische Hohoho-Gelächter aus, mit dem sich der Lachende seit jeher moralisch gegen all jene absichert, die so etwas gar nicht lustig finden. Das animierte Schmidt und seinen damaligen „Sidekick“, Manuel Andrack, zu einem grandiosen Dialog über Sprache im zeitlichen Kontext.

In einer anderen Episode nutzte der in Nürtingen aufgewachsene Humorist die französischen Wahlen zu einer unterhaltsamen „rein ästhetischen“ Debatte über die Brille von Jean-Marie Le Pen. Wer all dies heute sieht, bekommt Zweifel, ob „Dirty Harry“ mit seiner Diagnose, man würde ihm die Show heutzutage nach einer Woche wegnehmen, nicht vielleicht noch etwas zu optimistisch ist.

Schwarz- oder Weißwäsche?

Die Woche war voll mit Meldungen, die nach einer Bearbeitung in der alten „Harald Schmidt Show“, echter Satire-Freiheit oder zumindest nach einem Late-Night-Moderator mit Geist und Eiern, geradezu schrien. Während sich die Disney-Produzenten von „Arielle die Meerjungfrau“ für ihre neuste Verfilmung des Märchenklassikers von Hans Christian Andersen nur ganz knapp an der Werktreue vorbei für die „nordische Schönheit“ Halle Berry in der Rolle der mythischen Meerjungfrauengestalt entschieden haben, hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden, daß es für streng religiöse Turbanträger keine Ausnahme bei der Helmpflicht für Motorradfahrer gibt.

Sollte die Geschichte des „Sikhi Riders“ und seinem tapferen Kampf gegen die gottlosen Mühlen der deutschen Justiz je in Hollywood verfilmt werden, müßte die Hauptrolle eigentlich konsequenterweise von einem Typen wie Brad Pitt oder Leonardo DiCaprio gespielt werden. Das wäre allerdings „White-washing“ und das steht in Hollywood spätestens seit der letzten Aladin-Verfilmung, bei der man die Hauptrollen deshalb bewußt mit Schauspielern orientalischer Herkunft besetzt hat, auf der schwarzen Liste der absoluten „No-Gos“. Heißt: Am Ende wird man sich wohl mal wieder auf Dwayne „The Rock“ Johnson einigen.

„White Power“-Fantasien überläßt man lieber den Faschismus-Fantasten von der Amadeu Antonio Stiftung. Die sehen überall Nazis und Rassisten und sind allein deshalb schon edelmutiger als sämtliche Hollywood-Filmhelden zusammen.

Rackete zündet zum Held*innenflug

Die Rolle der „Drama Queen“ der Woche hat eindeutig Carola Rackete gespielt. Nach ihrem epochalen Erfolg mit der „Sea Watch 3“ scheint ihre größte Sorge nun zu sein, daß sie mitsamt ihrem Schiff als mediales „One Hit Wonder“ schnell wieder in der Versenkung verschwinden könnte. Deshalb versorgen sie und ihr Vater uns nun täglich mit Neuigkeiten für die Fortsetzung der gutproduzierten Heldinnen-Erzählung.

Wir erfahren, daß sie Italiens Innenminister Salvini verklagen will, daß sie nicht nach Deutschland kommt, weil sie aus Überzeugung nicht fliegt und daß sie unzufrieden mit der deutschen Bundesregierung ist. Letzteres ist vermutlich das Einzige, was die Schlepper-Kapitänin mit ihren Gegnern gemein hat.

Postenposse in Brüssel

Die Groteske der Woche spielte einmal mehr in Brüssel. Dort will unsere Regierung die Blindgängerin aus dem Verteidigungsministerium, Ursula von der Leyen, als Kommissionspräsidentin endlagern.

Das war dem Wähler zwar vor der EU-Wahl alles irgendwie anders versprochen worden, aber immerhin ist sie für den Job genauso geeignet, wie für ihre sämtlichen Ministerposten zuvor. Das genügt als Begründung für einen derart undemokratischen Vorgang völlig. Jedenfalls in Brüssel.

Vorhang auf für Kaisers Wochenrückblick Foto: picture alliance/imageBROKER / JF-Montage

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