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Streiflicht
 

Sie wollen nur unser Bestes

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Facebook-Logo: Die Preisgabe der eigenen Identität erfolgt schleichend Foto: Wikipedia/Flohuels mit CC-Lizenz https://bit.ly/3aFMo4

Haben Sie auch schon ein Profil bei Facebook? Nein? Trösten Sie sich: Sie gehören keineswegs zu einer Minderheit in Deutschland und sie sparen eine Menge Zeit. Über 20 Millionen Deutsche sind inzwischen bei diesem „sozialen Netzwerk“ gemeldet und pflegen dort Kontakte zu „Freunden“ oder was sie virtuell dafür halten. Facebook ist ein Spielzeug, das die Nutzer dazu animieren soll, möglichst viel über sich freiwillig preiszugeben.

So ist es verführerisch, auf Reisen mit dem Mobiltelefon Fotos bei Facebook zu posten und darauf zu warten, welche „Freunde“ auf den „Gefällt-mir“-Knopf drücken oder das Bild kommentieren. Wer unvorsichtig ist, hat die automatische Ortung eingeschaltet, so daß ein Bewegungsprofil angelegt wird. Insbesondere Schüler lassen sich von einer gewissen Gruppendynamik dazu verleiten, immer absurdere Dinge bei Facebook einzustellen: Partybilder, Informationen über den aktuellen Partner und mehr.

Schleichenden Prozeß der Identitätspreisgabe

Welche Folgen hat das? Als Arbeitgeber überprüft man inzwischen in der Regel automatisch über Google und Facebook, welche Informationen der Bewerber dort hinterlassen hat. Diese können zum Ausschluß des Bewerbers führen, weil Vertraulichkeit und ein seriöser Eindruck entscheidend sind. 

Das Gefährliche ist, daß Minderjährige oft in einen schleichenden Prozeß der Preisgabe ihrer Identität hineinrutschen und ein Wust an Informationen entsteht, der später nur noch schwer zu korrigieren ist. Es ist fraglich, ob Facebook eine rückstandslose Löschung von Daten überhaupt zuläßt. 

Warum sammeln Facebook und Google überhaupt alle unsere Daten, von denen die Geheimdienste nur träumen? Sie verdienen damit irrsinnig viel Geld: Facebook erzielte 2011 über 2 Milliarden, Google über 38 Milliarden Dollar Umsatz durch Werbung. Tendenz steigend.

Totalitäres System kommt auf leisen Sohlen

In Zukunft soll Gesichtserkennung hinzukommen, um Zufallsbekanntschaften schneller wiederzufinden. Das könnte die bereits gelegentlich parktizierte Facebook-Fahndung der Polizei noch einmal revolutionieren. Niemand weiß, wann er eines Tages seine Facebook-Akte auf den Tisch gelegt bekommt, um mit einem Fehltritt konfrontiert zu werden. Leichtsinn führte im letzten Jahr zum Sturz des schleswig-holsteinischen CDU-Politikers von Boetticher, der über Facebook eine 16jährige Geliebte kennengelernt hatte. 

Auf leisen Sohlen kommt ein totalitäres System und umfängt uns unmerklich. Es schmeichelt uns mit Diensten, Unterhaltung, sozialen Kontakten – und gaukelt sogar Sicherheit vor. Werden wir ihm entkommen? Ich selbst habe auch eine Facebook-Seite mit inzwischen 1.400 „Freunden“, um für die Arbeit der JF zu werben, ein interessantes Mittel der Kontaktpflege. Soll ich mein Profil wieder löschen? Schreiben Sie mir: stein@jungefreiheit.de 

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