Seit 1950 trafen sich immer zu Pfingsten die nach dem Zweiten Weltkrieg aus ihrer böhmischen und mährischen Heimat Vertriebenen. Im Laufe der Jahrzehnte – spätestens mit dem Wegsterben der Erlebnisgeneration – ließ das kulturell-folkloristische Miteinander die politischen Botschaften immer mehr in den Hintergrund treten.
Die Tonalität in Richtung Prag wurde immer versöhnlicher, 2022 wurde erstmals die tschechische Hymne gespielt, im Jahr darauf sprach ein Vertreter der Regierung Tschechiens – sogar auf Deutsch. Der 76. Sudetendeutsche Tag soll nun dieses Jahr erstmals in Brünn stattfinden, eine Aussöhnung in der alten Heimat manifestiert werden. Doch ausgerechnet die 2025 wieder ins Amt gewählte rechte Regierung unter Andrej Babiš kann die unseligen Geister der Vergangenheit nicht ruhen lassen und rüstet zum geschichtspolitischen Grabenkampf.
Protest gegen den Sudetendeutschen Tag offenbart eine Tragödie
Parlamentspräsident Okamura holt sogar die Beneš-Dekrete aus ihrer Gruft hervor und schwingt gegen die Sudetendeutschen die Nazikeule. Die Regierungskoalition werde gegen einen Sudetendeutschen Tag auf tschechischem Boden kämpfen, zürnt er (JF berichtete).
Wie ernüchternd! Unabhängig von der vermeintlich strittigen Historie und vielleicht auch berechtigter Kritik an allzu viel Versöhnungskitsch offenbart diese Politik eine ganz andere Tragödie: Selbst Politiker wie Babiš, die bei „Green Deal“, Massenzuwanderung oder links-woken Exzessen in der Lage waren, das rechte politische Lager in Europa zu einen, verheddern sich immer wieder in völlig unnötigen geschichtspolitischen Nickeligkeiten. Die Linke kann sich bei so viel Dummheit und Disziplinlosigkeit lässig zurücklehnen.







