Die Einweihung des neuen BASF-Verbundstandorts ist ein Menetekel für den Standort Deutschland. Mit 8,7 Milliarden Euro handelt es sich um die größte Einzelinvestition in der Firmengeschichte. Während in Ludwigshafen Anlagen stillgelegt und Stellen gestrichen werden, entsteht im südchinesischen Zhanjiang ein hochmodernes Chemiezentrum.
Aus Konzernsicht ist die Zukunftsinvestition in Ostasien sinnvoll: Dort befindet sich inzwischen rund die Hälfte der weltweiten Chemienachfrage. Was in der Unternehmenskommunikation als globaler Expansionsschritt verkauft wird, ist mit jedem Lob für die Bedingungen in China eine Klage gegen die Deindustrialisierungspolitik seit Angela Merkel (CDU).
In ihrer Regierungszeit begann die politisch getriebene Erosion der industriellen Basis in Deutschland durch hohe Energiepreise, überbordende Regulierung und eine ideologisch getriebene Klimapolitik. Sowohl Olaf Scholz (SPD) als auch Friedrich Merz (CDU) verschärfen diese Politik statt sie zu korrigieren. Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) fordert offen eine Senkung der steuergetriebenen Energiepreise, weniger Bürokratie und radikale Verschlankungen bei Genehmigungen und Vorschriften.
BASF-Fokus auf China ist nicht verwunderlich
Der VCI kennt die Zahlen seiner Mitglieder, die eine historisch schlechte Auslastung beklagen. Deutschland droht vom Innovationsstandort zum Absatzmarkt zu werden. Große Konzerne verlagern ihre Zukunftsprojekte an Standorte mit niedrigen Energiepreisen und funktionierender Wirtschaftsförderung. Der Mittelstand kann dies nicht und meldet Insolvenz an wie die Stickstoffwerke Piesteritz. Die SKW-Pleite zeigt exemplarisch das Kollabieren der Wertschöpfungsketten, da in Deutschland nicht einmal mehr Vorprodukte wie Ammoniak wettbewerbsfähig hergestellt werden können.
Der Irankrieg beschleunigt die Prozesse dramatisch. Zudem meldet BASF Preissteigerungen bis zu 30 Prozent durch Lieferengpässe und die deutschen Rekordpreise für Energie. Doch trotz dieser Entwicklungen unternimmt Kanzler Merz nicht mal den Versuch, die CO₂-Bepreisung abzumildern – stattdessen wurde vorige Woche ein verschärftes „Klimaschutzprogramm“ beschlossen. So bleibt das BASF-Werk in China, ein Symbol: nicht für die Globalisierung – sondern für den schleichenden Rückzug industrieller Substanz aus Deutschland.






