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Kommunistische Diktatur: Maos junge Mordkommandos

Kommunistische Diktatur: Maos junge Mordkommandos

Kommunistische Diktatur: Maos junge Mordkommandos

Maos Rote Garden exekutierten die brutale Kulturrevolution in China.
Maos Rote Garden exekutierten die brutale Kulturrevolution in China.
Maos Rote Garden exekutierten die brutale Kulturrevolution in China. Foto: picture-alliance/ dpa | Paolo Koch
Kommunistische Diktatur
 

Maos junge Mordkommandos

Im Mai 1966 entfesselte Mao Tse-tung die „Kulturrevolution“. Seine Roten Garden tauchten China in ein Blutbad mit Millionen Opfern. Linke im Westen feierten den Diktator derweil.
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Ab Mitte der 1950er Jahre fungierte Mao Tse-tung nicht nur als Vorsitzender der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh), sondern auch als Staatspräsident der Volksrepublik. In diesen beiden Eigenschaften initiierte der „Große Steuermann“ beziehungsweise „Große Vorsitzende“ zwei Kampagnen namens „Hundert-Blumen-Bewegung“ und „Anti-Rechts-Bewegung“, um unter dem Deckmantel der Fortsetzung des Klassenkampfes Kritiker und Widersacher zu identifizieren und auszuschalten.

Anschließend sollte das Reich der Mitte dann ab 1958 den „Großen Sprung nach vorn“ tun, was aber lediglich zu einer gigantischen Hungersnot mit bis zu 55 Millionen Toten führte. Infolgedessen sank Maos Ansehen, weil man ihn zu Recht für das Fiasko verantwortlich machte. Bald darauf erlangte Liu Shaoqi, der im April 1959 Mao als Staatsoberhaupt abgelöst hatte, wachsende Popularität, weil er dem Land das dringend benötigte ökonomische Wachstum nach der Katastrophe bescherte. Dadurch verschärften sich nun aber die Richtungsstreitigkeiten in der chinesischen Führung: Liu stand für eine Transformation der Wirtschaft in Richtung Marktwirtschaft sowie das Primat der Partei über das „rückständige“ Volk.

Mao hingegen war trotz der schlimmen Erfahrungen beim „Großen Sprung“ weiterhin ein Verfechter der Planwirtschaft und glaubte an die revolutionäre Kraft der Massen, die es immer wieder neu zu mobilisieren gelte, um im Verlaufe weiterer Umbrüche den idealen Sozialismus zu erschaffen. Sein Motto lautete: „Mit Chaos auf Erden erreicht man große Ordnung im Land.“

Mao beschwor Gefahr der Konterrevolution

Die tatsächlichen Fehlentwicklungen innerhalb der Staats- und Parteibürokratie führten dazu, dass Maos Kritik an den „privilegierten Funktionären“ von der Mehrheit der Mitglieder des Zentralkomitees der KPCh geteilt und zum Kampf gegen die „bürokratische Klasse“ und „kapitalistischen Elemente“ innerhalb der Partei geblasen wurde, zu denen man schließlich auch die Befürworter der markt- und leistungsorientierten Wirtschaftspolitik um Liu zählte. Auf Betreiben Maos kam es im Juli 1964 zur Gründung der Fünfergruppe, deren Aufgabe in der Vorbereitung der erforderlichen „Kulturrevolution“ liegen sollte.

Diesem Quintett schwebten aber nur wenige, eng begrenzte Maßnahmen gegen Korruption und Vetternwirtschaft vor, worauf Mao einige Monate später mit erneuten Klassenkampfparolen sowie der Warnung vor „führenden Kadern, die den kapitalistischen Weg eingeschlagen haben“, reagierte. Allerdings wies das Politbüro der KPCh Maos Anträge auf ein schärferes Vorgehen zurück.

Derart in die Enge getrieben, beschwor der „Große Steuermann“ die Gefahr der „Konterrevolution“, indem er Anfang 1966 das Gerücht lancierte, einige Mitglieder der Fünfergruppe hätten einen Staatsstreich gegen ihn geplant. Unter Verweis auf diese angebliche „Februar-Meuterei“ beorderte Mao dann im März 1966 als Vorsitzender der Zentralen Militärkommission die 38. Armee nach Peking; kurz darauf erwirkte er zudem die Absetzung von elf ihm nicht genehmen Mitgliedern des Zentralkomitees der KPCh.

„Roten Garden“ wurden zum Treiber der Kulturrevolution

Dem folgte am 16. Mai die Auflösung der Fünfergruppe sowie Gründung der Zentralen Gruppe Kulturrevolution beim ZK. Der letzteren gehörten ausschließlich radikale Parteigänger Maos an, darunter seine Ehefrau Jiang Qing und die Ideologen Zhang Chunqiao, Yao Wenyuan und Wang Hongwen, welche später die berüchtigte „Viererbande“ bildeten. Gleichzeitig startete Mao eine neue Kampagne gegen Liu Shaoqi und dessen Unterstützer.

Vor diesem Hintergrund präsentierte die Parteisekretärin des Philosophischen Institutes der Universität Peking, Nie Yuanzi, am 25. Mai 1966 nach ausdrücklicher Ermunterung durch die Zentrale Gruppe Kulturrevolution eine Wandzeitung, in der sie den Rektor und etliche Professoren der Hochschule beschuldigte, „revisionistische Subversionspläne“ zu hegen. Desgleichen formierte sich am 29. Mai an der Eliteschule der Pekinger Tsinghua-Universität eine „Rote Garde“ zum Schutz des Vorsitzenden Mao und zur Durchsetzung von dessen Ideen. Unmittelbar darauf entstanden an 55 weiteren Bildungseinrichtungen der chinesischen Hauptstadt ähnliche Gruppierungen – angestachelt durch Maos Parole: „Zu rebellieren ist gerechtfertigt.“

Die „Roten Garden“ wurden nun zum Treiber der Kulturrevolution, welche der Volksrepublik genauso schwer schaden sollte wie der „Große Sprung nach vorn“, denn sie führte ab Juni 1966 zu einer jahrelangen Welle blindwütiger Zerstörung und Gewalt gegen angebliche Feinde der Arbeiter- und Bauernklasse, verbrämt als Kampf gegen die „Vier Alten“, also alte Denkweisen, alte Kulturen, alte Gewohnheiten und alte Sitten.

Kulturrevolution zerstörte historische Stätten

Im Juli 1968 erklärte Mao die Roten Garden dann allerdings zu „Banditen“, welche es zu „vernichten“ gelte, wenn sie „weiterhin Widerstand leisten“. Denn sie hatten nun ihren Zweck erfüllt, weil der „Große Steuermann“ als Sieger aus dem Kampf gegen die „Rechtsabweichler“ hervorgegangen war und sich fester im Sattel wähnte als je zuvor. Andererseits drang Mao noch im Februar 1976 auf eine Fortsetzung der Kulturrevolution, da diese für den weiter notwendigen Klassenkampf gegen die „kapitalistischen Machthaber (…) mitten in der Partei“ stehe. Sechs Monate später war Mao tot, woraufhin die „Viererbande“ ins Gefängnis wanderte. Das bedeutete das faktische Ende der Kulturrevolution, obgleich die KPCh das von Mao und den Roten Garden verursachte „innerstaatliche Chaos“ erst im Juni 1981 als „Fehler“ bezeichnete.

Die Kulturrevolution forderte möglicherweise bis zu 20 Millionen Menschenleben, so die Aussage des späteren Vorsitzenden des Ständigen Komitees des Nationalen Volkskongresses, Ye Jianying. Auf jeden Fall war sie nicht zuletzt durch etliche große Massaker mit Hunderttausenden von Toten in Guangxi, Guangdong, Yunnan, Daoxian und anderswo geprägt. Dazu kamen die Opfer des Kaskadenbruchs von 62 Staudämmen im August 1975 in der Provinz Henan durch grobe technische Vernachlässigung.

Die Zahl der Gefolterten und Verletzten sowie der Inhaftierten lässt sich hingegen in keiner Weise abschätzen. Ansonsten verursachte das Treiben der Roten Garden auch Schäden an den Kulturgütern des Reiches der Mitte in Höhe von umgerechnet 110 Milliarden Euro. So demolierten die Handlanger Maos allein im Sommer 1966 im Großraum Peking 4.922 historische Stätten. Und im annektierten Tibet blieben von 370 buddhistischen Klöstern gerade einmal acht übrig.

Im Westen wurde Massenmörder Mao zur Ikone der Linken

Währendessen litt Maos Nimbus im Westen bei den 68ern keinen Deut. Die linken Studenten in Paris, Frankfurt oder West-Berlin verehrten ihn wie einen Messias, es gehörte zum guten Ton der Revolutionäre, stets das „Kleine rote Buch“ (Maos Zitate) bei sich zu tragen. Der Massenmörder avancierte regelrecht zu einer popkulturellen Ikone. Auch politisch fanden Teile der Neuen Linken Maos Vernichtungspolitik gegen „konservative, reaktionäre und konterrevolutionäre Elemente“ im Staat reizvoll. Die Parole „Die politische Macht kommt aus den Gewehrläufen“ verwendeten europäische K-Gruppen analog zu den Roten Garden.


In China waren die Konsequenzen dieses Ungeistes jedoch ungleich fataler. Der Massenmord kostete das Reich der Mitte Millionen potentieller Fachkräfte, weil zwischen 1966 und 1978 kein regulärer Universitätsbetrieb stattfand. Zudem ermordeten die Roten Garden viele unersetzliche Experten, darunter 229 Mitglieder der Chinesischen Akademie der Wissenschaften sowie 45 Beschäftigte des Atomforschungszentrums Qinghai. Ebenso wurde der führende Werkstoffspezialist Yao Tongbin, der sowohl in das chinesische Raumfahrtprogramm als auch in die Entwicklung der Kernwaffen des Reiches der Mitte involviert war, am 8. Juni 1968 als „reaktionäre akademische Autorität“ zu Tode geprügelt. Das alles warf China im militärisch-technologischen Wettstreit erheblich zurück.

Aus der JF-Ausgabe 23/26.

Maos Rote Garden exekutierten die brutale Kulturrevolution in China. Foto: picture-alliance/ dpa | Paolo Koch
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