Razzia gegen Taschendiebe in Berlin
Razzia gegen organisierte Taschendiebe in Berlin Foto: picture alliance / dpa
Meinung

Kriminalitätsstatistik politisch korrekt schöngeredet

Christian Pfeiffer, Kriminologe in sozialdemokratischen Diensten, hat uns in der Welt die neue PKS (Polizeiliche Kriminalitätsstatistik) erklärt. Bekanntlich kann man mit keinem Instrument so gut lügen, wie mit der Statistik nach dem Motto: Rechts am Hasen vorbeigeschossen, links am Hasen vorbeigeschossen, im Durchschnitt ist der Hase tot. Pfeiffer gelingt es in dem besagten Artikel mit Nachdruck zu beweisen, daß Statistik mit exakter Wissenschaft wenig zu tun hat.

Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist der Mord in Freiburg, der natürlich von Rechts instrumentiert und von den Medien gemäß der altbekannten Regel „bad news are good news“ ausgeschlachtet wird. Kriminalität ist für Pfeiffer in Deutschland ein Auslaufmodell, sie geht in breiter Front zurück, die Sicherheit in Deutschland steigt, auch für Frauen. Die Gewaltbereitschaft auch und gerade bei Jugendlichen nimmt ab, weil sich die „kulturelle Errungenschaft einer gewaltfreien Erziehung“ durchsetzt. „Wir haben das elterliche Züchtigungsrecht abgeschafft und sehen mit Freuden, daß das der Stabilisierungsfaktor schlechthin ist“, so Pfeiffer. Im Klartext: das Problem in der Kriminalitätsverursachung war und ist der weiße deutsche Patriarch, der häusliche Gewalt ausübt und Frau und Kinder verprügelt.

Gewaltfreie Erziehung führt nicht zu genereller Gewaltfreiheit

Wie bitte, man reibt sich die Augen?! Dieses marginalisierte Auslaufmodell von Erziehung soll an den hohen Kriminalitätsraten schuld sein? Das erscheint völlig abwegig, zumal Statistiken ja nur „Kovarianzen“ aufzeigen, niemals Verursachungszusammenhänge. Das patriachalische Machogehabe alleine also soll die Kriminalitäts-Prävalenz in Deutschland erklären. Diese politisch korrekte Monokausalität führt sich selbst ad absurdum. Pfeiffer hat wohl von dem pädagogischen Experiment von Summerhill nichts gehört, wo sogenannte gewaltfreie Erziehung eben nicht zur generellen Gewaltfreiheit geführt hat. Multos viae ad Romam ducunt – das gilt auch in der Kriminalität.

Oder hat Pfeiffer noch nichts von „Wohlstandsverwarlosung“ gehört? Man sollte ihm das Buch „Das Ende der Geduld“ der leider unter mysteriösen Umständen verstorbenen Kirsten Heisig auf den Gabentisch legen. Dort könnte er viel über die Ätiologie der Gewalt, insbesondere in Neukölln und in ganz Berlin als Hauptstadt der Kriminalität lernen. Offensichtlich kennt Pfeiffer den Begriff „Dunkelziffer“ nicht, wenn er stolz verkündet, daß die Zahl der vollendeten Vergewaltigungen in Deutschland rapide zurückgegangen sei. Bekanntlich ist ja auf Kölns Domplatte jede Vergewaltigung zur Anzeige gebracht worden und der deutsche Professor hat tiefen Einblick in die multikulturellen Parallelgesellschaften, die mittlerweile über eine eigene Paralleljustiz verfügen, so daß Straftaten in diesen Milieus im öffentlichen Raum gar nicht mehr wahrgenommen werden.

Ausländeranteil bei Straftaten: 38,5 Prozent – Ausländeranteil der Bevölkerung: 11 Prozent

Ach ja, da ist ja auch noch die leidige Ausländerkriminalität. Nun gut, 40 Prozent der Einbrüche werden von Ausländern begangen – bei einem offiziellen Ausländeranteil von 11 Prozent der Bevölkerung. 22 Prozent ist der Ausländeranteil bei Rauschgiftdelikten, 27 Prozent bei Körperverletzung, 38 Prozent bei Raubdelikten – insgesamt 38,5 Prozent der Straftaten. Aber auch hier werden wir aufgeklärt: Der hohe Anteil an Ausländerkriminalität liegt an der jüngeren Altersstruktur. Junge Männer (da ist der Macho wieder) werden häufiger kriminell als alte (deutsche) Männer.

Wäre die deutsche Bevölkerung genauso alt beziehungsweise jung wie die ausländische zugewanderte Bevölkerung, wäre ihre Kriminalitätsrate genauso hoch. Woher weiß der Pfeiffer das? Sicherlich spielt das Alter (vor allen Dingen bei der Art der Kriminalität) eine Rolle. Aber ausschließlich, so daß man die Gesamtvarianz damit erklären kann? Pfeiffer liefert noch eine zweite Erklärung: Die Ausländerkriminalität ist (nur) in der Wahrnehmung der Bevölkerung so hoch, weil die Ausländerkriminalität in den Medien viel mehr Aufmerksamkeit als die Kriminalität der Einheimischen bekommt. Wie bitte? Kennt Pfeiffer nicht die Absprachen der Medien, nur dann auf die Herkunft des Täters hinzuweisen, wenn es unbedingt erforderlich ist? Kennt er nicht die Regelung von Kiel, wonach Polizei und Staatsanwaltschaft kleinere Diebstähle und Sachbeschädigungen von Flüchtlingen nicht weiter verfolgen sollten, weil der Aufwand zu hoch sei?

Kein Arzt, kein Krankheit – keine Polizei, kein Verbrechen

Überhaupt wird der Zusammenhang von Polizeiarbeit und Kriminalitätsentwicklung bei Pfeiffer völlig ausgeblendet. Zur Kriminalitätsbekämpfung ist „aufsuchende“ Polizeiarbeit erforderlich, wird die Polizeipräsenz ausgedünnt, wird die Polizeiarbeit zunehmend reaktiv. Werden Rauschgiftdelikte in einem sozialen Brennpunkt nicht mehr verfolgt, so tauchen diese Delikte natürlich in keiner Statistik mehr auf, es gibt sie auf dem Papier schlicht nicht, wenn sie nicht von irgendwem zur Anzeige gebracht werden. Kein Arzt, keine Krankheit – keine Polizei, kein Verbrechen, so kann man die Kriminalitätsstatistik gegen Null fahren!

In einem Punkt hat Pfeiffer recht: Bei Kriminalstatistik ist Vorsicht geboten. Nehmen wir sie und werfen sie in die Tonne und werfen die Analyse von Pfeiffer gleich hinterher. Kriminalitätsstatistik wird in Zeiten der politischen Korrektheit zu einem willkürlichen Konstrukt für politische Zwecke.

Razzia gegen organisierte Taschendiebe in Berlin Foto: picture alliance / dpa

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