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Creditreform-Analyse: 65.000 kleine Läden weg: Deutschlands Innenstädte verlieren ihr Gesicht

Creditreform-Analyse: 65.000 kleine Läden weg: Deutschlands Innenstädte verlieren ihr Gesicht

Creditreform-Analyse: 65.000 kleine Läden weg: Deutschlands Innenstädte verlieren ihr Gesicht

Die Insolvenzwelle rollt durch Deutschland und trifft auch viele kleine Läden hart. (Symbolbild). Foto: picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer
Die Insolvenzwelle rollt durch Deutschland und trifft auch viele kleine Läden hart. (Symbolbild). Foto: picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer
Die Insolvenzwelle rollt durch Deutschland und trifft auch viele kleine Läden hart. (Symbolbild). Foto: picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer
Creditreform-Analyse
 

65.000 kleine Läden weg: Deutschlands Innenstädte verlieren ihr Gesicht

Seit 2010 sind in Deutschland 65.000 von einst 236.000 kleinen Einzelhandelsgeschäften verschwunden. Der Handelsverband warnt vor Kipppunkten in den Innenstädten.
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BERLIN. Die Zahl kleiner Einzelhandelsgeschäfte in Deutschland ist seit 2010 drastisch gesunken. Nach einer aktuellen Analyse der Wirtschaftsauskunftei Creditreform und des Handelsblatt Research Instituts gab es 2010 noch 236.143 kleine Einzelhandelsgeschäfte mit Jahresumsätzen von weniger als 250.000 Euro. Für 2025 weist die Umsatzsteuerstatistik nur noch 170.770 solcher Läden aus. Das entspricht einem Rückgang von 28 Prozent.

Damit trifft das Ladensterben vor allem kleinere, oft inhabergeführte Geschäfte deutlich härter als den Einzelhandel insgesamt. Über alle Größenklassen hinweg schrumpfte die Zahl der Läden im selben Zeitraum um lediglich 16 Prozent.

Übrig blieben demnach noch gut 316.000 Geschäfte. Creditreform spricht in seiner Branchenanalyse von einem tiefgreifenden Strukturbruch: „Der Einzelhandel zählt zu den am stärksten schrumpfenden Wirtschaftsbereichen in Deutschland.“ Besonders betroffen sind nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei Fachgeschäfte in Innenstädten, Nebenstraßen und Einkaufszentren. Creditreform-Ökonom Patrik-Ludwig Hantzsch verweist auf eine Mischung aus Inflation, Kaufzurückhaltung, steigenden Betriebskosten und wachsendem Konkurrenzdruck. Gerade kleinere und mittelständische Unternehmen verfügten kaum noch über finanzielle Reserven.

 

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Energie ist in Deutschland zu teuer

Sichtbar werde die Krise auch bei den Insolvenzen: 2025 gingen 2.440 Händler pleite, neun Prozent mehr als im Vorjahr. Bereits 2024 hatte es einen deutlichen Anstieg gegeben. Überdurchschnittlich betroffen waren Modehändler, Buchläden sowie Back- und Süßwarengeschäfte. Der Handelsverband Deutschland (HDE) sieht die Entwicklung mit Sorge. Nach seiner Einschätzung könnte die Zahl der Geschäfte 2026 erstmals unter die Marke von 300.000 sinken. HDE-Präsident Alexander von Preen warnte: „So kann und darf es nicht weitergehen.“ Andernfalls erreichten immer mehr Stadtzentren Kipppunkte. Der Einzelhandel sei „das Rückgrat lebendiger Innenstädte“.

Von Preen fordert bessere politische Rahmenbedingungen. Die Politik müsse die Kosten bei Energie und Beschäftigung senken. „Die Stromsteuer muss endlich für alle runter, bei den Lohnnebenkosten braucht es einen Deckel bei 40 Prozent“, sagte der HDE-Präsident. Auch Vermieter seien gefordert. Sie müssten sich stärker auf umsatzorientierte Mieten einlassen. Leerstand nutze niemandem.

Wie stark leerstehende Läden Innenstädte belasten, zeigt eine Untersuchung des Instituts für Handelsforschung Köln. Demnach schreckt Leerstand Besucher ab, schwächt das Image einer Stadt und mindert die Frequenz in den Zentren. Nach Berechnungen des Instituts verliert eine Kommune pro leerstehendem Geschäft im Schnitt 12.485 Euro an Einnahmen. Hinzu kommen Folgekosten durch soziale Effekte, Wertverluste bei Immobilien und Umsatzeinbußen umliegender Geschäfte.

Eine zusätzliche Rolle spielen Non-Food-Discounter wie Action, Tedi, Hema, Woolworth oder Thomas Philipps. Sie gewinnen in Bereichen wie Haushalt, Deko, Heimtextilien, Schreibwaren, Spielzeug, Multimedia und Baumarktartikeln zunehmend Marktanteile. Nach einer IfH-Umfrage haben in den vergangenen zwei Jahren 85 Prozent der Bundesbürger bei einem Non-Food-Discounter eingekauft. Viele Kunden greifen dort auch zu Produkten, deren Kauf ursprünglich nicht geplant war.

Auch Unternehmen selbst müssen reagieren

HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth sieht darin eine Gefahr für die Identität der Innenstädte. „Mit dem Niedergang der kleineren Fachhändler verlieren viele Innenstädte ihre Unverwechselbarkeit und damit ihr Herz“, sagte er. Creditreform fordert daher neue Konzepte für Standortplanung, Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung. Die klassische Einkaufsinnenstadt funktioniere vielerorts nicht mehr. Künftig müssten Städte Einkauf, Freizeit, Gastronomie und Wohnen stärker miteinander verbinden.

Auch die Händler selbst sieht Creditreform in der Pflicht. Kleine Geschäfte müssten stärker auf Beratung, Spezialisierung, Kundennähe und digitale Präsenz setzen. Hantzsch sagte: „Wer als kleiner Händler austauschbar bleibt, wird es künftig schwer haben.“ Erfolgreich seien vor allem jene Unternehmen, die Beratung, Erlebnis, Spezialisierung und digitale Sichtbarkeit miteinander verbinden. (rr)

Die Insolvenzwelle rollt durch Deutschland und trifft auch viele kleine Läden hart. (Symbolbild). Foto: picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer
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