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Medien und Meinungsfreiheit: „Das Radio des geistigen Widerstands“

Medien und Meinungsfreiheit: „Das Radio des geistigen Widerstands“

Medien und Meinungsfreiheit: „Das Radio des geistigen Widerstands“

Radiomikrofon mit Zeichen: Achtung Aufnahme! („On Air“), Quelle: picture alliance / Zoonar / Oleksandr Latkun
Radiomikrofon mit Zeichen: Achtung Aufnahme! („On Air“), Quelle: picture alliance / Zoonar / Oleksandr Latkun
Radiomikrofon mit Zeichen: Achtung Aufnahme! („On Air“), Quelle: picture alliance / Zoonar / Oleksandr Latkun
Medien und Meinungsfreiheit
 

„Das Radio des geistigen Widerstands“

Seit wenigen Tagen gibt es mit „Kontrafunk – die Stimme der Vernunft“ den ersten politisch alternativen Radiosender im deutschen Sprachraum. Geschaffen wurde das überraschende Internetprojekt mit Vollprogramm und zwanzig Redakteuren von dem Profijournalisten Burkhard Müller-Ullrich. Was steckt dahinter? Und kann ein so ambitioniertes Unternehmen auf Dauer überhaupt bestehen?

Herr Müller-Ullrich, kontra wen funkt „Kontrafunk“?

Burkhard Müller-Ullrich: Gegen die Einseitigkeit, Selbstgefälligkeit und Dominanz der Mainstreammedien, vor allem der Öffentlich-Rechtlichen. Einige Hörer betonen übrigens, daß der Silbenfall von Kontrafunk und Deutschlandfunk gleich ist. 

Ist das Absicht? 

Müller-Ullrich: Nein, und doch gibt es Verbindungen, etwa daß einige von uns früher dort waren: So Volker-Andreas Thieme, der ehemalige DLF-Nachrichtensprecher, der nun bei uns die Nachrichten liest. Und, so schreiben uns Hörer, inhaltlich seien wir so, wie der Deutschlandfunk einmal war: ein liberal-konservatives Medium von großer Seriosität.

Ist Kontrafunk also politisch rechts?  

Müller-Ullrich: Ich halte es da mit Ernst Jandl, der bekanntlich zu bedenken gab, es sei ein „Illtum, daß man lechts und rinks nicht velwechsern kann“. Im Ernst: Mittlerweile definieren hierzulande Linksextremisten, was „rechts“ ist – weshalb intelligente Menschen bei dieser Zuschreibung doch nur noch mit den Schultern zucken können. 

„Kontrafunk – die Stimme der Vernunft“

Die meisten Ihrer Mitstreiter wirken allerdings nicht wie Konservative, sondern eher linksliberal – nur daß sie vernünftig geblieben sind, statt woke zu werden. 

Müller-Ullrich: Stimmt, ich habe mich früher auch als links verstanden – in dem Sinne, daß der Einzelne gegenüber Konzernen, Staat etc. geschützt werden muß. Und ich setze konservativ auch nicht mit rechts gleich, sondern verstehe darunter zu bewahren, was sich bewährt hat – also Veränderungen ja, aber nur wenn nötig. Während heute viele Änderungen, etwa Gender-Sprache, völlig überflüssig sind. Früher hat Politik Probleme gelöst, heute erfindet sie ständig neue. Deshalb lege ich auch großen Wert auf unseren kompletten Namen: „Kontrafunk – die Stimme der Vernunft“, da so gleich deutlich wird, wogegen sich das Kontra richtet: gegen die Unvernunft! 

Logo des alternativen Radios Kontrafunk Foto: Privat
Logo des alternativen Radios Kontrafunk Foto: Privat

Einen politisch alternativen Radiosender wünschen sich viele Bürger seit Jahren. Bisher hat sich daran aber noch niemand gewagt. Wie haben Sie das gestemmt?   

Müller-Ullrich: Zunächst war es nur so eine Idee – für die ich einen bekannten Journalisten, dessen Namen ich nicht nenne, gewinnen wollte. Also trafen wir uns Anfang des Jahres, doch er sagte gleich zur Begrüßung: „Dann erzählen Sie mal, um was es überhaupt geht – und dann sage ich: Nein!“ Na, das fing ja gut an … Am Ende blieb er zwar dabei – bot mir aber 100.000 Euro Startkapital! Mich hat das berührt, weil ich merkte, welch enormes Vertrauen dieser Mann in mich hat.

Das war der Moment, in dem aus der Idee ein Projekt wurde, denn damit konnte ich weitere Investoren überzeugen. Als Beteiligungsoption standen 25.000, 50.000 oder 100.000 Euro zur Auswahl – 100.000 als Obergrenze, damit nicht ein „Großinvestor“ das Projekt quasi einkauft. Bis zum Frühling hatten wir so knapp 1,2 Millionen Euro zusammen, verteilt auf 36 Investoren, alles private Mittelständler. 

„‘Break Even’ nach drei Jahren“

Wie lange ist Kontrafunk damit finanziert? 

Müller-Ullrich: Für ein Jahr – dann planen wir eine Kapitalerhöhung um weitere 1,5 Millionen Euro, um den Break Even, also den Punkt, an dem sich Ausgaben und Einnahmen decken, nach insgesamt drei Jahren zu erreichen. 

Wie denn, Sie haben doch keine Einnahmen?

Müller-Ullrich: Ein klein wenig verdienen wir mit Werbung. Aber es stimmt, die Kosten decken können wir nur mit sogenannten Patenschaften. 

Also finanzieren Sie sich durch Spenden? 

Müller-Ullrich: Fiskalisch gesehen sind es keine Spenden, aber umgangssprachlich: ja, richtig. Schließlich ist unser Programm frei verfügbar. Also müssen wir Paten werben, die bereit sind, das Projekt für die mitzufinanzieren, die gratis hören.

„Ziel: mit 12.000 ‘Patenschaften’ finanziert“

Einige sehen Kontrafunk langfristig scheitern.

Müller-Ullrich: Ganz sicher nicht. Wir haben errechnet, daß etwa 12.000 Paten erforderlich sind. Ich habe keine Zweifel, daß wir das bei einem deutschsprachigen Markt von 100 Millionen Menschen in drei Jahren auf jeden Fall erreichen werden. 

Seit dem 21. Juni ist Kontrafunk nun auf Sendung. Der Start war allerdings etwas holprig. Warum? 

Müller-Ullrich: Weil wir leider mit etlichen technischen Problemen kämpfen, mit denen wir gar nicht gerechnet haben. So mußten wir etwa unerwartet viermal das Sendesystem wechseln! Und als größere Herausforderung als gedacht erweist sich auch, daß wir nicht aus einem Studio, sondern dezentral aus den Wohnungen unserer Moderatoren senden. Dafür nutzen wir ein anspruchsvolles, web-basiertes System, bei dem sich der Browser über verschiedene Anschlüsse steuern läßt. Nur leider hat es so seine „Mucken“ und, wie so oft in der Internetwelt, wenn etwas nicht funktioniert, reagiert der Support natürlich erst nach Tagen auf unsere flehentlichen Problemmeldungen. 

„Der ‘Mit dem Kopf durch die Wand’-Typ“

Warum haben Sie den Start nicht einfach verschoben? 

Müller-Ullrich: Wir hatten öffentlich versprochen, daß es mit dem Tag des Sommerbeginns losgehen würde. Und ich bin eben der „Mit dem Kopf durch die Wand“-Typ, der lieber etwas durchzieht und im laufenden Betrieb verbessert, als es zu verschieben.

Angekündigt hatten Sie ein Radio-Vollprogramm, tatsächlich produzieren Sie aber nur drei bis vier Stunden pro Tag, die dann bis zum Abend wiederholt werden. Verstehen Sie, wenn mancher da etwas enttäuscht ist?

Müller-Ullrich: Man kann mit nur zwölf Stellen kein 24-Stunden/7-Tage-Programm machen – auch wenn unsere zwölf wie 36 schuften. Selbst der DLF mit seinen mehreren hundert Stellen bringt Wiederholungen! Aber ja, geplant war, daß unser Programm zu Sendebeginn schon weiter ausgebaut ist. Etwa sollte die morgendliche „Aktuell“-Sendung mittags und abends nicht nur wiederholt, sondern teilweise aktualisiert werden. Doch wie gesagt, es kam uns die Technik dazwischen. Sobald wir da aber alles im Griff haben, wird das Programm erweitert!

Wann wird das sein?

Müller-Ullrich: Ich bin mir sicher, daß wir bereits in etwa drei Wochen ein ganz anderes Radio bieten werden als jetzt kurz nach dem Start. Übrigens findet sich unser Programmschema auf unserer Netzseite, damit sich jeder Hörer einen Überblick verschaffen kann, was zu welcher Tageszeit läuft!

Kontrafunk hat zwanzig Redakteure – Sie sprachen eben aber von „mit nur zwölf Stellen“.

Müller-Ullrich: Weil außer mir – was als Direktor nicht anders möglich ist – kaum jemand eine volle Stelle hat, sondern sich die Redaktion aus 20-, 50- und 80-Prozentlern zusammensetzt. Allerdings wollen das auch viele so, weil sie noch anderswo arbeiten oder eigene Projekte haben. 

„Von etablierten Denkschablonen frei“

Wer sind Ihre Redakteure? 

Müller-Ullrich: Sie eint, daß sie ein neues, weltoffenes und von den etablierten Denkschablonen freies Medium suchen. Etwa ein Drittel kommt vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk, darunter meine Frau Katja Lückert, ein Drittel von „Russia Today“ und ein Drittel aus anderen Bereichen. Ich rechne natürlich damit, daß die ehemaligen RT-Mitarbeiter nun genutzt werden, um uns als „vom Russen unterwandert“ zu framen. Tatsächlich aber sind das Leute, die bei RT waren, um als Journalisten zu arbeiten und die aus diesem Grund nun auch bei Kontrafunk sind – und nicht, um eine „russische Agenda“ zu lancieren. 

Kontrafunk-Chefredakteur Burkhard Müller-Ullrich hat das alternative Radio geschaffen Foto: Privat
Kontrafunk-Chefredakteur Burkhard Müller-Ullrich hat das alternative Radio geschaffen Foto: Privat

Wenn zwölf Stellen zu wenig sind, wie Sie vorhin sagten, warum stellen Sie dann nicht mehr Leute ein?

Müller-Ullrich: Weil 1,2 Millionen Euro Kapital zwar toll klingt, aber umgelegt auf unsere Kosten ein sehr schmales Budget bedeutet – auch weil es unser Anspruch ist, faire Gehälter und Honorare zu bezahlen, um für das Projekt eine solide professionelle Basis zu schaffen. Was nämlich eine Voraussetzung für seinen Bestand ist, da nur so Qualität und Unabhängigkeit gewahrt werden können. 

Bekannt geworden sind Sie mit „Indubio“ (JF 4/21), dem Podcast des Online-Portals „Achse des Guten“, dessen Moderation Sie im April aber überraschend aufgegeben haben. Viele fragen sich seitdem, warum? Denn statt Kontrafunk zu gründen, hätten Sie doch auch Indubio zu einem Radiosender ausbauen können. 

Müller-Ullrich: Zum einen waren ich und meine Idee den „Achse“-Machern wohl etwas zu tollkühn. Zwar gefiel sie ihnen an sich – aber nicht der Aufwand und die Risiken. Zum anderen gab es leider Uneinigkeit darüber, ob Indubio mein Podcast bei der Achse sei oder aber der Podcast der Achse, bei dem ich nur angestellt bin. So nämlich sah man das dort – während ich meine, es ist offensichtlich, daß ich Indubio zu einem Erfolg gemacht habe. 

„Rausgeworfen – warum, weiß ich nicht“

Sie sind also im Bösen geschieden? 

Müller-Ullrich: Eigentlich hatten wir eine Trennung im Guten geplant, mit vorzeitiger Information der Hörer und sauberer Übergabe an meinen Nachfolger. Doch dann wurde ich völlig überraschend vorzeitig rausgeworfen, warum weiß ich nicht.  

Manche wenden ein, Radio sei nur, was per Radiowellen kommt. Warum senden Sie aber nur im Internet?

Müller-Ullrich: Weil wir sonst eine Sendelizenz bräuchten und in Gefahr wären, sie angesichts unseres kritischen Programms wieder zu verlieren. So aber sind wir frei und müssen keine falsche Rücksicht nehmen – wie es sich für Journalismus gehört.

Rechtlich sitzt Kontrafunk in der Schweiz. Etliche Hörer denken, das habe politische Gründe – als wäre der Sender in Deutschland nicht möglich. Tatsächlich liegt es aber doch nur daran, daß Sie dort wohnen.

Müller-Ullrich: Das stimmt, allerdings sind wir schon vor der deutschen Politik geflohen: Weil nämlich unser Sohn wegen Corona nicht mehr in die Schule durfte. Ein – damals – 15jähriger aber, der nicht mehr raus und in die Schule kann, der verkümmert! So sind wir von Köln in die Schweiz gezogen, wo es zwar auch Corona gibt, Kinder aber nicht eingesperrt und um Jahre ihrer Entwicklung und Schulbildung gebracht werden.

„Wir bringen die Gegenposition“

Zum Sendestart haben Sie beteuert, Hörer als mündige Bürger nicht zu bevormunden. Doch zum Beispiel in  ihren stündlichen Nachrichten war von „kriminellen Aktivisten“ die Rede, die sich auf Straßen festkleben. Ist das nicht eine Wertung, die in Nachrichten – selbst wenn sie zutreffend sein sollte – nichts verloren hat?

Müller-Ullrich: Stimmt, wenn es war, wie Sie sagen, war es falsch. Denn das wäre der Stil der Öffentlich-Rechtlichen, nur mit umgekehrten politischen Vorzeichen. Das wollen wir nicht, und es rächt sich, daß ich als Direktor derzeit zu sehr mit der Technik beschäftigt bin, statt auf solche Dinge zu achten, die nicht vorkommen sollen. Gerade etwa habe ich aus einem Nachrichtentext „umstritten“ gestrichen – ein typisches Framing-Wort.

Auf Kontrafunk wurde die Polizeirazzia gegen den Mediziner und Corona-Kritiker Paul Brandenburg als pure Staatswillkür dargestellt oder die Berliner Abgeordnetenhauswahl „gefälscht“ genannt. Der Fall Brandenburg (JF 23/22) mag unterm Strich skandalös sein, aber er ist auch komplex: So ging die Initiative nicht vom Staat aus, sondern von einer Anzeige, auf die die Polizei ja reagieren mußte. Und der Berliner Wahl-skandal liegt an Wurstigkeit und Desinteresse gegenüber einer demokratischen Wahl. Für vorsätzliche Fälschung der gesamten Wahl aber gibt es keine Beweise.  

Müller-Ullrich: Das mag einerseits richtig sein, andererseits bin ich aber überzeugt, daß hinter dem Fall Brandenburg politische Motive stehen, und bei der Berlin-Wahl kam es immerhin auch zu Fälschungen. Dennoch aber stimmt, daß wir Themen nicht nur aus einer Richtung kritisch betrachten wollen.  

Kann man auch mal Gäste mit gegenteiliger Meinung erwarten, etwa Impf- oder Genderbefürworter?  

Müller-Ullrich: Eher nein, denn diesen Leuten stehen etwa siebzig öffentlich-rechtliche Radiokanäle zur Verfügung, auf denen sie zu Wort kommen. 

„Bürgerlicher Mittel- und gesunder Menschenverstand“

Tun Sie dann nicht das, was Sie den Medien vorwerfen?

Müller-Ullrich: Nein, denn wir grenzen niemanden aus, sondern wir bringen die Gegenposition zu Gehör. Und das so lange, wie wir ausgegrenzt werden – denn es gäbe Kontrafunk doch gar nicht, wenn das nicht deren Praxis wäre! Dabei gab es eine Zeit, da war das nicht so, denn ich habe selbst Karriere bei den Öffentlich-Rechtlichen gemacht und zwar bei Redakteuren, die zu mir sagten: „Ich finde total falsch, was du sagst, aber gut, wie du es bringst – also senden wir es!“

Viele wünschen sich nicht nur ein alternatives Radio, sondern endlich auch einen solchen Fernsehsender!

Müller-Ullrich: Ich bin leider ganz und gar ein „Radiomann“, ohne jede Begabung fürs Visuelle. Zudem haben wir schon alle Hände voll zu tun und brauchen wirklich jede Unterstützung, deshalb bitte: einschalten, weiterempfehlen, unser kostenloses Werbematerial bestellen und verteilen – und vor allem natürlich eine Patenschaft übernehmen! Denn ich bin überzeugt, daß Kontrafunk als das Radio des bürgerlichen Mittelstands, des geistigen Widerstands und des gesunden Menschenverstands dringend gebraucht wird!  

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Burkhard Müller-Ullrich war leitender Kulturredakteur und bis 2016 Moderator des Deutschlandfunks, arbeitete für den Bayerischen Rundfunk, das Schweizer Radio und bis 2021 für den SWR. Geboren 1956 in Frankfurt am Main, studierte er Philosophie, Geschichte, Soziologie und schrieb für etliche Zeitungen, etwa Zeit, Welt, Focus, Süddeutsche oder Frankfurter Rundschau. 2020 startete er auf dem Portal „Achse des Guten“ den Podcast „Indubio“, dessen Konzept er ab April auf einer eigenen Netzseite unter dem Namen „Kontrafunk“ fortführte. Daraus ist nun mit Sendestart am 21. Juni der neue Internetradiosender gleichen Namens geworden. Zu empfangen ist Kontrafunk per Internetradiogerät, Computer oder Smartphone – in Bälde auch als App.

JF 27/22

Radiomikrofon mit Zeichen: Achtung Aufnahme! („On Air“), Quelle: picture alliance / Zoonar / Oleksandr Latkun
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