BERLIN/HALLE. Der Linkspartei-Bundestagsabgeordnete Dietmar Bartsch hat den Spiegel für das Cover seiner aktuellen Ausgabe scharf kritisiert. Darauf ist der AfD-Spitzenkandidat für die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt im September, Ulrich Siegmund, zu sehen. Dazu der Text: „Der gefährlichste Mann Deutschlands“. Bartsch nannte das bei „Welt TV“ einen „Skandal“ und fügte hinzu: „Letztlich ist das Wahlkampfhilfe für die AfD.“
Der ehemalige Fraktionschef der Linkspartei im Bundestag sagte, er verstehe nicht, „wie man in Hamburg, weit weg von Sachsen-Anhalt, ahnungslos was Sachsen-Anhalt betrifft, ein derartiges Cover entscheiden kann“. Dann attackierte er die Spiegel-Chefredaktion. „Man sollte wirklich über journalistische Sorgfaltspflicht noch einmal nachdenken“, betonte Bartsch. „Das ist irre. Ich finde es unverantwortlich. Und das geht an die Chefredaktion in Hamburg, die weit weg ist von Sachsen-Anhalt.“

Zwar finde er persönlich den AfD-Politiker Siegmund „völlig unsympathisch“. Dieser habe „eine ziemlich große Klappe und leider gar keine Kompetenz, was zum Beispiel Haushalt und Finanzen betrifft“. Aber: „Ehrlich gesagt: Der gefährlichste Mann – das sind die Leute, die Autos in den CSD fahren lassen. Das sind gefährliche Menschen, weil sie Leben riskieren.“
Statt jemanden wie Siegmund derartig darzustellen, sollten Medien ihn lieber ignorieren, betonte Bartsch. Denn: „Ignorieren ist die höchste Form der politischen Auseinandersetzung.“
Siegmund spricht von „sehr guter Werbung“
Auch innerhalb der Medienbranche hatte das Spiegel-Cover für Aufsehen und teils harsche Kritik gesorgt. So schrieb Thomas Mayer, Gründungsmitglied der linksliberalen österreichischen Tageszeitung Der Standard, auf der Plattform X, das Hamburger Magazin mache „einen Politiker der extrem Rechten“ zu einem „Titelhelden“. Das werde die AfD freuen. Der Fernsehmoderator und Autor Micky Beisenherz bezeichnete die Verantwortlichen des Covers als „schamlos, wenn sie so etwas zum Titel machen und gleichzeitig so tun, als würden sie sich für ‚den Erhalt der Demokratie‘ einsetzen“.
Siegmund selbst bezeichnete die Sache gegenüber der Welt als „sehr gute Werbung“. Außerdem teilte der 35jährige auf der Plattform Instagram ein Video, auf dem das Spiegel-Titelbild zu sehen ist – unterlegt von US-amerikanischer Rapmusik. (st)





