BERLIN. Der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Moritz Schularick, hat Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) vorgeworfen, zu viel Geld in veraltete Technik zu investieren. „Ein einziges Ministerium ist mit der Aufgabe schlicht überfordert“, sagte der Ökonom gegenüber der Süddeutschen Zeitung. „Statt die klügsten Köpfe des Landes zusammenzubringen, gehen wir die Zeitenwende mit denselben Beamten an, die seit Jahrzehnten in ihren Abteilungen und Referaten sitzen.“
Problem des Verteidigungsministers sei, dass aus dem ersten Bundeswehr-Sondervermögen in Höhe von rund 100 Milliarden Euro „mehr als 90 Prozent in Alt-Technologien geflossen“ seien, so der Wirtschaftswissenschaftler. Das setze sich in den Planungen für die kommenden Jahre fort. „Deutschland gibt lediglich zwei Prozent seines Verteidigungshaushalts für Forschung und Entwicklung aus, die USA deutlich über zehn. Wir stecken also gerade Unmengen Geld in die Technologien von gestern.“
Pistorius muss in neue Technologie investieren
Die neue Militärstrategie sei von Panzern, Flugzeugen und Schiffen geprägt. Dabei gebe es kein allgemeines Interesse mehr daran, in Panzer zu steigen und an die Front zu fahren. „Das heißt: Statt auf mehr Soldaten, mehr bemannte Fahrzeuge und mehr Kasernen müssen wir – wo immer möglich – auf KI, Robotik, Drohnen und Satellitentechnik setzen.“
Für die Zukunft ist laut Schularick entscheidend, wessen KI-Roboter cleverer seien. „Hier massiv zu investieren, brächte auch im zivilen Bereich erheblichen Nutzen, denn smarte Maschinen werden in zehn Jahren überall sein.“
Als konkretes Beispiel nannte der Instituts-Chef das „Arminius“-Projekt. „Wir bestellen bis zu 3.000 Radpanzer, die von 15.000 Soldaten – die wir nicht haben – bedient werden müssen, Mitte nächsten Jahrzehnts geliefert werden und 30 bis 40 Milliarden Euro kosten könnten.“ Stattdessen hätte das Ministerium lieber „in großem Umfang in autonom fahrende Militärfahrzeuge der Zukunft investieren und die Technologie dann im zivilen Bereich gewinnbringend nutzen“ sollen.
Jüngere Generation soll Generalposten übernehmen
Mit Investitionen in neue Technologien sei es möglich, „einen dauerhaften Wachstumsimpuls“ auszulösen. „Statt das 700-Milliarden-Programm als einmalige Chance zu begreifen, die Armee der Zukunft aufzubauen und gleichzeitig der Volkswirtschaft den dringend nötigen technologischen Impuls zu verschaffen, droht es zum Großteil in Alttechnologien zu verpuffen“, warnte der Ökonom.

Deswegen beharre Schularick auf einer preußischen Vorgehensweise aus dem 19. Jahrhundert. „Alte Garde raus, junge Generation rein! Man wird einen 60-jährigen General kurz vor der Pensionierung nicht mehr davon überzeugen, in die Robotik- und KI-Zukunft zu marschieren.“
Investitionen in das Militär seien unter anderem deswegen für Ökonomen relevant, weil die Verteidigungsausgaben „der am stärksten und schnellsten wachsende Posten im Bundeshaushalt“ seien. Die Wirtschaftswissenschaftler müssten „von Beginn an mitdenken, wie die wirtschaftlichen Prozesse aussehen müssen, damit die nötigen Waffensysteme im Fall der Fälle auch wirklich rasch und in ausreichender Menge nachproduziert werden können“. (mas)





