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Kirchen: Warum geraten „rechte Christen“ zunehmend unter Druck, Herr Pastor?

Kirchen: Warum geraten „rechte Christen“ zunehmend unter Druck, Herr Pastor?

Kirchen: Warum geraten „rechte Christen“ zunehmend unter Druck, Herr Pastor?

Christ, Pastor und Leiter des Gemeindehilfsbundes: Stefan Felber
Christ, Pastor und Leiter des Gemeindehilfsbundes: Stefan Felber
„Was für eine Bigotterie!“: Pastor Stefan Felber, Leiter des Gemeindehilfsbundes. Fotos: privat / KI generiert
Kirchen
 

Warum geraten „rechte Christen“ zunehmend unter Druck, Herr Pastor?

Mit einer Denkschrift wehrt sich eine Gruppe Protestanten gegen den „Kampf gegen rechts“ in den Landeskirchen. Der Initiator berichtet im JF-Interview, wie konservative Christen bekämpft werden, warnt vor einem Abgleiten der Demokratie – und sagt, ob er noch Hoffnung für seine Kirche hat.
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Pastor Felber, der von Ihnen geleitete konservativ-protestantische Gemeindehilfsbund hat im März eine zwanzigseitige Broschüre veröffentlicht, die sich gegen die Diffamierung konservativer Protestanten in den evangelischen Landeskirchen richtet. Sie sprechen von einem „Kampf gegen rechts“, der auch in den Kirchen geführt werde. Woran machen Sie das fest?

Stefan Felber: Gewisse Kirchenleitungen machen mit, wenn konservativen Christen „gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ oder „Hass und Hetze“ unterstellt werden, etwa weil sie die Kindstötung im Mutterleib anprangern, die Segnung homosexueller und polyamorer Verbindungen ablehnen oder an der Zweigeschlechtlichkeit des Menschen festhalten. Mittlerweile existiert auch eine ganze Menge an kirchlichen Veröffentlichungen gegen „rechte“ Christen, zum Beispiel bei der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, einer Einrichtung der EKD. Das hat handfeste Folgen.

Die Broschüre des Gemeindehilfsbundes

Welche denn zum Beispiel?

Felber: Nehmen Sie nur unseren Gemeindehilfsbund: 2022 verlangte die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers vom Geistlichen Rüstzentrum in Krelingen, einer christlichen Tagungseinrichtung, keine Räume mehr an uns zu vermieten. Der Leiter des Rüstzentrums bat daraufhin den Gemeindehilfsbund, eine für März 2023 auf seinem Gelände geplante Tagung zurückzuziehen. Wir haben das verweigert, und die Krelinger wollten uns dann auch nicht rausschmeißen. Die Folge: Die Kirche finanziert jetzt nicht mehr das Gehalt des Krelinger Leiters. Weitere ähnliche Fälle sind uns bekannt.

Dass Konservative in den evangelischen Landeskirchen eher nicht wohlgelitten sind, gilt aber doch schon länger. Warum sind Sie gerade jetzt mit Ihrer Broschüre an die Öffentlichkeit gegangen?

Felber: Bisher haben konservative Christen eher verhalten auf Diskreditierungen aus den Landeskirchen reagiert. Der kirchliche Literatur- und Konferenzbetrieb, der sich mit ihnen beschäftigte, blieb wiederum lange in einer eigenen liberalen Blase. Mittlerweile nehmen aber auch die großen Medien konservative Christen immer häufiger ins Visier. Es kommt zu einer Verschärfung der Diskussionslage.

Tatsächlich laufen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk in jüngerer Zeit Dokus über „rechte“ Christen hoch und runter. Wie erklären Sie sich das gestiegene mediale Interesse?

Felber: Das liegt an den politischen Verschiebungen: Die CDU hat ihr christliches Profil unter Kohl und Merkel scheibchenweise verlassen; Anliegen konservativer Christen, zum Beispiel ein Ende der Abtreibungen, sind mehr oder weniger ins Programm christlicher Kleinparteien oder der AfD abgewandert. So gelten konservative Gläubige nun als Teil der „rechten Gefahr“ und werden ungewollt politisiert, selbst wo sie gar keine Berührungspunkte mit Politik und Parteien oder, wie oft unterstellt wird, mit der amerikanischen MAGA-Bewegung haben.

„Das ist wie einst in der DDR“

Und warum machen die Kirchen da mit?

Felber: Die Leitungen der evangelischen Landeskirchen sind durchweg theologisch und politisch liberal besetzt. Dadurch hat sich deren Augenmerk massiv verschoben: Die spezifisch biblischen Aufgaben der Verkündigung von Gottes Geboten und des Evangeliums spielen eine immer geringere Rolle; das entstehende Vakuum wird gefüllt durch den Versuch, die Früchte des Evangeliums ohne das Evangelium festzuhalten.

Wie meinen Sie das?

Felber: Es wird viel von Liebe, sozialer Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung geredet. Insbesondere will man den gesellschaftlichen Zusammenhalt und „unsere Demokratie“ wahren. Aber wann haben unsere Kirchenpräsidenten und Bischöfe in den letzten 20 Jahren – gerade gegenüber Muslimen! – Jesus Christus bekannt als Sohn Gottes und Sohn Davids, als Erlöser, als König und Herrn, dessen „kräftigen Anspruch auf unser ganzes Leben“ wir verkünden sollen, wie es in der Barmer Theologischen Erklärung von 1934 heißt?

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Das Buch von Stefan Felber

Und warum sollte „unsere Demokratie“ nicht auch ohne Evangelium funktionieren?

Felber: Weil es sich dann letztlich um eine Zivilreligion handelte, die irgendwann nur noch mit Zwang durchgesetzt oder aufrechterhalten werden kann, wie ich es auch in meinem Buch „Kein König außer dem Kaiser?“ beschreibe. Dem halten wir entgegen: Wer Jesus als seinen Herrn annimmt, erhält eine neue Lebensgrundlage und wird die Einheit unter den Menschen zunächst nicht in einem demokratischen Verfahren suchen, sondern in bestimmten Glaubens- und Lebensinhalten, aus denen sich wiederum Verfahren ergeben, die der biblischen Menschenwürde entsprechen. Letztlich geht es um die Frage, was die höchste Autorität und Quelle der christlichen Verkündigung ist: Gottes Wort oder Menschenwort.

Daniel Rudolphi, Weltanschauungsbeauftragter bei der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, warf Ihnen einmal vor, theokratische Assoziationen zu wecken. Ihre Bekenntnisse zur Demokratie seien möglicherweise nur Lippenbekenntnisse.

Felber: Hier wird künstlich ein Widerspruch zwischen der Autorität Gottes und der Demokratie konstruiert. Das Problem entsteht dort, wo eine gottlos gewordene Welt ein bestimmtes Verfahren zur politischen Entscheidungsfindung als den höchsten Wert ansieht, aber die christlichen Inhalte vergessen oder verdrängt hat, die einmal zu diesem Verfahren geführt haben. Dadurch wird das Verfahren selbst korrumpiert. In Deutschland wird der Begriff Demokratie wie einst in der DDR immer mehr mit sozialistischen Inhalten gefüllt. Nur so entsteht die völlig paradoxe Situation, dass gerade denjenigen, die am christlichen Glauben festhalten, aus dessen Werten unsere freiheitliche Staatsordnung gewachsen ist, mangelnde Verfassungstreue unterstellt wird. Nehmen Sie etwa Artikel 6 des Grundgesetzes.

„Mit welchem Recht?“

„Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung“, heißt es da – unverändert seit 1949.

Felber: Genau. Aber als das Grundgesetz geschrieben wurde, stand praktizierte Homosexualität noch unter Strafe; Ehe war unhinterfragt die lebenslängliche Verbindung von nur einem Mann mit nur einer Frau. Inzwischen hat sich die Mehrheitsmeinung zwar verändert. Aber mit welchem Recht wird denjenigen, die Homosexualität noch heute als moralisch fragwürdig einstufen, mangelnde Verfassungstreue unterstellt? Im Grunde verwirft man damit die ethische Haltung der Nachkriegs- und Aufbaugeneration gleich mit. Strafen für homosexuelle Praxis will wohl kaum noch jemand einführen, aber wie kann man mit Berufung auf das gleiche Grundgesetz die moralische Bewertung auf den Kopf stellen – und zum Beispiel Therapieangebote für Homosexuelle kriminalisieren? Gleichzeitig gibt es sehr viele, auch staatlich geförderte Angebote zum „Coming-out“ für die, die sich im Geburtsgeschlecht unwohl fühlen. Was für eine Bigotterie!

Was wollen Sie mit Ihrer Broschüre erreichen?

Felber: Einzelne Politikfelder wie die genannten werden in der Broschüre nicht angesprochen. Es geht uns grundsätzlicher darum, soweit möglich, über die am Anfang genannten Zusammenhänge aufzuklären. Wir wenden uns damit an Christen, die sich im Nebel des Zeitgeistes nach Orientierung umschauen: parteipolitisch neutral, aber auf einzelnen Politikfeldern umso entschiedener. Wir Christen werden die letzten sein, die die freiheitlich-demokratische Grundordnung gefährden. Das tun diejenigen, die die Demokratie mit undemokratischen Mitteln erhalten wollen, faktisch aber außer Kraft setzen.

Welche Reaktionen bekommen Sie?

Felber: Wir haben unerwartet viele Neubestellungen und Dankesschreiben erhalten.

Allerdings ist auch Kritik zu hören. Die Hannoversche Landeskirche hat noch am Tag der Online-Veröffentlichung ein Statement veröffentlicht …

Felber: … das kurz und seltsam ist: Die Kirche distanziert sich ausdrücklich von der Schrift, lehnt es aber ab, sich zu einzelnen ihrer Aussagen zu äußern. Die Pressesprecherin betont die wissenschaftliche Expertise ihrer Fachleute. Abschließend wird die Zusammenarbeit mit Vereinigungen abgelehnt, „die der freiheitlichen demokratischen Grundordnung verachtend oder ablehnend gegenüberstehen oder die mit solchen Gruppierungen sympathisieren“ – als würden die Unterzeichner unter eine dieser Kategorien fallen. Was für eine Umdrehung! Die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen hat mit einem umfassenderen kritischen Text auf uns reagiert. Dem ist wiederum der Religionsphilosoph Prof. Dr. Dr. Daniel von Wachter entgegengetreten. Die Debatte ist nicht abgeschlossen.

„Das gibt wenig Anlass zu Hoffnung“

Was empfehlen Sie konservativen Protestanten, die Mitglied in einer Landeskirche sind: Sollen sie austreten und ihre Glaubensheimat in anderen Institutionen suchen – oder sollen sie bleiben und kämpfen?

Felber: Der Gemeindehilfsbund hat dazu unlängst zwei ergebnisoffene Podiumsdiskussionen veranstaltet. Es bleibt eine persönliche Gewissensentscheidung. Das zeigt sich auch daran, dass die Unterzeichner der Broschüre – mittlerweile mehr als 200 – teilweise Mitglieder der Landeskirche, teilweise ausgetreten, teilweise Freikirchler sind. Ich selbst bleibe als ordinierter Pastor Mitglied der Landeskirche.

Lassen sich die Landeskirchen denn noch einmal zum rechten Glauben bekehren?

Felber: Man muss zwischen den Kirchenleitungen und den einzelnen Ortsgemeinden unterscheiden. Bei den Ortsgemeinden ist die Lage sehr unterschiedlich; Anlass zur Sorge gibt neuerdings der Tsunami an Fusionen, mit denen die Profile auch guter Gemeinden noch nivelliert zu werden drohen.

Und die Kirchenleitungen?

Felber: Da gibt die Vergangenheit, ehrlich gesagt, wenig Anlass zur Hoffnung. Das Ringen um die Übereinstimmung der Kirchenleitungen mit ihren eigenen Bekenntnisgrundlagen währt schon über 50 Jahre. Bisher waren die Leitungen dabei nicht zur Umkehr fähig oder willig. Konservative Bischöfe wie Gerhard Maier in Württemberg und Carsten Rentzing in Sachsen waren die Ausnahme. Das Problem ist: Für Menschen, die die Karriereleiter schon hochgestiegen sind, wird irgendwann die Fallhöhe zu hoch beziehungsweise der Gesichtsverlust zu gravierend, als dass sie sich zur Umkehr riefen ließen. Am Ende gilt: Die Zukunft weiß und bestimmt Gott.

Vielen Dank für das Gespräch!


Stefan Felber wurde 1967 geboren, ist verheiratet und Vater dreier Kinder. Er machte in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern sein Vikariat und wurde dort auch ordiniert. 22 Jahre lang lehrte der Pastor am Theologischen Seminar St. Chrischona in der Schweiz. Seit 2022 steht er hauptamtlich den Gemeindehilfsbund mit Sitz in Walsrode zwischen Bremen und Hannover vor.

„Was für eine Bigotterie!“: Pastor Stefan Felber, Leiter des Gemeindehilfsbundes. Fotos: privat / KI generiert
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