Die Berliner CDU wird die Wahl um das Bürgermeisteramt im kommenden September aller Voraussicht nach verlieren. Die Verantwortung dafür trägt sie allein. Genauer gesagt: ihr noch amtierender Regierender Bürgermeister Kai Wegner.
Noch vor wenigen Tagen galt er als gesetzter Spitzenkandidat der Christdemokraten für die Wahl zum Abgeordnetenhaus. Dann stolperte er über seine inzwischen kaum noch zu übersehende Pinocchio-Nase. Im Zuge der Aufarbeitung des großen Stromausfalls im vergangenen Januar (JF berichtete) brach sein sorgsam gepflegtes Krisennarrativ in sich zusammen wie der Berliner Nahverkehr an einem heißen Sommertag.
Die zahlreichen Widersprüche und Unwahrheiten rund um Wegners Krisenmanagement wurden schließlich selbst für die Berliner CDU untragbar. Nach tagelangem Druck zog er auf einer bemerkenswert selbstherrlichen Pressekonferenz seine Spitzenkandidatur zurück (JF berichtete), auch wenn er sich für die verbleibenden zwei Monate noch an das Amt des Regierenden Bürgermeisters klammert.
CDU hat keine Chance auf Bürgermeisteramt
Eine rot-rot-grüne Regierung unter einer linken Bürgermeisterin scheint damit so gut wie gesetzt. Auch deshalb, weil die Hauptstadt-CDU die AfD mit 19 Prozent dicht im Nacken hat und in den eigenen Reihen offenbar keinen einzigen überzeugenden Sympathieträger mehr aufzubieten weiß. Der neue Spitzenkandidat, den man folglich hastig aus der schief sitzenden Narrenkappe zaubern musste, ist erwartungsgemäß blass und inhaltsarm.
Seinen Namen muss man sich eigentlich nicht merken. Wirkliche Chancen auf das Bürgermeisteramt hat der Noch-Finanzsenator Stefan Evers ohnehin nicht. Er gehört zu jener geschniegelt-glatten Klasse christdemokratischer Retortenpolitiker, die vermutlich in irgendeinem Geheimlabor unter dem Konrad-Adenauer-Haus im Dutzend gezüchtet werden und statt volksnahen Charismas vor allem den biederen Charme eines Steuerberaters oder Kreissparkassendirektors versprühen.
Überdeckt wird dieses angeborene Spießertum in der CDU gern durch hip anmutende, tatsächlich aber eher fetischhafte Ersatzhandlungen, etwa das ostentative Besuchen von Christopher Street Days. In dieser Disziplin brillierte auch Kai Wegner ähnlich zuverlässig wie auf seinem heißgeliebten Tennisplatz. Kaum gewählt, konnte er es anno dazumal kaum erwarten, das zuvor mit großem Eifer propagierte Law-and-Order-Image abzustreifen und sich stattdessen affektiert in Regenbogenstolen zu hüllen.
CDU-Kandidat Evers offenbart seinen infantilen Geist
Immerhin lebt Evers tatsächlich in einer homosexuellen Partnerschaft. So konnte man ihn bereits im Regenbogen-Leiberl mit dem anachronistisch anmutenden Schriftzug „Love is Halal“ sehen. Ein Auftritt, zu dem ein Pali-Tuch in Schwarz-Rot-Gold ganz ausgezeichnet gepasst hätte. Nun gut, eine verpasste Chance. Vielleicht bietet der laufende Wahlkampf noch die passende Gelegenheit.
In diesem Bild ist irgendwo die CDU versteckt. pic.twitter.com/NW9gRTfX5M
— Vadim Derksen (@realDerksen) July 23, 2026
Und was erfährt man sonst über Evers? Wie die Bild am Tag der Staffelstabübergabe berichtete, hört er gerne „hebräischen Pop“, besonders dann, wenn er bei geöffnetem Fenster durch die berüchtigte Sonnenallee fährt. Das spricht für einen infantilen Geist, aber nicht für einen Politiker, der Verantwortung für die Bundeshauptstadt übernehmen sollte.
Von guter Politik würden übrigens alle Berliner profitieren, ganz gleich, ob Juden, Christen, Muslime, Homosexuelle, Atheisten oder Marsmännchen. Solange die CDU das nicht begreift und sich wie ihre linken Mitbewerber darin gefällt, eigens als marginalisiert identifizierte Gruppen herauszustellen und gezielt anzusprechen, anstatt Politik für die Allgemeinheit zu machen, wird es mit einem Schwarzen im Roten Rathaus wohl vorerst nichts mehr werden.





