BERLIN. Rund zweieinhalb Monate vor der Abgeordnetenhauswahl am 20. September wird es eng für Berlins Regierenden Bürgermeister Kai Wegner. Denn nun steht fest: Der CDU-Politiker hat der Öffentlichkeit im Zusammenhang mit seinem Tätigkeiten beim großen Blackout Anfang des Jahres eine weitere Lüge aufgetischt.
Entgegen seiner Behauptung, am 3. Januar um 8:08 Uhr mit dem Telefonieren begonnen zu haben, musste die Senatskanzlei nach einer Auskunftsklage des Tagesspiegels nun einräumen, dass Wegner „vor 12:45 Uhr kein Telefonat geführt“ hat. Das ist auch deswegen brisant, weil der Senatschef sein Tennisspiel mit seiner Freundin, der Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU), damit begründet hatte, er habe wegen der vielen Telefonate den „Kopf freikriegen“ müssen.
Alles erstunken und erlogen. Frei erfunden. Jedes Wort.
Was wetten wir, dass #Wegner trotzdem nicht zurücktritt?
Er sitzt es bis zum letzten Tag aus. pic.twitter.com/DeJx9w8a54
— Christian Kott (@Christian_Kott) July 7, 2026
Sein Tennismatch begann um 13 Uhr. Also hat er kurz davor das erste Mal telefoniert, und zwar nicht mit der Bundesregierung oder den Spezialisten für die Stromversorgung, sondern mit seiner Stellvertreterin und Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD). Zu diesem Zeitpunkt war er wahrscheinlich schon auf der Tennisanlage oder auf dem Weg dorthin. Bisher immer noch nicht gefasste Linksextremisten hatten die Stromversorgung des Südwesten Berlins für fünf Tage lahmgelegt, während schwerer Frost herrschte. Rund 100.000 Berliner saßen in dunklen und kalten Wohnungen.
Regierender Bürgermeister log von Anfang an
Auch über diesen Tagesablauf hatte der 53-Jährige zunächst die Unwahrheit gesagt. Er habe sich von morgens bis abends ins Homeoffice eingeschlossen und die Lage mit intensiven Telefongesprächen koordiniert, so seine erste Darstellung, als er danach gefragt wurde, warum er den gesamten Tag für die Öffentlichkeit unsichtbar blieb. Recherchen des RBB enthüllten kurz darauf, dass der Regierende Bürgermeister in Wirklichkeit auf dem Tennisplatz war.
Nun teilte die Senatskanzlei dem Tagesspiegel nach dessen erfolgreicher Klage vor dem Berliner Verwaltungsgericht Informationen über Wegners dienstliche Kommunikation am 3. Januar mit. Daraus geht nun eindeutig hervor, dass Wegner bis kurz vor dem Tennismatch überhaupt nicht dienstlich telefoniert hat: „Vielmehr fand der Austausch per Textnachrichten statt.“
In einem Interview mit „Welt TV“ am 7. Januar hatte Wegner versucht, seine Tennisspiel-Lüge zu rechtfertigen und gesagt: „Ich habe in der Tat um 8:08 Uhr begonnen, die Telefonate zu führen.“ Tatsächlich, so kommt nun heraus, haben die von Wegner suggerierten frühen Kontakte mit Stromnetz Berlin sowie mit dem Bundeskanzleramt und dem Bundesinnenminister erst später am Tag statt, teilweise erst am Abend stattgefunden.
Wegner will die Öffentlichkeit nicht getäuscht haben
Noch im März hatte der Regierende Bürgermeister die Aussage Giffeys als „unzutreffend“ bezeichnet, er habe mit ihr bis zum Mittag kein einziges mündliches Telefonat geführt.
Damit ist auch die Behauptung Wegners praktisch widerlegt, er habe die Öffentlichkeit zu keinem Zeitpunkt wissentlich getäuscht. Auf Erinnerungslücken, wie es ein Senatssprecher erklärte, kann er sich bei einem solch wichtigen Vorfall wie dem größten Berliner Stromausfall in der Nachkriegsgeschichte jedoch nicht plausibel berufen. Denn die Medien bohrten bereits am zweiten Tag des Blackouts intensiv nach, wo er gewesen sei. Nun kommt heraus, er hat sogar gegenüber seiner eigenen Verwaltung die Unwahrheit gesagt.

Um sich gegen die, wie jetzt fest steht, berechtigten Vorhalte zu wehren, hatte Wegner seine Presseerklärung nicht mehr über die Senatskanzlei verschickt, sondern über die Medienrechtsanwaltskanzlei Schertz Bergmann. Diese erklärte, Täuschungsvorwürfe gegen ihn seien „haltlos“. Wer etwas anderes behaupte, dem ließ Wegner juristische Schritte androhen.
War Wegner gar nicht Tennisspielen?
Die Landes- und Fraktionsvorsitzende der Berliner AfD, Kristin Brinker, kritisierte Wegner scharf. „Nach den diversen bereits erwiesenen Unwahrheiten, die Wegner über den 3. Januar geäußert hat, kann diese neue Erkenntnis nicht mehr verwundern. Allerdings ist es schon bemerkenswert, dass Wegner seiner eigenen Senatskanzlei die Unwahrheit gesagt hat.“
Das lege den Verdacht nahe, „dass an den Gerüchten etwas dran ist, hinter seiner mysteriösen Abwesenheit am 3. Januar stecke noch etwas ganz anderes“. Hintergrund: Seit einiger Zeit gibt es in politischen Kreisen die Spekulation, Wegner sei gar nicht mit seiner Freundin Tennisspielen gewesen, sondern habe sich in Wirklichkeit mit einer anderen Frau getroffen, wie die JF im Interview mit Brinker bereits berichtete. (fh)





