BERLIN. Der frühere ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, hat eine Rückkehr auf seinen früheren Posten in Berlin nicht ausgeschlossen. „Wenn sich eine Chance bieten würde, wäre ich gerne ein zweites Mal Botschafter hier“, sagte er dem „Spiegel“. Zugleich räumte er ein, eine erneute Berufung sei „eher unrealistisch“.
Melnyk war von 2014 bis 2022 Botschafter der Ukraine in Deutschland. Nach seiner Abberufung wurde er kurzzeitig Vizeaußenminister in Kiew, später Botschafter in Brasilien. Seit Mai 2025 ist er Ständiger Vertreter der Ukraine bei den Vereinten Nationen.
Deutschland bezeichnete Melnyk nun als „zweite Heimat“. Er vermisse die Menschen, die Wurst und auch die Politik. „Ich liebe Deutschland“, sagte er. Als Botschafter könne man nur in einem Land erfolgreich sein, „das man mag“. Während seiner Zeit in Berlin war Melnyk immer wieder mit scharfen Angriffen auf deutsche Politiker aufgefallen. Den damaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden Rolf Mützenich nannte er den „widerlichsten Politiker“, den früheren Merkel-Berater Erich Vad einen „erbärmlichen Loser“. Zu diesen Aussagen stehe er weiter.
Der Ex-Botschafter bereut Beleidigungen
Andere Äußerungen sieht Melnyk heute kritischer. Es sei „nicht in Ordnung“ gewesen, Sahra Wagenknecht eine „widerliche Hexe“ zu nennen. Auch eine Beleidigung des früheren SPD-Außenpolitikers Michael Roth bereue er. Dass Roth die Politik verlassen habe, sei „schade“.
Für besonders viel Kritik sorgten Melnyks Aussagen über den ukrainischen Nationalisten Stepan Bandera. Dessen Organisation OUN war im Zweiten Weltkrieg Historikern zufolge an Massenmorden an Polen und Juden beteiligt. Melnyk hatte Kritikern zufolge den Eindruck erweckt, diese Verbrechen zu verharmlosen.
Im „Spiegel“ blieb er zwar dabei, Bandera sei „persönlich kein Massenmörder von Juden und Polen“ gewesen. Zugleich sagte er, es gebe „blinde Flecken“ in der Geschichte der Ukraine, die aufgearbeitet werden müssten. Seine früheren Äußerungen über Bandera bereue er. „Viele Sachen würde ich heute nicht mehr tun, auch aus Respekt vor den Opfern.“ Blumen an Banderas Grab niederzulegen, sei „ein falscher Schritt“ gewesen.
Melnyk will Schröder nach Moskau schicken
Mit Blick auf den Krieg gegen Russland sprach Melnyk von einer neuen Dimension. Die schweren Angriffe auf Kiew seien kaum noch mit der Lage zu Beginn der Invasion vergleichbar. In der ukrainischen Hauptstadt zu leben, gleiche heute „Russischem Roulette“.
Auch die ukrainischen Angriffe auf russische Energieanlagen weit hinter der Front thematisierte der Ex-Botschafter: Russland müsse spüren, dass „etwas los ist“. Die Angriffe verstießen aus seiner Sicht nicht gegen das Völkerrecht. „Wir verteidigen uns selbst“, sagte er. Für eine mögliche Vermittlung brachte Melnyk ausgerechnet den früheren Bundeskanzler Gerhard Schröder ins Spiel. Schröder gilt wegen seiner Nähe zu Kremlchef Wladimir Putin seit Jahren als umstritten. Melnyk nannte ihn eine „tragische Figur“, verwies aber auf dessen direkten Draht nach Moskau.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) solle Schröder nach Moskau schicken, sagte der ukrainische Diplomat. Schröder könne „seinen persönlichen Beitrag dazu leisten, dass wir vielleicht doch näherkommen“. Er hoffe, „dass Herr Merz das auch tut, dass er diesen Kanal nutzt“. (rr)






