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Fehlende FSK-Freigabe: Wie Uwe Bolls „Citizen Vigilante“ zum Politikum wurde

Fehlende FSK-Freigabe: Wie Uwe Bolls „Citizen Vigilante“ zum Politikum wurde

Fehlende FSK-Freigabe: Wie Uwe Bolls „Citizen Vigilante“ zum Politikum wurde

„Citizen Vigilante“ erreicht Millionen von Menschen: Der Film von Uwe Boll spaltet das Publikum. Foto: Uwe Boll Films
„Citizen Vigilante“ erreicht Millionen von Menschen: Der Film von Uwe Boll spaltet das Publikum. Foto: Uwe Boll Films
„Citizen Vigilante“ erreicht Millionen von Menschen: Der Film von Uwe Boll spaltet das Publikum. Foto: Uwe Boll Films
Fehlende FSK-Freigabe
 

Wie Uwe Bolls „Citizen Vigilante“ zum Politikum wurde

Uwe Bolls „Citizen Vigilante“ bekommt keine FSK-Freigabe – und wird durch Elon Musk erst recht zum Ereignis. Der Fall zeigt, wie Jugendschutz, Politik und soziale Medien kollidieren.
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Jeder hat die kleine Kennzeichnung schon mal gesehen: gelb, grün, blau oder rot leuchtet sie unauffällig am Rande von Filmplakaten, auf Blu-ray- und DVD-Hüllen. Die Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft mit dem berühmten Kürzel FSK gibt in Deutschland an, ab welchem Alter welcher Titel geschaut werden darf. Die Abstufung reicht von null- und sechs- über 12- und 16- bis hin zu 18 Jahren.

Der Film „Verflucht normal“ beispielsweise erhielt zuletzt aufgrund „vulgärer, derb sexualisierter und beleidigender Sprache“ eine Einstufung ab 12 Jahren – die Geschichte dreht sich um das Tourette-Syndrom. Doch können Zwölfjährige schon verstehen, was unfreiwilliges Schimpfen ist? Einordnungen wie diese sorgten schon in der Vergangenheit für Unmut, etwa als der Til-Schweiger-Film „Keinohrhasen“ 2007 mit einer Altersfreigabe von sechs Jahren in die Kinos kam, obwohl darin einige Sexszenen zu sehen waren.

Ein Film ohne Freigabe

Doch das ist nichts gegen den internationalen Furor, den die FSK mit ihrer Entscheidung entfesselte, dem Film „Citizen Vigilante“ von Regisseur Uwe Boll gar keine Freigabe zu erteilen: Der Geschichte eines einsamen Wolfs, der in einer europäischen Musterstadt kriminelle Migranten und korrupte Richter jagt.

Die FSK monierte, Boll liefere damit eine „filmische Etablierung von Selbstjustiz“. Für den Dreh hatte Boll den einstigen Hollywoodstar Armie Hammer engagiert, dessen Karriere 2021 wegen Missbrauchsvorwürfen einbrach.

Die meisten Szenen wurden in der kroatischen Hauptstadt Zagreb auf chaotische Art und Weise gedreht. Hammer zufolge hatte Boll lediglich einen Zettel mit einer allgemein gehaltenen Dreherlaubnis am Set. Viele Aufnahmen wurden spontan gemacht, teils mitten im Berufsverkehr.

„Wieso dürfen acht Menschen sagen, was die Nation sehen soll?“

Im Gespräch mit der jungen freiheit spricht Boll von „politischer Zensur“ (siehe Seite 3). Notfalls sollten sich Fans den Streifen illegal beschaffen, schob er im Internet nach – worauf Tech-Billionär Elon Musk ihn kurzerhand auf seinem Kurznachrichtendienst X veröffentlichte.

Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass die FSK ihre Freigaben nicht als „pädagogische Empfehlungen“ versteht, wie es auf der Seite des von der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) getragenen Gremiums heißt.

Jugendschutz, nicht Empfehlung

Vielmehr betreibt sie dem eigenen Verständnis nach einen proaktiven Jugendschutz und „berücksichtigt, was als potentiell beeinträchtigend“ angesehen werden kann. Die bei nicht altersgerechtem Filmkonsum zu befürchtenden „negativen Wirkungen“ seien etwa „langanhaltende Ängstigungen, emotionale Belastungen oder auch die Befürwortung negativer Verhaltensmuster, wie z.B. der Einsatz von Gewalt oder die Diskriminierung von Personen“, warnt die unabhängige Stelle.

Sie finanziert sich aus Gebühren und beschäftigt über 160 Prüfer, die eigenen Angaben zufolge aus dem Journalismus, der Psychologie, der Medienwissenschaft, der sozialen Arbeit und der Juristerei kommen. „Die Prüfer sind unabhängig und frei von Weisungen. Sie werden für jeweils drei Jahre benannt und dürfen nicht in einem Unternehmen der Filmwirtschaft tätig sein“, betont die FSK. Ihre Arbeit läuft ehrenamtlich.

Wie arbeitet die FSK?

Die Empfehlungen stützen sich auf das Jugendschutzgesetz, die in Zusammenarbeit mit den Bundesländern festgeschrieben werden. Typischerweise reichen Filmemacher ihre Produktionen selbst bei der FSK ein.

Je nach Verfahren schauen sich drei bis neun Prüfer durch das Material und kommen dann zu einem Urteil, gegen das Widerspruch eingelegt werden kann, woraufhin das Werk in größerem Kreis evaluiert wird.

In den meisten Fällen funktioniert das. Für das Jahr 2025 weist die FSK ein Volumen von 5.700 Prüfstunden und 10.500 Freigaben aus.

Ein Großteil davon betraf „Home-Entertainment“, dominiert von Streaming-Anbietern wie „Netflix“. Die mit 43 Prozent häufigste Einstufung bei Kinofilmen betraf 2025 das Siegel „ab 12 Jahren“, gefolgt vom „ab 16“-Siegel (24 Prozent), dem „ohne Altersbeschränkung“- (16 Prozent) und dem „ab 6“-Vermerk (14 Prozent). Nur drei Prozent aller Kinofilme erhielten das „ab 18“-Siegel.

Kino auf eigene Gefahr

Doch dann gibt es natürlich auch noch die Streifen, die gar keine Altersfreigabe erhalten, sprich: die den FSK-Test nicht bestehen – wie „Citizen Vigilante“ beispielsweise, was man auf Deutsch sehr frei als „Der Wutbürger“ übersetzen könnte.

„Wie kann es sein, dass acht Personen bestimmen können, was über 50 Millionen Erwachsene in Deutschland sehen dürfen?“, echauffierte Boll sich in der Berliner Zeitung über das Prozedere.

Anders als Boll zuspitzt, stellt die fehlende Freigabe an sich aber noch keine Zensur dar. Tatsächlich dürften Kinos den Film auch weiterhin vorführen.

Allerdings würden sie dann das juristische Risiko tragen, wegen Jugendschutzverstößen angezeigt zu werden – ein kostspieliges Vergnügen.

Boll spricht von Zensur

Für Boll, der manchem als „schlechtester Regisseur aller Zeiten“ gilt, ist die fehlende Altersfreigabe aber vor allem eine persönliche Kränkung. Für seine Verfilmungen von Videospielklassikern wie „Alone in the Dark“ (2005) oder „Far Cry“ (2008) wurde der Filmemacher in den 2000ern weithin verspottet.

Gleichwohl gelang es ihm immer wieder, hochkarätige Schauspieler wie Jason Statham, Geraldine Chaplin und Ben Kingsley zu gewinnen – auch dank gewagter Geschäftskonstruktionen. Vor diesem Hintergrund sieht Boll die deutsche Filmförderung besonders kritisch. Während er Millionen von Dollar irgendwie wieder einspielen müsse, würden in seiner Heimat irgendwelche „Idioten“ gefördert, echauffierte er sich auf YouTube bei einer Generalabrechnung mit der deutschen Branche, die nur noch „Schmusefilme“ und „Zweiter Weltkrieg“ aufs Parkett bringe.

„Ich mache Filme, die wehtun!“

„Ich habe eine Migrantin aus Afghanistan und die wird jetzt Doktor – kriege ich drei Millionen Euro Filmförderung“, nahm der Künstler den Ist-Zustand aufs Korn. Er hingegen mache Filme, die „wehtun“ – und werde deshalb zensiert.

In einer Videobotschaft wandte sich der Filmemacher direkt an Elon Musk, dem er für sein Netzwerk X und die Möglichkeit dankte, dort frei zu diskutieren. „Citizen Vigilante“ sei genau sein Film, warne er doch wie Musk vor den Gefahren der Migrationspolitik. In einem offenen Brief an die deutsche Kulturszene betonte Boll: „Filme müssen Realität zeigen.“ Tatsächlich hatte der Film bereits wenige Tage, nachdem er vom Tesla- und SpaceX-Chef auf seinem Netzwerk veröffentlicht wurde, mehr als 20 Millionen Aufrufe.

Lesen Sie mehr in der JF28/26

„Citizen Vigilante“ erreicht Millionen von Menschen: Der Film von Uwe Boll spaltet das Publikum. Foto: Uwe Boll Films
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