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Von Stefan Weber überführt: Ex-Chefredakteur Casdorff hat nach KI-Text Schreibverbot im Tagesspiegel

Von Stefan Weber überführt: Ex-Chefredakteur Casdorff hat nach KI-Text Schreibverbot im Tagesspiegel

Von Stefan Weber überführt: Ex-Chefredakteur Casdorff hat nach KI-Text Schreibverbot im Tagesspiegel

Ließ einen Meinungsbeitrag von der Künstlichen Intelligenz verfassen: Ex-Chefredakteur des Tagesspiegel, Stephan-Andreas Casdorff Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Bernd Elmenthaler/Geisler-Fotopr
Ließ einen Meinungsbeitrag von der Künstlichen Intelligenz verfassen: Ex-Chefredakteur des Tagesspiegel, Stephan-Andreas Casdorff Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Bernd Elmenthaler/Geisler-Fotopr
Ließ einen Meinungsbeitrag von der Künstlichen Intelligenz verfassen: Ex-Chefredakteur des Tagesspiegel, Stephan-Andreas Casdorff Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Bernd Elmenthaler/Geisler-Fotopr
Von Stefan Weber überführt
 

Ex-Chefredakteur Casdorff hat nach KI-Text Schreibverbot im Tagesspiegel

Ein Meinungsbeitrag brachte Stephan-Andreas Casdorff in Erklärungsnot. Stefan Weber vermutete KI-Nutzung und kurz darauf räumte der frühere „Tagesspiegel“-Chefredakteur sie ein. Gegenüber der JF fragt Weber: „Haben denn alle den Verstand verloren?“
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BERLIN. Der Tagesspiegel hat seinen früheren Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff nach dem Einsatz Künstlicher Intelligenz bei mehreren Meinungstexten vorerst von publizistischen Tätigkeiten entbunden.

Der 67 Jahre alte Journalist war zuletzt als Editor-at-Large für die Zeitung tätig. Nun sollen seine Texte bis zum Abschluss einer Prüfung offline bleiben.

Die Chefredaktion des Tagesspiegels erklärte am Freitag, ihr sei bekannt geworden, dass Casdorff Meinungstexte durch Künstliche Intelligenz habe verfassen lassen. KI könne zwar einzelne Arbeitsschritte erleichtern, dürfe aber nicht den Kern journalistischer Arbeit übernehmen. Urteilsbildung, Gewichtung von Informationen, analytische Einordnung und sprachliche Gestaltung müssten in der Verantwortung der Autoren liegen. Ganze Texte durch KI schreiben zu lassen, sei ein Verstoß gegen die redaktionellen Richtlinien.

Weber forderte Casdorff zu Stellungnahme auf

Casdorff erklärte selbst: „Ich habe einen Riesenfehler gemacht, habe dem Haus geschadet und mir. Dafür bitte ich von ganzem Herzen um Entschuldigung. Für die Texte habe ich KI genutzt. Das hätte ich kenntlich machen müssen und sie deswegen nicht publizieren dürfen.“

Vorangegangen war nach JF-Informationen eine Anfrage des österreichischen Plagiatsjägers Stefan Weber. Dieser hatte Casdorff am Mittwoch direkt mit dem Verdacht konfrontiert und ihm 48 Stunden Zeit für eine Stellungnahme gegeben. Es ging um einen Kommentar über Klaus Wowereits Coming-out-Satz. Weber schildert den Vorgang gegenüber der JF so: „Ich habe Casdorff am Mittwoch eine E-Mail geschickt mit der Bitte: „Ich ersuche Sie um eine Stellungnahme innerhalb von 48 Stunden ab Lektüre dieser E-Mail, ob Sie für diesen Kommentar KI verwendet haben und wenn ja, welche.

Das Mail ging auch an mehrere Journalisten, weil ich davon überzeugt bin, dass das ein neues riesiges Problem für die Glaubwürdigkeit des Journalismus ist und da ganz schnell etwas getan werden muss.“ Casdorff antwortete Weber inzwischen schriftlich. „Für meine Texte habe ich KI genutzt. Das hätte ich kenntlich machen müssen“, schrieb er.

Ist neben Mario Voigt noch vielen weiteren "KI-Schummlern" auf der Spur: Der bekannte Experte Stefan Weber. Foto: Weber / zVg
Ist noch vielen weiteren „KI-Schummlern“ auf der Spur: Der bekannte Experte Stefan Weber. Foto: Weber / zVg

„Ja, haben denn alle den Verstand verloren?“

Ob die Anfrage Webers den Ausschlag für die Entscheidung des Tagesspiegels gab oder der Fall im Haus bereits zuvor geprüft wurde, ist offen. Der zeitliche Zusammenhang ist jedoch bemerkenswert. Weber wertet Casdorffs Einräumen als späte Ehrlichkeit: „Zumindest jetzt war er ehrlich. Aber wie dumm ist das eigentlich, zu glauben, dass das niemand merken wird? Was sagt das über sein Bild der Leser aus?“

Für den Tagesspiegel ist der Fall besonders heikel, weil Casdorff über Jahre zu den prägenden Gesichtern des Hauses gehörte. Die Chefredaktion schreibt, man bedauere den Schritt, weil er lange wertvolle Arbeit geleistet habe. Zugleich gehe es um den Kern journalistischer Glaubwürdigkeit, der durch wiederholte KI-erstellte Meinungstexte gefährdet sei. Der Verlag will nun mit externer, unabhängiger Unterstützung prüfen lassen, ob auch an anderen Stellen unsachgemäß KI eingesetzt wurde.

Weber sieht in dem Fall kein isoliertes Fehlverhalten, sondern ein Symptom. Gegenüber der JF sagt er: „Der ehemalige Chefredakteur des Tagesspiegel enthält im Haus Schreibverbot, weil er mehrere Kommentare ungekennzeichnet mit KI generiert haben soll. Warum macht er das? Ein Experiment, Ideenlosigkeit, Respektlosigkeit? Wie heißt es in der Zauberflöte? ,So ist denn alles Heuchelei!´ Ich ergänze: Ja, haben denn alle den Verstand verloren?“

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KI-Affäre von Mario Voigt

Nach Webers Einschätzung waren die betroffenen Texte sprachlich auffällig. Er verweist auf Formulierungen, die für ihn nach KI klingen. „Bei Carsdorff im Tagesspiegel waren typische KI-Sätze zu lesen wie: Toleranz ist kein Zustand, der einmal erreicht und dann dauerhaft gesichert wäre. Sie muss immer wieder eingeübt werden. Oder Wowereits Satz war nicht laut, obwohl er Schlagzeilen machte. Bemerkt denn jemand, dass das die neuen Schwurbler sind? Dass hier nur gefällige Platitüden produziert werden? Und fällt jemandem auf, dass dieser ganze KI-generierte Wortmüll stets mit einer woken Haltung, meist auch mit einer linken Agenda verknüpft ist?“

Der Fall reiht sich in eine wachsende Debatte über ungekennzeichnete KI-Texte ein: Erst kurz zuvor hatte die FAZ einen Gastbeitrag des thüringischen Ministerpräsidenten Mario Voigt (CDU) von ihrer Internetseite entfernt und im Archiv gesperrt (die JF berichtete). Auch dort ging es um den Verdacht, dass der Text mithilfe Künstlicher Intelligenz entstanden sein könnte.

Dass es, anders als im Fall Casdorff, hier noch keine persönlichen Konsequenzen gibt, ordnet Weber im Gespräch mit der JF so ein:  „Nun, weil die Zirkusshow weitergehen muss, um jeden Preis, wie bei Wolfram Weimer. Die CDU befindet sich gerade in der Selbstauflösung. Und die ARD macht bei der Rettung von Mario Voigt mit wie Fernsehen zu den besten DDR-Zeiten, indem sie Voigt als sympathischen Familienvater interviewt und nicht eine einzige kritische Frage stellt.“

Ließ einen Meinungsbeitrag von der Künstlichen Intelligenz verfassen: Ex-Chefredakteur des Tagesspiegel, Stephan-Andreas Casdorff Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Bernd Elmenthaler/Geisler-Fotopr
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