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Großbritannien: Mord an Henry Nowak: Behörde sieht „keine Beweise“ für Polizeifehler

Großbritannien: Mord an Henry Nowak: Behörde sieht „keine Beweise“ für Polizeifehler

Großbritannien: Mord an Henry Nowak: Behörde sieht „keine Beweise“ für Polizeifehler

Das Bild zeigt eine Demonstration für Henry Nowak.
Das Bild zeigt eine Demonstration für Henry Nowak.
Demonstranten halten ein Bild von Henry Nowak hoch. Foto: picture alliance / PA Images | Gareth Fuller
Großbritannien
 

Mord an Henry Nowak: Behörde sieht „keine Beweise“ für Polizeifehler

In Handschellen stirbt der 18jährige Henry Nowak unter den Augen der britischen Polizei. Er erstickt an seinem eigenen Blut. Die Beamten helfen nicht und glauben lieber dem Sikh-Täter. Eine Behörde meint nun: Die Polizei hat keine Fehler gemacht.
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LONDON. Die britische Polizei-Prüfbehörde IOPC hat vorerst keine Fehler im Mordfall Henry Nowak festgestellt. Für das Fehlverhalten der Beamten, die den von einem Sikh mit einem Ritualmesser schwer verletzten 18jährigen wegen Rassismusvorwürfen festgenommen hatten, gebe es demnach keine Beweise. Das berichtete der Daily Telegraph am Mittwoch.

In einem Statement bat die Prüfbehörde zudem „bei allem Respekt“ darum, nicht weiter über den Ausgang einer laufenden Untersuchung zu spekulieren. „Die anhaltenden Spekulationen und Kommentare zu den Beweisen könnten mögliche Gerichtsverfahren beeinträchtigen und dazu führen, dass Nowaks Familie nicht die Antworten bekommt, die sie verdient.“

Zuvor hatte IOPC-Chef Derrick Campbell betont, seine Behörde werte derzeit „eine große Menge an Bodycamaufnahmen der Polizei“ im Zusammenhang mit anderen Beweisen aus. Ebenso kündigte er ein Treffen mit den Hinterbliebenen an, um sie auf den neuesten Stand zu bringen.

Ex-Innenministerin Suella Braverman von Nigel Farages Reform UK verurteilte die Arbeit der Behörde. „Das gesamte Geflecht der Polizeiarbeit hat sich als völlig ungeeignet erwiesen“, schrieb sie auf dem Kurznachrichtendienst X. „Menschen sterben wegen dieses völlig kaputten Systems.“


Ex-Labour-Innenminister kritisiert Henry Nowaks Festnahme

Unterdessen ergab eine Umfrage der Universität Reading, wie Beamte der zuständigen Polizei von Hampshire auf die verpflichtenden „Antirassismuskurse“ reagiert hatten. Mehr als 15 Prozent der Teilnehmer gaben an, zumindest teilweise „auf gewisse Weise kontrolliert und unter Druck gesetzt“ worden zu sein. Fast jeder Fünfte fürchtete Ablehnung, falls man „etwas Falsches gesagt hätte“. Mehr als 6.000 Polizisten nahmen an den Kursen teil.

Der ehemalige Labour-Innenminister Jack Straw mahnte gegenüber dem Daily Telegraph eine Überprüfung der Antidiskriminierungsrichtlinien an. Diese waren in Teilen unter seiner Federführung als Reaktion auf einen rassistisch motivierten Mord im Jahr 1993 an einem Schwarzen erstellt worden. „Manchmal gibt es aber Reaktionen, die ins andere Extrem verfallen“, sagte er. Laut einer Richtlinie müssen die Polizisten für „Ergebnisgleichheit“ sorgen, indem sie auf „spezifische Bedürfnisse, Lebensumstände und Erfahrungen“ ethnischer Minderheiten eingehen.

Zudem kritisierte Straw Nowaks Festnahme. „Ich kann beim besten Willen nicht verstehen, warum die Polizisten es für nötig hielten, dem armen Mann Handschellen anzulegen, wo er doch ohnehin durch seine Verletzungen handlungsunfähig war.“

Reform UK fordert ein „Gleichbehandlungsgesetz“

Der im Dezember mit einem 21 Zentimeter langen Sikh-Zeremonialmesser getötete Nowak war trotz lebensgefährlicher Verletzungen festgenommen worden. Der Täter, Vickrum Digwa, und sein Bruder Gurpreet hatten den Beamten einen rassistischen Überfall gemeldet. Auf einer am Montag veröffentlichten Bodycamaufnahme (JF berichtete) ist unter anderem zu sehen, wie ein Polizist den Angriff auf Nowak bestreitet. Vergangenen Montag war Digwa zu 20 Jahren und 190 Tagen Haft verurteilt worden.

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Nach dem Urteil kam es am Rande einer Solidaritätsdemonstration für Henry Nowak zu Ausschreitungen (JF berichtete). Zwei Teilnehmer wurden dabei festgenommen, elf Polizisten wurden verletzt. Der Vorsitzende der Rechtspartei Restore Britain, Rupert Lowe, rief nach den Unruhen zur Zurückhaltung bei den künftigen Protesten auf. „Der Staat wird an euch ein Exempel statuieren, ohne Gnade zu zeigen. Euer Leben wird ruiniert sein.“, schrieb er auf X. „Greift die Polizeikräfte nicht an. Seid klug, bleibt besonnen.“

Auch Labour-Premierminister Keir Starmer forderte die Bevölkerung dazu auf, „gelassen“ zu reagieren. Zudem warf er dem Tech-Milliardär Elon Musk vor, „Spaltung“ zu schüren. „Wir müssen bekräftigen, wer wir als Land sind, denn Musk hat sich in den letzten Tagen in unsere Politik eingemischt, sagte er während seines Besuchs in Nordengland.“

Reform UK kündigte an, die bisherigen Antidiskriminierungsrichtlinien im Fall eines Wahlsieges durch ein „Gleichbehandlungsgesetz“ zu ersetzen. „Damit werden wir die Zwei-Klassen-Polizeiarbeit beenden“, schrieb die Partei auf X. Deren innenpolitischer Sprecher Zia Yusuf beklagte, Weiße seien nun „nachweislich die größten Rassismusopfer in Großbritannien“. Zudem forderte er, die für Sikh-Zeremonialmesser vorgesehene Ausnahme vom Messerverbot zu streichen. Labour-Innenministerin Shabana Mahmood wies den Vorschlag allerdings zurück. (kuk)

Demonstranten halten ein Bild von Henry Nowak hoch. Foto: picture alliance / PA Images | Gareth Fuller
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