BERLIN. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) hat ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft 2026 mehr als halbiert. Hatte die DIHK im Januar noch mit einem Wachstum von 0,7 Prozentgerechnet, geht das Wirtschaftsnetzwerk inzwischen nur noch von einem Wachstum von 0,3 Prozent aus, wie aus der Konjunkturumfrage Frühsommer 2026 hervorgeht, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Für die Untersuchung wurden Vertreter von 23.000 Unternehmen befragt.
Der Lagesaldo, der die Geschäftslage in Deutschland nach Aussagen von Unternehmern bemisst, rutschte auf minus drei Punkte – erstmals seit der Corona-Pandemie liegt dieser Wert unterhalb des neutralen Nullwerts. Im Bereich Handel liegt dieser Saldo sogar bei minus 21 Punkten, bei der vorangegangenen Untersuchung hatte dieser noch minus 14 Punkte betragen. Einzig das Dienstleistungsgewerbe weist mit plus drei noch einen positiven Lagesaldo auf.
Die Stimmung ist schlecht
Dementsprechend pessimistisch blickt die deutsche Wirtschaft in die Zukunft. Jedes dritte Unternehmen (33 Prozent) rechnet in den kommenden zwölf Monaten mit einer Verbesserung der eigenen Geschäfte, nur 13 Prozent erwarten eine Verbesserung. Der sogenannte Saldo der Geschäftserwartungen liegt aktuell bei minus 20 Punkten – gegenüber der vorangegangenen Befragung ist das ein Minus von elf Punkten.
Auch der Stimmungsindex der DIHK zeugt von allgemeinem Pessimismus: Dieser liegt bei 88,1, was einem Minus von fast acht Punkten seit der letzten Erhebung entspricht. Ein Wert von 100 bezeichnet hier neutrale Stimmung, alles darunter deutet auf ein negatives Klima hin.
Bereits Ende März hatten mehrere deutsche Wirtschaftsinstitute ihre Wachstumsprognosen für das laufende Jahr nach unten korrigiert (JF berichtete).
Handelskammer-Chefin sieht Deutschland in einer „Doppelkrise“
Die Hauptgeschäftsführerin der DIHK, Helena Melnikov, zeigte sich bestürzt über diese Zahlen und warnte: „Anders als in früheren Krisen haben viele Betriebe kaum noch Reserven, um den Belastungen etwas entgegenzusetzen. Wir leben in Deutschland von der Substanz.“ Das Land befinde sich in einer „Doppelkrise“, bei der die energiepolitischen Folgen des Irankriegs auf „strukturelle Standortschwächen“ träfen.
Es brauche dringend „mutige Reformen“ und „richtige Prioritäten“ von Seiten der Bundesregierung, forderte Melnikov. Dazu zählten Steuersenkungen für Strom und steuerliche Entlastungen für Unternehmen. (st)






