WASHINGTON. Nach dem plötzlichen Tod des republikanischen US-Senators Lindsey Graham (die JF berichtete) haben sich Spekulationen über eine mögliche Fremdeinwirkung wie ein Lauffeuer ausgebreitet. Offiziell ist bisher von einer schweren Herzerkrankung die Rede. Doch immer mehr Stimmen fordern inzwischen eine vollständige Obduktion.
Der 71 Jahre alte Senator aus South Carolina war einer der entschiedensten Unterstützer der Ukraine und einer der schärfsten Kritiker des iranischen Regimes. Kurz vor seinem Tod war Graham noch in Kiew gewesen.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, er habe Graham allein in der vergangenen Woche zweimal getroffen. Die Tochter von Donald Trumps früherem Ukraine-Gesandten Keith Kellogg, Meaghan Mobbs, schrieb auf X, die Erklärung „Herzstillstand“ reiche nicht aus. Das beschreibe nur, wie Grahams Leben geendet habe, nicht aber, warum sein Herz aufgehört habe zu schlagen.
Sie forderte eine vollständige gerichtsmedizinische Obduktion, toxikologische und histologische Untersuchungen sowie die Einbindung von Strafverfolgungs- und Spionageabwehrbehörden. Mobbs betonte zugleich, Graham könne selbstverständlich eines natürlichen Todes gestorben sein. Gerade deshalb brauche es Transparenz. Nur so ließen sich Verschwörungstheorien verhindern.
Regarding Senator Graham’s tragic passing, “cardiac arrest” is not an adequate answer.
Cardiac arrest tells us how his life ended. It does not tell us why his heart stopped.
Given the threat environment, the identities of America’s adversaries, and Senator Graham’s prominent…
— Meaghan Mobbs (@mobbs_mentality) July 12, 2026
Graham als Zielscheibe bei Khameneis Beerdigung
Was die Spekulationen zusätzlich anfacht, sind Szenen aus Teheran. Bei der Beerdigung des getöteten iranischen Machthabers Ali Khamenei wurden Plakate gezeigt, die wie eine Todesliste wirkten. Darauf waren amerikanische und proisraelische Persönlichkeiten mit roten Fadenkreuzen markiert. Zu den gezeigten Namen gehörten neben dem US-Senator unter anderem Präsident Donald Trump, die Publizistin Laura Loomer und weitere Figuren aus dem Umfeld der amerikanischen Rechten und proisraelischer Netzwerke.
Der republikanische Abgeordnete Randy Fine reagierte scharf: Iranische muslimische Führer Washington dürfe nicht mit einem Regime verhandeln, das Amerikaner tot sehen wolle.
Wenige Tage später ist Lindsey Graham tot. Genau dieser zeitliche Abstand macht den Fall für viele so unheimlich. Graham war im Iran seit Jahren eine Hassfigur. Er forderte harte Sanktionen, unterstützte Israel und stellte sich immer wieder hinter einen militärisch harten Kurs gegen die Islamische Republik.
At least they used a good photo of me.
Judge me by my enemies. https://t.co/Ok2Oq1v4O5 pic.twitter.com/b1RBvzKo9K
— Lindsey Graham (@LindseyGrahamSC) July 6, 2026
Kreis der Verdächtigen: Russland, Iran – oder Mossad?
In den sozialen Netzwerken richten sich die Spekulationen inzwischen in verschiedene Richtungen. Viele Nutzer verweisen auf Moskau. Graham war einer der lautesten amerikanischen Unterstützer der Ukraine, drängte auf neue Sanktionen gegen Russland und traf kurz vor seinem Tod noch Präsident Wolodymyr Selenskyj in Kiew.
Andere sehen den Iran im Zentrum. Das Mullah-Regime hatte Graham seit Jahren als Feind betrachtet. Die Drohbilder bei Khameneis Beerdigung, die Häme im Staatsfernsehen und das später verbreitete Propagandavideo passen für sie in ein Muster. Der russische Ideologe Alexander Dugin schob den Verdacht dagegen in eine andere Richtung.
Er brachte den israelischen Geheimdienst Mossad ins Spiel. Dahinter steht eine Theorie, wonach Grahams Tod politischen Druck auf Donald Trump im Konflikt mit Iran erzeugen solle. Gerade die Vielzahl der Spekulationen zeigt, wie sehr Grahams Tod zum Projektionsfeld internationaler Feindbilder geworden ist.
The sudden death of Lindsey Graham can be the black mark sent to Trump. I doubt it were Iranians. Most realistic it was Mossad job in order to push Trump to renew full scale war with Iran. It clearly means “you are the next”. Lindsey Graham was the shadow of Trump, his black self
— Alexander Dugin (@AGDugin) July 12, 2026
Mullahs feiern Grahams Tod mit Lego-Video
Nach Grahams Tod legten iranische Propagandakanäle nach. Sie verbreiteten eine animierte Lego-Sequenz, die den Tod des Senators als Anschlag inszeniert. In dem Video lauert eine Figur nachts vor einem Haus, dringt anschließend ein und löst offenbar einen Herzstillstand aus. Am Ende stirbt Graham in einem Rettungswagen. Danach wird auf einer Liste der Name „Lindsey“ abgehakt. Darunter steht der Name „Laura“.
Auch das iranische Staatsfernsehen verhöhnte Graham nach seinem Tod. Ein Moderator gratulierte dem iranischen Volk. Der amerikanische Senator sei „in die Hölle“ geschickt worden, hieß es dort.
BREAKING: Iran releases a LEGO animation depicting Lindsey Graham’s sudden death. pic.twitter.com/iEmx1soGC8
— The General (@GeneralMCNews) July 12, 2026
FBI schaltet sich ein
FBI-Direktor Kash Patel erklärte, seine Behörde unterstütze die örtlichen Ermittler und stelle alle notwendigen Ressourcen bereit. Nach US-Medienberichten sehen Ermittler derzeit jedoch keine Hinweise auf einen gewaltsamen oder unnatürlichen Tod. Die örtlichen Behörden führen demnach die übliche Prüfung der Todesursache durch.
Vorläufige medizinische Befunde nennen eine Aortendissektion infolge einer Herz-Kreislauf-Erkrankung als Todesursache. Die endgültige Todesbescheinigung steht aber noch aus. Toxikologische und mikroskopische Untersuchungen können mehrere Wochen dauern.
Pay close attention to what Lindsey Graham is holding in the last photo of him alive https://t.co/yuijetWE35 pic.twitter.com/gMM4RcrZ0m
— Matt Wallace (@MattWallace888) July 12, 2026
Damit bleibt der Fall politisch aufgeladen. Graham war nicht irgendein Senator. Er war einer der lautesten Republikaner für Waffenhilfen an die Ukraine, schärfere Sanktionen gegen Russland und eine harte Linie gegenüber Iran. Sein Tod reißt eine Lücke in Washington – und liefert Amerikas Gegnern bereits Stoff für Propaganda.





