Das weltweite Privatvermögen stieg 2025 um 10,8 Prozent. Es kamen fast eine Million neue Dollar-Millionäre hinzu. Das zeigen die Zahlen des „Global Wealth Report 2026“ der Schweizer Großbank UBS. Europa verzeichnete sogar den kräftigsten Vermögenszuwachs aller Weltregionen. Doch hinter den Rekordwerten verbirgt sich eine Entwicklung, die für Deutschland ernüchternd ausfällt. Denn während die USA ihren Vorsprung beim Vermögensaufbau kontinuierlich ausbauen, bleibt die Bundesrepublik trotz hoher Durchschnittswerte ein Land mit eher schwacher Vermögensmitte.
Mit einem durchschnittlichen Privatvermögen von umgerechnet 346.613 Dollar pro Erwachsenem belegt Deutschland immerhin Weltrang 14, und 2,65 Millionen der 84 Millionen Einwohner verfügen inzwischen über ein Vermögen von mindestens einer Million Dollar. Aber mit 910.382 Dollar Durchschnittsvermögen führt die Schweiz weiterhin das Ranking an – vor den USA, Luxemburg, Hongkong, Australien, Singapur, Dänemark, Neuseeland, Norwegen und den Niederlanden.

Doch genau an diesem Punkt beginnt die eigentliche Geschichte des UBS-Berichts. Durchschnittswerte sagen wenig darüber aus, wie Vermögen tatsächlich verteilt ist. Aussagekräftiger ist das Medianvermögen – jener Wert, bei dem jeweils die Hälfte der Bevölkerung mehr und die andere Hälfte weniger besitzt. Hier fällt Deutschland mit 53.485 Dollar auf Rang 30 zurück. Mit 394.005 Dollar liegt hier Luxemburg auf dem ersten Platz – vor Belgien, Australien, Neuseeland, Dänemark und Hongkong. Das Vermögen konzentriert sich hier nicht ganz so stark an der Spitze wie in Deutschland oder den USA (Rang 28; 68.998 Dollar).
US-Vermögensboom basiert vor allem auf der Stärke der Aktienmärkte
Japan kommt trotz Yen-Abwertung mit 135.745 Dollar auf Rang 10, und Italien (Rang 11; 131.001 Dollar) ist das „vermögensgerechtetste“ der großen EU-Länder. Zwar kommen in Deutschland täglich statistisch 66 neue Dollar-Millionäre hinzu, doch gleichzeitig besitzen lediglich 3,9 Prozent der Erwachsenen fast die Hälfte des gesamten Privatvermögens. Knapp jeder zehnte Erwachsene verfügt dagegen über weniger als 10.000 Dollar Vermögen.
Europa insgesamt blickt auf ein außergewöhnlich erfolgreiches Vermögensjahr zurück. Das Privatvermögen legte um fast 18 Prozent zu – stärker als in Nordamerika oder Asien. Vor allem Osteuropa überraschte mit zweistelligen Wachstumsraten. Dennoch mahnt die UBS zur Vorsicht. Ein erheblicher Teil dieses Zuwachses ist auf den schwächeren Dollar zurückzuführen. Da sämtliche Vermögen in Dollar berechnet werden, ließ allein die Aufwertung des Euro europäische Haushalte vermögender erscheinen. Der tatsächliche Wohlstandsgewinn fällt deshalb geringer aus.
Ganz anders stellt sich die Entwicklung in den USA dar. Dort basiert der Vermögensboom vor allem auf der Stärke der Aktienmärkte. Mehr als 35 Prozent des weltweit erfassten Privatvermögens befinden sich inzwischen in amerikanischer Hand. Über 23 Millionen Dollar-Millionäre leben in den USA – mehr als 40 Prozent aller Millionäre weltweit. Allein im vergangenen Jahr kamen rund 441.000 neue Millionäre hinzu. Rechnerisch entstanden damit jeden Tag mehr als 1.200 neue US-Dollar-Millionäre. Hier bestehen fast 80 Prozent des Privatvermögens aus Finanzanlagen wie Aktien, Investmentfonds oder Unternehmensbeteiligungen.
In Deutschland liegt dieser Anteil nicht einmal bei der Hälfte. Während US-Haushalte unmittelbar von der Kursrallye großer Technologieunternehmen profitieren, setzen deutsche Sparer traditionell auf Immobilien, Sparguthaben und Versicherungen. Sicherheit wird höher bewertet als Rendite – mit langfristigen Folgen für den Vermögensaufbau.
Nachhaltiger Wohlstand entsteht durch anhaltende Investitionen
UBS-Chefvolkswirt Paul Donovan brachte diesen Zusammenhang auf den Punkt: „Glück und der dadurch entstehende Wohlstand sind nicht von Dauer. Nachhaltiger Wohlstand entsteht durch Investitionen – in die eigenen Fähigkeiten ebenso wie in die Wirtschaft insgesamt.“ Der 54jährige Engländer verwies zugleich auf einen psychologischen Aspekt, der die Vermögensdebatte prägt: „Menschen beurteilen ihren Wohlstand häufig im Vergleich zu anderen – nicht nach ihrem tatsächlichen Vermögen.“ Selbst wenn Vermögen objektiv wachsen, könne das Gefühl entstehen, wirtschaftlich zurückzufallen. Dieses Empfinden beeinflusse politische Debatten ebenso stark wie ökonomische Kennzahlen.
Hinzu kommt eine Entwicklung, die den Streit um Wohlstand und Verteilung weiter verschärfen dürfte. In den kommenden Jahrzehnten werden Billionenvermögen an die nächste Generation übertragen. „Die große Vermögensübertragung rückt zunehmend in den Fokus der Politik. Regierungen dürften versuchen, private Vermögen stärker zur Finanzierung ihrer Schulden heranzuziehen“, warnt Donovan. Angesichts steigender Staatsschulden dürfte die Frage, wie Vermögen künftig besteuert werden, erheblich an Brisanz gewinnen.
Der UBS-Bericht zeichnet damit ein widersprüchliches Bild. Die Welt wird insgesamt reicher, doch die Unterschiede zwischen den Volkswirtschaften wachsen. Europa profitiert teilweise von Wechselkursen, Deutschland von hohen Vermögen einer vergleichsweise kleinen Gruppe. Die USA dagegen bauen ihren Vorsprung vor allem deshalb aus, weil breite Bevölkerungsschichten stärker an den Kapitalmärkten beteiligt sind.






