Im Fall des nach einer Recherche der JUNGEN FREIHEIT vom ZDF aus der Expertenliste gestrichenen Generationenforschers Rüdiger Maas gibt es neue Vorwürfe. Der Plagiatsforscher Stefan Weber ist in Maas’ Dissertation auf mehrere Literaturtitel gestoßen, die offenbar gar nicht existieren.
Besonders auffällig sei Fußnote 125, zugleich die letzte im Literaturverzeichnis angeführte Arbeit. Ergebnisse dieser angeblichen Studie „Virality and the algorithm“ (Viralität und der Algorithmus) diskutiert Maas auf Seite 65 seiner Dissertation. Auf Anfrage von Weber erklärte der als Erstautor genannte Medienwissenschaftler Florian Zollmann allerdings, einen solchen Beitrag nie veröffentlicht zu haben.

Auch Fußnote 123 wirft laut dem Österreicher Fragen auf. Der angegebene Beitrag soll aus dem Jahr 2021 stammen, bezieht sich jedoch laut Zitat auf den Ukraine-Krieg, der erst im Februar 2022 begann. Auch diese Quelle scheint nicht zu existieren. Gleichwohl werden ihre angeblichen Ergebnisse in der Dissertation ausführlich referiert.
Vermeintlicher Autor kennt das Werk nicht
Hinzu kommt Fußnote 103, ein Werk mit dem Titel „How Not to Be Alone“, zugeschrieben dem amerikanischen Juristen und Publizisten Cass Sunstein. Auch dieses Buch ist nach bisherigen Recherchen nicht auffindbar. Weber verweist darauf, dass Künstliche Intelligenz dafür bekannt sei, Literaturquellen zu „halluzinieren“. Als nächsten Schritt kündigte er eine Analyse der empirischen Grundlage der Arbeit an.

Maas legte die Doktorarbeit in Bulgarien ab
Die JUNGE FREIHEIT hatte zuvor als erstes Medium Widersprüche in Maas’ akademischer Selbstdarstellung öffentlich gemacht. Im Zentrum stand zunächst die Frage seiner Qualifikationen. Maas, der über Jahre öffentlich als „Psychologe“ auftrat und regelmäßig als Generationenforscher in Talkshows und Nachrichtensendungen des öffentlichen Rundfunks eingeladen wurde, stellte erst auf wiederholte Nachfragen seine Laufbahn detaillierter dar.
Dabei wurde unter anderem bekannt, dass seine Promotion nicht in Psychologie, sondern in Informationswissenschaften an einer Universität in Sofia erfolgte.
Inzwischen griffen auch Die Zeit und die FAZ den Fall auf. Die Zeit berichtete ausführlich über weitere Ungereimtheiten – etwa bei der Außendarstellung von Maas’ „Institut für Generationenforschung“, dessen angeblich großes wissenschaftliches Team sich bei näherem Hinsehen weit kleiner dargestellt habe als öffentlich suggeriert. Auch Maas’ Studien gerieten dort wegen fehlender Transparenz bei Methodik und Datengrundlage in die Kritik.
Das ZDF hat Maas unterdessen aus seiner Expertenliste gestrichen (die JF berichtete). Dort war er bislang als Ansprechpartner für Fragen rund um die Generation Z geführt worden. Damit hatte die Debatte um seine Vita bereits spürbare Folgen. Nun rückt mit den neuen Funden in der Dissertation ein weiterer Aspekt des Falls in den Fokus. Weber kündigte an, seine Recherche fortzusetzen.







