HAMBURG. Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat strafrechtliche Ermittlungen gegen einen YouTuber wegen eines Videos mit einer christlichen und islamkritischen Botschaft eingeleitet. Wie die Nachrichtenagentur Idea berichtet, läuft das Verfahren bereits seit Februar 2025. Allerdings wurde der Fall erst am Mittwoch durch die Idea-Berichterstattung bekannt.
Es geht um den YouTuber „Niko“, der gemeinsam mit einem weiteren Christen den Kanal „Eternal Life“ betreibt. Dem 42jährigen wird vorgeworfen, gegen das Verbot der „Beschimpfung von Bekenntnissen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsvereinigungen“ gemäß Paragraph 166 des Strafgesetzbuchs verstoßen zu haben.
„Deswegen ist Jesus gekommen“
Nach Darstellung von Idea bezieht sich das Verfahren auf ein Video aus dem Jahr 2024. Darin kommentierte Niko unter anderem Bilder von Demonstranten, die das Massaker der Terrororganisation Hamas an israelischen Zivilisten vom 7. Oktober 2023 feierten, sarkastisch mit den Worten: „Wir haben das Jahr 2024 und Antisemitismus ist in Deutschland offiziell wieder erlaubt.“
Außerdem sagte er zu einer Einblendung einer islamistischen Demo in Deutschland: „Diese Demo und Religion zeigt uns etwas Tiefes. Sie ist ein Spiegel von uns Menschen. Weil jeder Mensch Hass in sich trägt und begierig ist. Jeder Mensch will Macht und Reichtum, deswegen ist Jesus Christus gekommen, um zu sterben und aufzuerstehen, wodurch er uns seinen Geist gibt. […] Durch diesen Geist können wir erst wahre Liebe, wahren Frieden, Freundlichkeit und wahre Güte an unserem Nächsten ausüben.“
Nikos Mitstreiter Tino erklärte in dem Video unter anderem: „Der Islam und die Botschaft dahinter bringt nur Hass, Macht und Mord. Diese Religion ist kein Frieden, keine Freude und kein Leben. Sie kämpfen für eine tote Botschaft und für einen toten Gott. Sie wollen ein irdisches Reich in dieser Welt aufrichten.“
Rechtsanwalt fordert Einstellung des Verfahrens
Die Generalstaatsanwaltschaft Hamburg bestätigte gegenüber Idea die Durchführung des Ermittlungsverfahrens, wollte aber keine näheren Angaben machen. Nikos Anwalt forderte in seiner Stellungnahme gegenüber den Ermittlern die Einstellung des Verfahrens. Aus dem Gesamtzusammenhang des Videos sowie des YouTube-Kanals und seiner Inhalte gehe klar hervor, dass es Niko „weder um Hetze noch um Herabwürdigung, sondern um die Verteidigung und Werbung für seinen christlichen Glauben geht“.

Das Problem des islamischen Antisemitismus, mit dem sich das Video beschäftige, werde außerdem sogar von Behördenvertretern öffentlich thematisiert, unter anderem von der Berliner Polizeipräsidentin und der Bundeszentrale für politische Bildung. Eine Strafbarkeit nach Paragraph 166 des Strafgesetzbuchs setze darüber hinaus voraus, dass eine Aussage objektiv geeignet sei, den öffentlichen Frieden zu stören. Das treffe auf dieses Video erkennbar nicht zu.
„Außergewöhnlich langes Verfahren“
Die Christliche Polizeivereinigung (CPV), deren Mitglied Niko als Angestellter im Polizeidienst ist, übte auf Anfrage von Idea Kritik an dem Vorgehen der Anklagebehörde. Ihr Bundesvorsitzender, der Erste Kriminalhauptkommissar a. D. Holger Clas, erklärte, dass die außergewöhnlich lange Verfahrensdauer wegen Äußerungen, die erkennbar von der verfassungsrechtlich geschützten Meinungsfreiheit gedeckt seien, den Kollegen erheblich belasteten. „Dafür fehlt uns jedes Verständnis. Aus meiner langjährigen Praxis ist mir kein Fall bekannt, in dem kirchenkritische Äußerungen derart strafrechtlich verfolgt wurden. Hier entsteht der Eindruck, dass mit zweierlei Maß gemessen wird.“
Der Kanal „Eternal Life“ ist im April 2024 an den Start gegangen. Der Name bezieht sich auf einen Vers aus dem Römerbrief des Apostels Paulus, in dem es heißt: „Denn der Lohn der Sünde ist der Tod; aber die Gnadengabe Gottes ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserem Herrn.“ (Römer 6,23) (idea/ser)





