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Buchrezension: Angst um die Pfründe im Kulturkampf

Buchrezension: Angst um die Pfründe im Kulturkampf

Buchrezension: Angst um die Pfründe im Kulturkampf

Das Deutsche Nationaltheater in Weimar: Linke Künstler fürchten den Kulturkampf, weil sie ihre Deutungshoheit verlieren könnten. (Themenbild)
Das Deutsche Nationaltheater in Weimar: Linke Künstler fürchten den Kulturkampf, weil sie ihre Deutungshoheit verlieren könnten. (Themenbild)
Das Deutsche Nationaltheater in Weimar: Linke Künstler fürchten den Kulturkampf, weil sie ihre Deutungshoheit verlieren könnten. Foto: picture alliance / Daniel Kalker | Daniel Kalker
Buchrezension
 

Angst um die Pfründe im Kulturkampf

Schon wieder warnt ein linker Kulturfunktionär vor dem Kulturkampf: Christoph Bartmanns „Attacke von rechts“ wirkt wie ein Psychogramm einer elitären Blase, die in Panik auf ihre Niederlage wartet. Fabian Schmidt-Ahmad rezensiert.
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Das linksliberale Establishment wundert sich. Es wird nicht länger geliebt. Da kann doch etwas nicht stimmen. Einer der ihren, Christoph Bartmann, ist dieser Frage nachgegangen und hat mit „Attacke von rechts. Der neue Kampf um die Kultur“ unfreiwillig gezeigt, warum das so ist.

Bartmann, der immerhin als Funktionär des Goethe-Instituts unter anderem in Prag, München, Kopenhagen und New York so etwas wie der kulturelle Repräsentant Deutschlands war, zeigt sich analytisch nicht immer sattelfest. Das fängt schon mit den ersten Sätzen an. „Die mittlerweile sprichwörtliche Kettensäge ist bei weitem nicht die einzige Waffe im Arsenal rechter Kulturkämpfer“, hebt Bartmann an. „Für die parlamentarische und außerparlamentarische Oppositionsarbeit finden sich auch mildere Mittel im Sortiment. Etwa die kleinen, großen oder sogar übergroßen Anfragen, mit denen AfD-Fraktionen in Bund und Ländern den Betrieb beschäftigen.“ Ja und? Alles ganz normale Oppositionsarbeit, wie sie beispielsweise auch die Linkspartei betreibt.

Aber wenn die AfD das gleiche macht, ist das aus irgendeinem Grund unheimlich. „Auch über Sitz und Stimme in Ausschüssen und Gremien ist die AfD in der Lage, Kulturpolitik in ihrem Sinne zu befördern“, raunt Bartmann weiter. Denn „für die Rechte scheint, nicht nur in Deutschland, Kultur zur Hauptsache geworden zu sein“. Es gehe ihr um „kulturelle Hegemonie“, was aus Bartmanns Sicht einem „Kulturkampf“ gleichkomme.

Christoph Bartmann: Attacke von rechts. Der neue Kampf um die Kultur. Carl Hanser Verlag, München 2026, broschiert, 176 Seiten, 18 Euro

Bartmann profitierte jahrelang von linker Kulturförderung

Schon an den ersten Absätzen wird das grundlegende Problem des Buches deutlich. Im Grunde genommen beschreibt Bartmann völlig normale Prozesse im Kulturbetrieb. „Kultur fördern heißt aber auch, sie ansonsten in Ruhe zu lassen“, umreißt er die Aufgabe staatlicher Förderpolitik. „Ideen soll die Kultur selbst haben. Nur im Notfall will eine auf die Freiheit der Kunst bedachte Kulturpolitik eingreifen und umsteuern.“ Na, dann ist ja alles geklärt.

Mit den wechselnden Mehrheitsverhältnissen in den Parlamenten wird sich zwangsläufig auch die Sicht darauf, was kulturell förderwürdig ist, ändern. Der rechte „Kulturkampf“ aber sei „eine größer angelegte Offensive“, warnt Bartmann. „In ihr sollen all die Mittel erlaubt sein, die einst der Linken zum Erfolg verhalfen, und vielleicht noch einige mehr.“ Noch einmal: was ist daran so schlimm? „Die Politisierung der Kultur hat in rechten Augen immer schon auf der anderen Seite stattgefunden, nun geht es ihr um die Wiederherstellung der von links angeblich eingeschnürten Kunstfreiheit.“ Eine „Brechung des linken Kulturdiktates“ lässt den Kulturfunktionär erschauern.

Bartmann, Jahrgang 1955, war sein Leben lang Profiteur linker Kulturförderung. Offenbar hat ihn diese Tatsache für den Gedanken immunisiert, das könnte schlicht wahr sein. Wenn die AfD „finanzpolitische Zwangsmaßnahmen als auch eine programmatische Neuorientierung“ androhe, heißt das doch schlicht, dass mit öffentlichen Geldern üppig ausgestattete Einrichtungen wie das Goethe-Institut entweder künftig auf diese verzichten oder auch rechte Kulturbedürfnisse zu befriedigen lernen.

Seine Kulturkampf-Überlegungen wirken hilflos

„Statt um Postkolonialismus und Verwandtes solle es künftig um die selbstbewusste Darstellung deutscher Kulturleistungen gehen. Eine führende Rolle messen die Autoren dabei den Goethe-Instituten zu“, gruselt es Bartmann. „Alexander Gauland will sie in ‘Konsulate der deutschen Identität im Ausland’ verwandelt sehen.“ Immerhin um einiges besser, als was aus AfD-Sicht mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk passieren soll. So bleibt der Eindruck bei Bartmann von viel Wehklagen und Trauer um vergangene Zeiten.


Doch diese dürften vorbei sein, wie auch Bartmanns hilflose Überlegungen zur Gegenwehr zeigen. Ironischerweise beschreibt er sein eigenes Problem gut: „Man würde sich wünschen, dass wenigstens auf der linken und liberalen Seite eine klarere Vorstellung vom Kulturkampf existierte – gerade wenn man ihn gewinnen will.“ Allzu optimistisch sollte Bartmann nicht sein. Denn sollte es der AfD gelingen, nennenswerte Ressourcen zu erobern, wird es ihn noch wundern, was für Töne seine jüngeren Kollegen anschlagen werden. Denn bei allen Unwägbarkeiten ist auf den Opportunismus an den Zeitgeist stets Verlass.

Aus der JF-Ausgabe 13/26.

Das Deutsche Nationaltheater in Weimar: Linke Künstler fürchten den Kulturkampf, weil sie ihre Deutungshoheit verlieren könnten. Foto: picture alliance / Daniel Kalker | Daniel Kalker
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