HAMBURG. Das Thalia-Theater hat nahezu alle Aufzeichnungen des Theaterstücks „Prozeß gegen Deutschland“ über das mögliche AfD-Verbot auf seinem Youtube-Kanal verborgen. Lediglich eine Rede des NDR-Journalisten Michel Abdollahi gegen die Partei bleibt für alle sichtbar. Auf Nachfrage des freien Journalisten Boris von Morgenstern teilte das Theater mit, die Beiträge seien aus urheberrechtlichen Gründen nicht länger für die Öffentlichkeit verfügbar. Es sei demnach „die übliche Praxis“.
Auf Nachfrage teilt mir das Theater mit, dass die Beiträge aus urheberrechtlichen Gründen nicht länger verfügbar sind.
Das sei die übliche Praxis.
Warum das mit dem Urheberrecht für die Tage nach der Veranstaltung kein Problem war, erschließt sich mir nicht. https://t.co/L4U0uQ77rX
— Boris von Morgenstern (@BvMorgenstern) February 24, 2026
Bei dem „Prozeß“, der am vorvergangenen Wochenende veranstaltet worden war, handelt es sich um eine künstlerische Debatte über das AfD-Verbot. Dabei traten Journalisten, Wissenschaftler, Experten und andere Prominente auf Seiten der Gegner und Befürworter auf.
Regisseur des AfD-„Prozesses“ sieht „extreme Frontenbildung“ in Deutschland
Aufmerksamkeit erhielt unter anderem eine kritische Rede des Welt-Kolumnisten Harald Martenstein (JF dokumentierte). „Wenn Sie wollen, daß die AfD verboten wird, müssen Sie nachweisen, daß diese Partei das Land in ein anderes System überführen möchte“, mahnte er. Die „Jury“ einigte sich nach der dreitägigen Diskussionsreihe auf eine Prüfung des Verbots und den Entzug der Parteienfinanzierung.
Der Regisseur und Ideengeber des „Prozesses gegen Deutschland“, Milo Rau, betonte gegenüber dem Cicero, das Stück sei ein Versuch gewesen, unterschiedliche Stimmen miteinander ins Gespräch zu bringen. „Denn die Demokratie stirbt, wenn man es sich zu bequem macht, wenn man nicht mehr mit denen redet, deren Meinung man nicht teilt oder deren Fakten man falsch findet.“ Auch kritisierte er „eine verringerte Gesprächsbereitschaft“ in Deutschland, wo es eine „extreme Frontenbildung“ und „einen Hang zur moralischen Zuschreibung“ gebe. (kuk)




